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Süsse Nostalgie

KONSTANZ. Wer das Musical «Anatevka» liebt, darf die berührende Aufführung des Theaters Konstanz auf dem Münsterplatz nicht verpassen.
Christel Voith

Zweieinhalb Stunden «fröhliches, trauriges Anatevka», leise Melancholie, köstlicher Humor und wirbelnde Ausgelassenheit erwarten den Zuschauer, dazu die an chassidische Volksmusik angelehnte, zu Herzen gehende Musik, Hanne Garten als «Fiddler» zusammen mit Klarinette, Gitarre, Akkordeon und Bass (Leitung Peter Kosiol und Markus Munzer-Dorn), die intensiven Lieder und Chöre (Einstudierung Claus Biegert).

Man mag es Nostalgie nennen, wenn wir zurückblicken in das Stetl im Russland von 1905, das zurückzulassen doch wehtut, wie wenn wir innerhalb von drei Tagen Haus und Habe verkaufen und die Heimat verlassen müssten. Ein Schicksal, das heute noch genauso Menschen trifft wie damals bei zaristischen Pogromen. Keine Verklärung also, sondern zutiefst menschliche Anteilnahme an Freude wie an Leid, an der Auseinandersetzung mit dem Einbruch des Neuen in die Tradition, mit Gefahr und Vertreibung.

Regisseur Pavel Fieber hat das Musical sehr behutsam, mit authentischen Einblicken in jüdische Gebräuche inszeniert und choreographiert. Mit wenigen Requisiten wechseln auf dem Kopfsteinpflaster am Münsterplatz intensive Kammerspielszenen mit turbulenten Ensemble- und Tanzszenen. Natürlich steht Milchmann Tevje im Mittelpunkt, Otto Edelmann verkörpert ihn mit hintergründig humorvoller Herzenswärme.

Vorzüglich getroffen sind sie alle, die die jüdische Bevölkerung Anatevkas ausmachen, die nur wehen Herzens die Heimat verlassen: allen voran die beherzte Mutter Golde (Karin Schroeder) und ihre drei flüggen Töchter, die Heiratsvermittlerin Jente (Maria Falkenhagen), die angehenden Schwiegersöhne und der leer ausgehende Fleischer Lazar Wolf – ein Wiedersehen mit Frank Gersthofer, der bis 1991 am Theater St. Gallen die rechte Hand von Theaterdirektor Glado von May war, bevor er nach Kaiserslautern ging und dann Operndirektor in Karlsruhe wurde.

Weitere Vorstellungen bis 23. Juli, www.theaterkonstanz.de

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