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Englisch knapp vor Chinesisch: Zahlen und Fakten zu den Sprachen

Am nächsten Donnerstag ist der Internationale Tag der Muttersprache. Er will aufmerksam machen auf den schleichenden Verlust von sprachlicher und damit auch kultureller Vielfalt. Zahlen und Fakten zur Sprache.
Hans Graber (Text), Selina Buess (Illustration)

Die Grafik zeigt es: Englisch ist die weltweit am meisten gesprochene Sprache (total 1,122 Milliarden), knapp vor Mandarin-Chinesisch (1,107 Milliarden). Berücksichtigt man nur die Muttersprache, dominiert mit grossem Vorsprung Mandarin-Chinesisch, und auch Spanisch liegt noch vor Englisch.

Nötig ist etwas Wortklauberei: Muttersprache meint jene Sprache, die ein Kind zuerst erlernt, vermittelt am ehesten von der Mama. Aber längst nicht immer, es kann auch der Papa oder die Oma sein. In der Wissenschaft wird deshalb der Begriff Erstsprache bevorzugt.

Die Zweitsprache ist zu unterscheiden von der Fremdsprache. Die Zweitsprache erlernt ein Kind, weil vielleicht die Eltern verschiedene Muttersprachen ­haben oder weil das Beherrschen der Zweitsprache für das tägliche Leben in dem Land, wo man lebt, unerlässlich ist. Dabei ist es durchaus möglich, dass ­jemand die Zweitsprache besser beherrscht als die Muttersprache. Das kann etwa bei Secondos der Fall sein.

Weltweit gibt es aktuell 7097 gesprochene Sprachen (Quelle: SIL/«Ethnologue»). Es existieren andere Schätzungen, aber wie viele es auch genau sein mögen: Fakt ist, dass die Zahl seit längerem rückläufig ist. In grauer Vorzeit, lange vor Christus, sollen es noch 20000 Sprachen gewesen sein. Von den heute noch existierenden Sprachen ist rund die Hälfte vom Aussterben bedroht.

Um auf diesen Verlust hinzuweisen, hat die Unesco im Jahr 2001 den Internationalen Tag der Muttersprache zur «Förderung sprachlicher und kultureller Vielfalt und Mehrsprachigkeit» ins Leben gerufen. Stichtag ist der 21. Februar. Dies deshalb, weil 1952 in Pakistan Urdu zur alleinigen Amtssprache erklärt wurde, obwohl es nur für 3 Prozent der Pakistani Muttersprache war. Am 21. Februar 1952 kam es zu Auseinandersetzungen mit Todesopfern. Die Polizei schoss auf Demonstranten. Eine weitere Folge war die Abspaltung Ostpakistans und 1971 die Gründung von Bangladesch.

Diverse Sprachen werden nur noch von ein paar wenigen oder gar einzelnen Menschen gesprochen. Andererseits spricht rund die Hälfte der Erdbevölkerung eine der zehn meistgesprochenen Sprachen. Allgemein führen grosse und starke Nationen zu sprachlicher Homogenität, und die meisten Menschen passen sich in der Regel ohne Zwang der Sprache des Stärkeren an.

Die riesigen Zahlen von Sprachen in Ländern wie Papua-Neuguinea oder Indonesien erklären sich dadurch, dass Gemeinschaften teils sehr abgeschieden und isoliert leben, etwa auf kleinen Inseln oder in zerklüfteten Gegenden.

Ist Schweizerdeutsch eine Muttersprache, oder gehört es zum Deutsch? Die Wissenschaft ist sich wie so oft uneins. Man darf getrost beide Meinungen vertreten. Will man aber auch noch nach schweizerdeutschen Dialekten differenzieren, würde es unübersichtlich. Dass bereits im Nachbardorf etwas anders gesprochen wird, ist keine Rarität.

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