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Süsse Träume im Arvenkissen

Schlaf Arvenholz soll laut Studien bei Menschen eine beruhigende und wohltuende Wirkung auslösen. Deshalb verpacken drei findige Bündner seit zwei Jahren Holzspäne des Alpenbaums in Kopfkissen und haben Erfolg damit. Markus Rohner

Ein Baum, der am besten zwischen 1500 und 2000 Metern gedeiht und Temperaturen von minus 50 Grad sowie extreme Wetterwechsel schadlos übersteht, muss ein besonderes Gewächs sein. Carlo Jörg, 48, der in St. Moritz als Förster und Bergführer arbeitet, waren die speziellen Eigenschaften der Berg-Arve seit langem bekannt. Dass in einem Arvenholzzimmer besser geschlafen wird als in einem Spanholzbett, und dass an einem Stammtisch aus Arvenholz ruhiger – und vielleicht auch sachlicher – diskutiert wird, soll schon vielen Menschen aufgefallen sein. Nur konnte sich lange Zeit keiner einen Reim darauf machen.

Weniger Herzschläge

Dafür gibt es die Wissenschaft. Das Joanneum Research, eine der grössten ausseruniversitären Forschungseinrichtungen Österreichs, hat in einer wissenschaftlich-empirischen Studie herausgefunden, dass Arvenholz über besondere Eigenschaften verfügt. «Bei der Testbatterie im Labor zeigten sich signifikante Unterschiede in der Erholungsphase zwischen Arvenholzzimmern und identisch gestalteten Holzdekorzimmern», heisst es in der Studie. «Dies äussert sich in einer niedrigeren Herzrate in körperlichen und mentalen Belastungssituationen und anschliessenden Ruhephasen beziehungsweise in einem beschleunigten vegetativen Erholungsprozess.» Die getesteten Personen hatten einen tieferen und besseren Schlaf, und ihr Herz schlug pro Tag 3500mal weniger.

Ins Kissen verpackt

Jetzt hatte es der Engadiner Förster endlich schwarz auf weiss. Bald darauf schritt er zur Tat und sorgte dafür, dass das Arvenholz den Weg in die Schlafzimmer von Freunden und Bekannten fand. In Form von Holzspänen, die er zu Hause in selbstgenähte Kopfkissen abfüllte. Am Anfang lief nicht alles wie geplant. Das Öl der Kettensäge brachte nicht jenen Duft in die Schlafzimmer, den er sich gewünscht hatte. Und von Hand Späne vom Arvenstamm zu raspeln, wurde irgendwann selbst einem kräftigen Forstmann zu mühsam.

So kommt in dieser Schlafgeschichte ein weiterer «Hölziger» ins Spiel. Der Forst- und Holzbauunternehmer Andrea Florinett, 39, aus Bergün. Er fällt die Arven in den Bündner Bergwäldern und schneidet daraus die Späne. «Immer mit der entsprechenden Sorgfalt und exakt nach den Bestimmungen und Wünschen der Kissenhersteller», sagt Andrea Florinett. Das Holz darf nicht zu trocken sein, und die Späne müssen die richtige Länge aufweisen. Schliesslich will man weder Sägemehl noch grobes Holz ins Kissen abfüllen.

Und noch etwas ist ihm fürs Arvenkissen wichtig: Holz, das in der «richtigen Mondphase», das heisst eine Woche vor Leer- oder Neumond, geschlagen worden ist. Mondholz sei ein «gesundes und ruhiges» Material und zudem resistenter gegen Insekten- und Pilzbefall.

Verpackt in Liechtenstein

Von den Bündner Bergen geht die Holzkissen-Reise hinunter ins Fürstentum Liechtenstein. In einer Bettwarenfabrik zwischen Vaduz und Schaan sitzen uns zwei Geschäftsleute aus Graubünden gegenüber: Markus Barth, 35, und Oliver Schulthess, 34. Vor zwei Jahren haben die beiden eine Firma gegründet. Förster Jörg hat seine Idee zur Patentierung angemeldet und ist Lizenzgeber auf die Arvenkissen, während Barth und Schulthess für Marketing und Vertrieb verantwortlich sind. Schulthess ist Inhaber einer Werbeagentur im Domleschg, Barth zurzeit noch Geschäftsführer der PostAuto Schweiz Regionalzentrum Liechtenstein Anstalt und ab Mai Direktor der Stadtbus Chur.

Späne statt Daunen

In der Abfüllhalle der Bettwarenfabrik Dorbena AG in Schaan duftet es, als würde man durch den Engadiner Bergwald wandern. Es duftet nach Arvenholz, das in grossen weissen Säcken gelagert wird. Statt Gänsedaunen werden jetzt halt Holzspäne in luftdurchlässige Baumwollsäcke abgefüllt. Je nach Grösse des Kissens sind es zwischen 1 und 2,6 Kilogramm Holzspäne.

Als Barth und Schulthess hobbymässig ins Geschäft mit den Holzkissen einstiegen, hofften sie, pro Jahr etwa 2000 Kissen verkaufen zu können. Am Schluss waren es über 12 000. «Unsere kühnsten Erwartungen würden übertroffen», sagt Barth.

Mit Steinbock-Logo

Als Marketingprofis kennen sie den hohen Wert der Marke Graubünden ausserhalb des Kantons. Also verkaufen sie ihre Kissen mit der Bezeichnung «Made in Graubünden» und weisen mit dem Steinbock-Logo zusätzlich auf «ein Stück Graubünden» hin. Die Reaktionen, die ihnen zu Ohren gekommen sind, seien grossartig, sagen die Firmeninhaber. Sie hättenschon Ehen gerettet, erklärt Schulthess schmunzelnd, weil der Mann mit dem Arvenkissen im Bett nicht mehr geschnarcht habe. Eine Ehepaar aus Chur gibt Schulthess auf der firmeneigenen Website recht. «Ohropax brauchen wir jetzt nur noch am Stadtfest.»

www.arvenkissen.ch

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