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Süss, sauer, spritzig

Neben der Getränkebranche haben Autoren die Limonade wiederentdeckt. In ihren Büchern verraten sie, wie man die Trenddrinks selber herstellt.
Diana Bula
Bild: Iris Kaczmarczyk

Bild: Iris Kaczmarczyk

In Hamburg an der Elbe sitzen und zusehen, wie sich ein Frachtschiff aus Panama mit bunten Containern vorbeischiebt, auf dem Gipfel nach einer schweisstreibenden Wanderung oder an einer Sommerparty auf einer Dachterrasse mitten in der Stadt: Es gibt viele perfekte Limonaden-Momente.

Usch von der Winden geniesst das Getränk am liebsten an heissen Sommertagen im Schatten jenes Baumes, an dem einst die Früchte gereift sind, die der Limonade nun den Geschmack geben. Die Wiesbadnerin hat ein Rezeptbuch über das Getränk geschrieben, «das die Sonne einfängt». Schon bei der Zubereitung überkomme sie jeweils gute Laune, sagt sie. Noch gut erinnert sich von der Winden an ihre erste Limonade: «Grossmutter hatte sie zubereitet.»

Mit weniger Zucker

Lange galt die gute alte Limonade als zu süss, zu klebrig, zu verstaubt. Doch nun ist sie wieder salonfähig, ja, sogar hip. Auch dank neuer Geschmacksrichtungen und fair gehandelter Zutaten, dank des Retro-Trends. Sebalter, der für die Schweiz am Eurovision Song Contest in Kopenhagen 64 Punkte holte, trinkt am liebsten «Gazosa», eine Tessiner Limonade. Das Appenzeller Unternehmen Goba AG produziert seit 1940 Limonaden mit Cola-, Orange-, Citro- und Grapefruit-Geschmack; seit 1999 entwickelt die Firma unter Gabriela Manser aber auch «zeitgemässere Varianten» – mit weniger Zucker. 2002 kam der erste Durstlöscher dieser Art auf den Markt: «Flauder». Die Kräuter für ein Extrakt, das darin steckt, wachsen im Toggenburg – «und irgendwann vielleicht in Appenzell», wie Geschäftsleiterin Gabriela Manser sagt. Zahlen will sie keine nennen. Nur so viel: Nach drei Aufbaujahren habe «Flauder» zu einem «unglaublichen Höhenflug» angesetzt. In den letzten zwei, drei Jahren sind die Verkaufszahlen nicht mehr gestiegen. Sie hätten sich jedoch auf hohem Niveau eingependelt.

Der Limonaden-Krieg

Von Deutschland schwappen Limonaden in die Schweiz, deren Inhalt «natural» und «bio» sein soll. Dort wird der Wettbewerb immer härter. War früher vom Cola-Krieg die Rede – dem Konkurrenzkampf zwischen Coca-Cola und Pepsi-Cola –, so ist unterdessen vom Limonaden-Krieg zu lesen: Mitbewerber decken sich gegenseitig mit Klagen ein, wie «Die Welt» schrieb.

Manche der neuen Produkte sind so schön gestaltet, dass die Flaschen zu schade fürs Altglas sind. Aufgestellt auf dem Fensterbrett machen sich «Bionade», «Aloha», «Now», «Bios» oder wie sie alle heissen, als Vase für Wiesenblumen gut. Die Namen der Produkte zeigen: Hier handelt es sich um Getränke, die Stimmung wie in den Ferien versprechen, trendy und gesund sein wollen.

Von Lemongrass bis Hopfen

In Städten schenken denn auch Szene-Lokale die neuen Limonaden aus. Und weil sich viele Junge mehr erhoffen als das eigene Glück, kann man mit Limonade nun auch Gutes tun. Paul Bethke, Jakob Berndt und Felix Langguth kündigten ihre sicheren Stellen, um Limonade zu machen. Nicht irgendwelche, sondern eine, die hausgemacht ist und auch so schmeckt, wie Bethke gegenüber «Die Zeit» sagte. «Lemonaid» («aid» bedeutet «Hilfe») nennt sich das Produkt der deutschen Jungunternehmen. Pro verkaufter Flasche gehen fünf Cent an Sozialprojekte, auch an eine Schule in Paraguay. Das Land liefert Rohrzucker für Lemonaid.

Holunder-Traube, Apfel, Lemongrass, Sweet Mandarine, Birne-Hopfen: Die Palette der Geschmacksrichtungen der Süssgetränke macht die Wahl heute zur Qual. Dabei hatte die Ur-Limonade einst nur aus Wasser und Zitronensaft bestanden. Genauer: Limonensaft. Er war es auch, welcher der Limonade ihren Namen gab. «Der Genuss von Limonade blieb vorerst den Wohlhabenden vorbehalten, die Ingredienzien waren kostspielig», schreibt Usch von der Winden in ihrem Buch «Limonaden, Sommerdrinks und Sorbets». Den Durchbruch schaffte die Limonade im 19. Jahrhundert – als Lemon Squash, einem Gemisch von Wasser, Zitronensaft und Zucker. Was so beliebt war, wurde eines Tages industrialisiert: Johann Jacob Schweppe entwickelte ein Verfahren, mit dem er Wasser mit Kohlensäure versetzen konnte. Geschaffen war das prickelnde Trinkvergnügen.

Omas Kräuterliebe prägt

Weil Selbermachen ebenso im Trend liegt wie alles, was retro ist, geben auf Foodblogs talentierte Hobbyköche Rezepte für selbstgemachte Limonaden preis. In den Regalen von Bücherläden liegen Neuerscheinungen, die ins Limonademachen einführen wollen. Usch von der Winden ist nur eine der Autorinnen und Autoren. «Als Kind bin ich mit meiner Grossmutter in die Pilze und in die Kräuter gegangen. Das hat Spuren hinterlassen», sagt sie. Wie einst ihre Oma verwendet sie Zitronen für Limonaden, aber auch vieles mehr: Kaktusfeigen, Kürbis, Kirschen, Matcha-Tee, Pfeffer und Petersilie (siehe Rezepte). «Ich probiere für mein Leben gerne aussergewöhnliche Kombinationen aus», sagt von der Winden.

Die Anfänger-Fehler

Für diese Woche sind sommerliche Temperaturen vorausgesagt, die Lust auf selbstgemachte Süssgetränke steigt. Tips von der Buchautorin kommen da gelegen: Den Zucker – die Menge lässt sich je nach Vorliebe variieren – in wenig Wasser auflösen und erst dann unter die Zutaten mischen. Tip zwei: Die Eiswürfel nicht direkt ins Getränk geben, sondern besser den Krug im Wasserbad kühlstellen. «Sonst wird die Limonade verwässert.» Noch eine adrette Aufmachung – fertig ist die Limonade: Ein Joghurtglas nehmen, eine Schleife drumbinden, Limonade einfüllen, ein lauschiges Plätzchen suchen. Prost!

Usch von der Winden: Limonaden, Sommerdrinks und Sorbets, Edition Fackelträger 2014, 112 S., Fr. 27.90

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