Start geglückt – vorläufig

In neuer Zusammensetzung und neuen Sesseln hat der Literaturclub des Schweizer Fernsehens eine ganz gute Figur gemacht.

Rolf App
Merken
Drucken
Teilen
Stefan Zweifel (Bild: srf)

Stefan Zweifel (Bild: srf)

Stefan Zweifel ist nervös, man merkt es. Durchaus mit Grund: Zum einen ist der Schritt vom Literaturkritiker zum Moderator des Literaturclubs des Schweizer Fernsehens nicht gerade leicht. Zum andern sitzt ihm gegenüber mit Elke Heidenreich eine sehr wortmächtige Vorgängerin im Amt. Und schliesslich fällt mit Rüdiger Safranski ein Mitdiskutant auch für die nächste Sendung aus. Er sitzt zwar im Publikum und gibt am Schluss einen Lesetip ab, krächzt aber erbärmlich. Als Ersatz sitzt der Leiter des Hamburger Literaturhauses Rainer Moritz in der Runde.

(Zu) viel Lob

Trotz dieser Handicaps gelingt der Start des «neuen» Literaturclubs nicht schlecht. Die Runde, zu der ausserdem noch Hildegard Keller gehört, verläuft sich zwar ein wenig im allzu einhelligen Lob für Richard Fords Roman «Kanada», dividiert sich dann aber bei Alain Claude Sulzers «Aus den Fugen» angenehm auseinander. Julie Otsukas «Wovon wir träumten» wird zur Geschichtsstunde eines dunklen Kapitels amerikanisch-japanischer Geschichte. Richard Yates' «Eine gute Schule» wird dann wieder mit einer Überdosis Lob bedacht.

Verbesserungen möglich

Verbesserungspotenzial ist also schon von der Auswahl der Titel her vorhanden. Die Kritikerrunde agiert noch etwas gar vorsichtig, aber diese erste Sendung kann sich sehen lassen – auch dank Stefan Zweifels umsichtiger Gesprächsleitung. Zu Beginn hatte er noch befürchtet, die Sendung könnte «aus den Fugen geraten».