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Sophie (12) erklärt Erwachsenen die Teenie-App TikTok

Die App «TikTok» erobert Teenager auf der ganzen Welt im Sturm. Ein SRF-Dokfilm hat die Plattform nun einem älteren Publikum bekannt gemacht. Kaum ein Erwachsener weiss aber, worum es auf dieser Plattform eigentlich geht. App-Nutzerin Sophie erklärt es ihnen.
Notiert: Luca Ghiselli
Playback-Singen, Zeichnen, aus dem eigenen Leben erzählen: Teenager wie Sophie nutzen «TikTok» auf vielfältige Weise. (Bild: Urs Bucher, 6. Februar 2019)

Playback-Singen, Zeichnen, aus dem eigenen Leben erzählen: Teenager wie Sophie nutzen «TikTok» auf vielfältige Weise. (Bild: Urs Bucher, 6. Februar 2019)

Ich bin eigentlich gar nicht auf Social Media. Mit meiner Mama habe ich vereinbart, dass ich die Plattformen erst ab der Oberstufe nutze. Das heisst: Kein Facebook, kein Snapchat und auch kein Instagram. Seit dem Herbst bin ich aber «TikTok»-Userin.

Die meisten «TikTok»-Profile gehören Teenagern. Sie laden kurze Videos von sich selbst auf die Plattform. Dabei bewegen sie beispielsweise zu einem Song ihre Lippen synchron. Oder sie erzählen einfach aus ihrem Leben: Was sie gerade machen, wohin sie gehen, wie sie sich fühlen.

Nicht sich selbst, sondern nur die Zeichnungen zeigen

In der Schule haben immer mehr Freundinnen die Apps genutzt, und auch Videos von sich selbst gemacht. Das fand ich spannend. Ich habe es meiner Mama erklärt, und sie war einverstanden. Aber nur unter einer Bedingung: Ich darf mich selbst nicht zeigen, sondern nur meine Zeichnungen hochladen. Das stört mich nicht. Ich bin froh, dass sie mir es überhaupt erlaubt hat.

Ich zeichne schon fast so lange, wie ich denken kann. Und auf «TikTok» kann man eben nicht, wie die meisten Erwachsenen meinen, nur Videos von sich selbst mit anderen teilen, sondern zum Beispiel eben auch seine Zeichnungen.

Zu einem kleinen Durchbruch auf der Plattform hat mir ein Video verholfen, in dem ich die bekannte «TikTok»-Nutzerin @maresclop im Duett gezeichnet habe. Was heisst das? Im Video ist sie rechts zu sehen, links zeichne ich. Danach gibt's einen Schnitt, und die fertige Zeichnung steht ihrem Selfie-Video gegenüber. Manche fragten dann, ob ich ihr Profilbild zeichnen könne. Das habe ich dann gemacht.

Jetzt zeichne vor allem Figuren aus der Animations-App «Gacha Life». Ganz zu Beginn war mein Profil noch so eingestellt, dass nur ich meine eigenen Videos sehen konnte. Seit einer Weile ist mein Account aber öffentlich. Ich habe dann zum Beispiel einen Aufruf gestartet und die «TikTok»-Community gefragt:

«Was soll ich zeichnen? Schickt mir eure Vorschläge!»

Challenges als Ansporn und Stressfaktor

Am nächsten Morgen hatte ich dann über 100 Likes, das Video wurde mehr als 5000 Mal angeschaut. Jetzt habe ich schon mehr als 300 Follower, das ist ganz schön viel. Das liegt auch an den Challenges, die sind auf «TikTok» wichtig. Es gibt zig verschiedene solcher Herausforderungen, die meist mit Hashtags lanciert werden. Zum Beispiel, dass man zu einem bestimmten Lied oder Takt ein Video macht:

Manchmal können diese Challenges auch ganz schön nerven, weil dann fast das ganze «TikTok» voll damit ist. Ich selbst habe mir die Challenge gegeben, jeden Tag etwas zu zeichnen. Bis ich 100 Follower hatte, 200, 300 und so weiter. Das motiviert mich, jeden Tag etwas zu zeichnen. Es kann mich aber auch stressen. Zum Beispiel, wenn ich mal in den Ferien kein WLAN habe.

«Cool, dass die Videos nicht stundenlang dauern»

Ganz so ernst nehme ich es aber eh nicht. Ich habe jetzt schon fünf Tage lang nicht mehr gezeichnet, ich lasse mich nicht zu sehr stressen. Wenn ich in die Schule gehe, lasse ich das Handy zu Hause. Und wenn wir sonntags mit der Familie einen Ausflug machen eigentlich auch.

«TikTok» ist für mich vor allem ein Zeitvertreib, wenn ich gerade nichts besseres zu tun habe. Ich finde es cool, dass die Videos nicht stundenlang dauern, wie das beispielsweise auf Youtube der Fall ist. Nicht, dass ich das schlecht fände. Aber «TikTok» ist diesbezüglich eine nette Abwechslung.

Andere Kolleginnen in meiner Klasse zeigen sich auch selbst auf «TikTok» und sagen beispielsweise, wo sie hingehen und was sie dort machen. Das birgt auch gewisse Risiken. Aber ich glaube, sie wissen schon, was sie machen.

Im Sommer wechsle ich an die Oberstufe. Dann dürfte ich auch einen Instagram-Account eröffnen. Ob ich es dann wirklich mache, weiss ich aber noch nicht. Habe ich etwas vergessen? Ja, folgt mir alle auf «TikTok»! Ich heisse @sophielovestodraw.»

Vier von zehn «TikTok»-Nutzern sind Teenager

Sie ist die am schnellsten wachsende Social-Media-Plattform der Welt: Die chinesische App «TikTok» wird monatlich von 500 Millionen aktiven Usern genutzt, vermelden die Hersteller. Tendenz: Stark steigend.

Inzwischen hat «TikTok», das im August 2018 aus der Lip-Syncing-App Musical.ly entstanden ist, bereits Snapchat hinter sich gelassen. Auch Twitter hat gegen die Teenie-App keine Chance. Am meisten wird die App in China unter dem Namen Douyin genutzt. Dort ist sie laut dem Online-Branchenmagazin «Chip.de» auf 14 Prozent aller Smartphones installiert.

Inzwischen hat sich «TikTok» aber weit über den asiatischen Markt hinaus etabliert: In den USA wurde die App im vergangenen Jahr fast 40 Millionen Mal heruntergeladen, in Deutschland 8,8 Millionen Mal. Vier von zehn «TikTok»-Nutzern sind unter 20 Jahre alt. Rund ein Viertel sind zwischen 20 und 30, nochmal ein Viertel sind zwischen 30 und 50 Jahre alt.

Die Plattform hat auch immer wieder Kritik auf sich gezogen. So wurde «TikTok» vorgeworfen, den Datenschutz zu vernachlässigen. Auch Massnahmen gegen Sexismus und Cyber-Mobbing seien nicht ausreichend, kritisieren Jugendschützer. Im konservativ regierten Indonesien war die App zwischenzeitlich sogar verboten, ist inzwischen ist sie mit Einschränkungen wieder freigeschaltet. (ghi)

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