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Stahlberger und die sieben Zwerge

Etwas verhalten erzählt Manuel Stahlberger bei Gertrud auf dem Schleudersitz aus seiner Kindheit. Doch als böse Königin in «Schneewittchen» kommt er plötzlich in Fahrt und gibt dem Märchen neuen Drive.
Mirjam Bächtold

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Spieglein, Spieglein an der Wand ... – ein märchenhaftes Trio im Figurentheater St.Gallen: Manuel Stahlberger, die böse Königin aus «Schneewittchen» und Gertrud. (Bild: Urs Bucher)

Spieglein, Spieglein an der Wand ... – ein märchenhaftes Trio im Figurentheater St.Gallen: Manuel Stahlberger, die böse Königin aus «Schneewittchen» und Gertrud. (Bild: Urs Bucher)

Es gibt einen Moment, da ist Manuel Stahlberger tatsächlich um Worte bemüht. Etwas verlegen sitzt er neben der Klappmaulpuppe Gertrud auf dem Schleudersitz und kommt beinahe ins Schleudern. Dass er als Kind Stahli – oder manchmal sogar Stalin – genannt wurde, ist ihm peinlich. Doch der Musiker und Kabarettist fängt sich schnell wieder. Mit seiner trockenen, nüchternen Art und der monotonen Stimme, die man aus seinen Shows kennt, steht er Gertrud Red und Antwort. In Gertruds Talkshow öffnet Stahlberger das Fotoalbum seiner Kindheit und Jugend. Der etwa sechsjährige Manuel trägt ein grün-weisses T-Shirt mit der Aufschrift Fido. Damals machte der FC St. Gallen Werbung für Hundefutter. Als Teenager trug Stahlberger die Haare lang, vielleicht um die riesige Brille – die ihm heute ebenfalls peinlich ist – zu verdecken.

Die Königin lispelt und nuschelt

Doch wer sich zu Gertrud auf den Schleudersitz getraut hat, muss sich nicht nur redend behaupten. Manuel Stahlberger, der das Figurentheater sonst von Besuchen mit seinen Kin- dern kennt, soll nun selbst einer Puppe seine Stimme verleihen. Es ist die böse Königin aus «Schneewittchen», einem Märchen, das Stahlberger nicht mehr so gut kennt. «Was sagte die böse Königin immer, wenn sie vor dem Spiegel stand?», fragt Gertrud. Stahlberger versucht es mit:

«Potz Holzöpfel und Zipfelchappe!»

Gemeinsam mit Eliane Blumer und Lukas Bollhalder soll Stahlberger nun das Märchen spielen. Die böse Königin mit den grossen Lippen hat plötzlich eine sehr männliche Stimme, sie lispelt und nuschelt. Vom Jäger fordert Stahlbergers Königin nicht etwa Schneewittchens Herz, sondern die Niere.

«Oder das Knie? Und den Darm und den Fuss!»

Woraufhin Gertrud einen Schluck aus ihrer Schnapsflasche braucht. Als die Königin erfährt, dass Schneewittchen noch lebt, will Manuel Stahlberger erst eine Dampfwalze vorbeischicken, entscheidet sich dann aber doch, wie von der Erzählerin vorgeschlagen, für den Apfel. Als Schneewittchen am Apfelstück erstickt, sagt Gertrud:

«Die Königin lachte und rief …» «Was muss ich rufen?», kommt es von der Bühne zurück.

Gertrud wischt sich den Schweiss von der Stirn. Theaterleiterin Frauke Jacobi verleiht der Puppe auf überzeugende Weise Leben und Charakter. Sie kratzt sich am Kopf, hält beim Nachdenken die Hand ans Kinn und greift zur Schnapsflasche, wenn ihr Stahlbergers Antworten unangenehm werden.

Heiteres Schimpfwörterraten mit Kapitän Haddock

In einer zweiten Gesprächsrunde schildert Stahlberger, wie es dazu kam, dass er für das Kulturmagazin «Saiten» die Comic-Serie über Herrn Mäder zeichnen durfte. Er erzählt, dass er aus Versehen die Musik zu seinem Beruf gemacht hat. «Es war ein Quartierfest, an dem ich mit einem Freund auftrat. Auf dem Zeltplatz hatten wir die Lieder dafür geschrieben.» Daraus entstand das Duo «Möhle und Stahli» und nach der Trennung gründete er 2003 das Duo «Stahlbergerheuss». An diesem Freitagabend im ausverkauften Figurentheater erfahren die Zuschauer auch, dass Stahlbergers liebste Comicfigur Kapitän Haddock aus «Tim und Struppi» ist, weil dieser so viele Fluchwörter kennt. Tim sei zwar klug, aber das sei doch langweilig, findet Stahlberger.

«Ich war im Duo ‹Möhle und Stahli› auch eher wie Tim, Möhle war der Clown.»

Für das zweite Spiel präsentiert Gertrud eine eigens für Stahlberger gebaute Haddock-Puppe. Weil der aufgrund eines Experiments von Professor Bienlein seine Stimme verloren hat, muss Manuel Stahlberger Fluchwörter umschreiben, die das Publikum erraten soll. Er versucht es mit den gegenteiligen Begriffen und kreiert somit das neue Schimpfwort «Vorderwiesler» für das gesuchte Wort Hinterwäldler. Noch kreativer wird es, als er es mit Reimen versucht: Er sagt «kalter Schrottpfahl» und will «alter Pottwal» vom Publikum hören. Für mehr als zehn richtige Schimpfwörter schenkt Haddock ihm seinen Whiskey. Und am Schluss entscheidet der frenetische Applaus des Publikums, das Stahlberger nicht vom Sitz geschleudert wird.

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