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Interview

Sprinterin Salomé Kora verbrachte als Kind fünf Jahre in Benin: «Dort habe ich die Zeit der Kinderfilme verpasst»

Die Leichtathletin Salomé Kora, zweitschnellste Schweizerin über 100 m, startet Ende September an ihrer zweiten WM. Die 25-jährige Arneggerin erklärt, wie die Zeit in Benin sie geprägt hat – und spricht über Shootings sowie ihr Outfit.
Tim Frei
Salomé Kora fühlt sich auf der Leichtathletikanlage zu Hause. (Bild: Benjamin Manser)

Salomé Kora fühlt sich auf der Leichtathletikanlage zu Hause. (Bild: Benjamin Manser)

Sprintstaffel-Kollegin Mujinga Kambundji hat im August Ihre Saisonbestleistung unterboten. Tat das weh?

Salomé Kora: Überhaupt nicht. Im Gegenteil: Das hat mich angestachelt. Ich möchte meine Bestzeit von 11,13 Sekunden in dieser Saison unterbieten. Vor Mujinga habe ich grossen Respekt. Ich wusste, dass sie das Jahr so aufbaut, dass sie rechtzeitig vor dem Saisonhöhepunkt – der WM in Doha – die beste Form erreicht. Deshalb war ich auch nicht überrascht.

Mit der Staffel haben Sie sich kürzlich in der «Schweizer Illustrierten» ablichten lassen. Wie war das?

Es war mein erstes Shooting für eine Zeitschrift. Wir wurden geschminkt, eingekleidet und konnten nicht selber entscheiden, was wir anziehen wollen. Das war speziell, zumal ich solche Kleider im Alltag nie tragen würde. Es war aber eine tolle Erfahrung.

Sieht man solche Shootings von Ihnen nun öfters? Zum Beispiel eine Homestory?

Private Dinge gebe ich nicht so gerne preis, deshalb wäre eine Homestory weniger mein Fall. Solche Anfragen bespreche ich mit Personen, zu denen ich Vertrauen habe. Aktuell werde ich jedoch nicht damit überhäuft, sodass es gut zu bewältigen ist. Ich bin mir aber bewusst, dass sich das nach Erfolgen ändern kann.

Wie wichtig ist Ihnen ein schönes Outfit?

In der Freizeit spielt das für mich keine grosse Rolle. Bequemlichkeit ist mir wichtiger. Aber wenn ich schon die Gelegenheit dazu habe wie an Sportlerehrungen, achte ich schon auf ein schönes Outfit.

Sprinterinnen sind muskulös und zeigen viel Haut im Stadion. Hat Ihr Freund Probleme damit?

Wenn jemand einen athletischen Körper sehen will, ist er im Leichtathletik-Stadion sicher am richtigen Ort. (lacht) Es sind aber nicht nur die Sprinter – auch die anderen Athleten tragen ähnliche Trikots. Was wir anhaben, wird sowieso vom Ausrüster festgelegt. Mein Freund hatte noch nie Probleme damit.

 Salomé Kora fühlt sich in St. Gallen pudelwohl. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo) Salomé Kora fühlt sich in St. Gallen pudelwohl. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)
(Bild: Adriana Ortiz Cardozo)(Bild: Adriana Ortiz Cardozo)
(Bild: Adriana Ortiz Cardozo)(Bild: Adriana Ortiz Cardozo)
Die 25-Jähirge posiert auf der Leichtathletikanlage Neudorf in St. Gallen. (Bild: Benjamin Manser)Die 25-Jähirge posiert auf der Leichtathletikanlage Neudorf in St. Gallen. (Bild: Benjamin Manser)
Die athletische Arneggerin ist eine Frohnatur. (Bild: Benjamin Manser)Die athletische Arneggerin ist eine Frohnatur. (Bild: Benjamin Manser)
Daumen hoch: Salomé Kora scheint mit ihrem Sprint bei «Weltklasse Zürich» zufrieden zu sein. (Bild: Claudio Thoma/freshfocus)Daumen hoch: Salomé Kora scheint mit ihrem Sprint bei «Weltklasse Zürich» zufrieden zu sein. (Bild: Claudio Thoma/freshfocus)
Salomé Kora gibt bei «Weltklasse Zürich» mit der 4x100m-Staffel alles. Mujinga Kambundji (im Hintergrund) feuert die St. Gallerin an. (Bild: Marc Schumacher/freshfocus)Salomé Kora gibt bei «Weltklasse Zürich» mit der 4x100m-Staffel alles. Mujinga Kambundji (im Hintergrund) feuert die St. Gallerin an. (Bild: Marc Schumacher/freshfocus)
Die 4x100m-Staffel bei Weltklasse Zürich(von links): Ajla Del Ponte, Mujinga Kambundji, Salome Kora and Sarah Atcho (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)Die 4x100m-Staffel bei Weltklasse Zürich(von links): Ajla Del Ponte, Mujinga Kambundji, Salome Kora and Sarah Atcho (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)
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Salomé Kora

Als Kind haben Sie mit Ihren Eltern fünf Jahre in Benin gelebt, dem Heimatland Ihres Vaters. Welche Erinnerungen haben Sie daran?

Ich bin meinen Eltern sehr dankbar, dass ich Zeit in meinem zweiten Heimatland verbringen durfte. Fernab von einer Stadt hatten wir einen nahen Bezug zur Natur und lebten sehr bescheiden: Ich rannte zum Beispiel barfuss durch den Busch, kletterte Bäume hoch oder spielte mit Nachbarkindern mit Pneus herum. Es war ein anderes Leben als in der Schweiz, aber auch sehr schön. Ich bin meinen Eltern aber auch dankbar, dass wir in die Schweiz zurückkehrten und ich dort eine ausgezeichnete Ausbildung genoss.

Abgesehen vom Bildungsangebot: Inwiefern war das Leben in Benin bescheidener?

Wir hatten zum Beispiel keinen Fernseher. Dadurch habe ich die Zeit der Kinderfilme verpasst. Das wird mir bewusst, wenn meine Freundinnen über Disney-Filme aus der Kindheit erzählen.

Die Rückkehr muss sich wie ein Kulturschock angefühlt haben.

Wir reisten jeden Sommer für fünf Wochen in die Schweiz, so hatten wir schon einen Bezug zum Land. Aber es stimmt: Es war ein grosser Kulturschock. In der Schweiz besuchte ich erstmals eine Schule. Ich erinnere mich noch, dass es wichtig war, möglichst cool zu sein. Das war eine völlig neue Erfahrung für mich. Zudem kam ich in eine Umgebung, in der sich alle schon kannten. Und ich musste das System der Klasse zuerst kennen lernen – und dies erst noch in einer anderen Kultur. Die Freundschaftspflege etwa hat sich stark unterschieden. In Benin war alles viel spontaner: Man ist einfach bei Nachbarn oder Freunden eingetrudelt, hat zusammen «Zmittag» gegessen oder im Haushalt mitgeholfen.

Wie starten Sie in den Tag?

Ich beginne mit einem Glas Wasser. Dann dehne ich mich 45 Minuten, wobei dazu meistens eine Netflix-Serie läuft.

Nach dem Dehnen essen Sie aber schon «Zmorge»?

Ja, ich esse jeden Morgen Eier. Und am Sonntag gibt es zwischendurch auch Mal einen Zopf.

Zum Abschluss nochmals zum Sport: Können Sie davon leben?

Momentan geht es mir dank der Unterstützung von Sponsoren, privaten Gönnern und der Sporthilfe gut. Ich bin aber auch ein Mensch, der nicht viel Geld ausgibt. Wenn man Leistungssport betreibt, hat man dazu gar nicht viel Zeit.

Die zweitschnellste Sprinterin der Schweiz

Salomé Kora, als Tochter eines Beniners (Westafrika) und einer Ostschweizerin geboren, wuchs in Arnegg mit zwei jüngeren Schwestern auf. Mittlerweile wohnt die 25-Jährige in St. Gallen. Zu den Disziplinen der Leichtathletin vom LC Brühl zählen der Sprint über 100 m und die
4x100 m-Staffel. Kora ist aktuell die zweitschnellste Schweizer Sprinterin über 100 m. Ihre bisher grössten Erfolge sind der Halbfinal über 100 m und der fünfte Platz mit der Staffel an der vergangnen WM im Jahr 2017 in London. Ab Ende September winkt an der WM in Doha die Chance auf eine Rangverbesserung mit der Staffel. Kora wird zudem über 100 m starten. Das nächste Jahr hat es dann in sich für die Ostschweizerin: Einerseits stehen die Olympischen Spiele in Tokio an, anderseits wird Kora bis im September die Masterarbeit ihres Studiums zur Oberstufenlehrerin abgeben müssen. (tm)

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