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St.Galler Festspiele: Der Moment, wenn Georges Hanimann aufatmen kann

Georges Hanimann ist Technischer Leiter am Theater St.Gallen. Er ist auch für die Festspiele verantwortlich, die am Freitag Premiere feiern. Georges Hanimann macht seine Arbeit mit Leidenschaft, auch wenn sie im Klosterhof schwieriger ist.
Maria Keller
Für die Tribüne und das Bühnenbild wird tonnenweise Material auf den Klosterplatz gefahren und dort innert kürzester Zeit aufgebaut.(Bilder: Michel Canonica)

Für die Tribüne und das Bühnenbild wird tonnenweise Material auf den Klosterplatz gefahren und dort innert kürzester Zeit aufgebaut.(Bilder: Michel Canonica)

Wenn am Freitag um 22.30 Uhr an den St.Galler Festspielen nach der Premiere der Oper «Edgar» zum ersten Mal tosender Beifall ertönt; wenn sich die Luke in der Mitte der Festspielbühne zum richtigen Zeitpunkt für die Grabszene geöffnet hat; wenn der Lichtkegel beim Gesangssolo des Hauptdarstellers exakt ausgerichtet war; wenn die Tribüne das Gewicht der Zuschauer halten konnte: Dann kann Georges Hanimann aufatmen. Obschon: Der 57-Jährige scheint sich nicht mehr so schnell aus der Ruhe bringen zu lassen. Vor 20 Jahren kam er ans Theater St.Gallen, als Stellvertreter des Technischen Leiters. Vier Jahre später übernahm er diese Position – und füllt sie bis heute leidenschaftlich aus.

Angewiesen auf Handwerker

Die traditionellen Festspiele auf dem Klosterplatz sind die letzte Produktion der Saison und gehören zu den aufwendigsten Projekten des Theaters St.Gallen. Der Aufbau der Tribüne hat vor fünf Wochen begonnen. Die technischen Vorbereitungen starteten schon im Oktober des vergangenen Jahres. «Die Arbeit beginnt bei der Konzeptphase», sagt Hanimann. Das Technikerteam des Theaters fungiere als Schnittstelle zwischen den externen Baumeistern und internen Werkstätten und Bühnenbildnern des Theaters. «Bei einem Projekt dieses Ausmasses sind wir auf externe Hilfe angewiesen.» Was wird im Theater selbst hergestellt, und wo braucht es externe Hilfe? Sind die Ideen des Leitungsteams des Bühnenbilds technisch umsetzbar?

«Nach der Planungsphase beginnt die konkrete Umsetzung», erklärt Hanimann. «Bei der Freiluftbühne müssen wir uns einigen Herausforderungen stellen, die wir im Theater nicht haben.» Das seien zum Beispiel der weniger stabile Untergrund oder tonnenweise Material, das an den Touristen vorbeigeschleust werden müsse. «Anders als auf der Bühne im Theater arbeiten wir hier von null auf hundert. Alles, was uns vorgegeben ist, ist eine Rasenfläche. Wir stampfen die Tribüne in zwei bis drei Tagen aus dem Boden.» Auf der Bühnenkonstruktion entsteht eine Landschaft. Bäume, Wiese, eine gemalte Stadtsilhouette. «Das Bühnenbild ist angelehnt an den ‹Genter Altar›, ein Gemälde der Brüder Jan und Hubert van Eyck», sagt Hanimann. Das ist auch so ziemlich alles, was der Technische Leiter zum Stück weiss. «Ich bin mit dem Inhalt der Oper nicht vertraut, und das ist auch nicht notwendig. Wichtig für mich einzig ist die technische Beurteilung.»

Georges Hanimann Technischer Leiter Theater und Festspiele.

Georges Hanimann Technischer Leiter Theater und Festspiele.

Das Entscheidende sei, «zur richtigen Zeit am richtigen Ort die richtige Arbeit zu leisten», sagt Hanimann. Schliesslich werde man dafür belohnt. Als Hanimann seine Stelle beim Theater antrat, sei er ins kalte Wasser geschmissen worden. Das war 1998. Hanimann war für die technische Unterstützung des Musicals «Evita» mitverantwortlich. «Das Stück war ein Riesenerfolg für das Theater und ein Schlüsselerlebnis für mich. Mir wurde bewusst: Wow, ich kann etwas bewegen!» Das Theater sei ein spezieller Arbeitsort, gibt Hanimann zu. «Die Emotionen explodieren oft. Im einen Moment herrscht angespannte Stimmung, im nächsten liegen sich alle in den Armen.» Er habe eigentlich nie eine grosse Affinität zum Theater gehabt, sagt Hanimann. In seiner Kindheit besuchte er mit seinen Eltern keine Musicals oder Opern. «Das machen meine Frau und ich heute mit unserem Sohn anders. Er bekam das im Gegensatz zu mir in die Wiege gelegt.»

Abwechslungsreiche Aufgabe

So sei es ursprünglich nicht die Atmosphäre des Theater gewesen, die ihn nach St.Gallen auf seine jetzige Position geführt hatte. Hanimann lernte Landmaschinenmechaniker. Elf Jahre lang arbeitete er bei der Bühler AG in Uzwil. «Zu Hause war ich mit Freunden oft kreativ tätig. Wir bauten kleine Tische oder gestalteten ein eigenes Produkt.» Die Ausbildung zum Landmaschinenmechaniker sei eine gute Wahl gewesen, die Hanimann nicht bereut. Doch irgendwann wurde ihm klar: Das würde er nicht 45 Jahre lang machen. Als er 38 Jahre alt war, stiess Hanimann auf die Ausschreibung zum stellvertretenden Technischen Leiter am Theater St.Gallen. «Kreative Leute gesucht», erinnert er sich des Inhalts des Stelleninserates. Da habe er angebissen. «Ich wusste einiges, was die Produktionstechnik anbelangt, und gewann so an Anerkennung und Zugang zu den Leuten, mit denen ich zusammenarbeite. Seither haben wir in der Fertigungstechnik einen Schritt nach vorne gemacht.»

Hanimann ist bis heute am Theater geblieben und wird auch noch die letzten Jahre vor der Pensionierung beim Theater bleiben, wie er sagt. «Meine Arbeit ist abwechslungsreich, sie birgt immer Neues, und vieles ist vom Team abhängig. Das fasziniert mich. Ihm ist klar: «Es ist ein Geschenk, wenn man in der Arbeit, die man macht, Erfüllung findet. Wenn man nicht morgens aufsteht und hofft, dass es schon wieder 17 Uhr ist.»

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