Spiele zu Bestsellern

Unterhaltung Spielverlage versuchen zunehmend, Bestseller moderner Autoren spielerisch umzusetzen. Doch halten sie ihr Versprechen: Spannung für alle? Christof Lampart

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Schön gruselig wie die Buchvorlage: Das Spielfeld von «Der Hexer von Salem». (Bild: Kosmos-Verlag)

Schön gruselig wie die Buchvorlage: Das Spielfeld von «Der Hexer von Salem». (Bild: Kosmos-Verlag)

Bücher als Vorlage für Spiele? Spontan fällt da einem die gelungene Adaption von Ken Folletts «Die Säulen der Erde» aus dem Jahr 2006 ein. Diesen Herbst wird diese noch kurze Erfolgsgeschichte mit einigen vielversprechenden Neuheiten fortgesetzt. Wir haben die Spiele getestet.

Schätzings «Schwarm»

Frank Schätzings apokalyptische Geschichte vom Aufstand der Natur gegen den Menschen umzusetzen, dürfte nicht einfach sein, schliesslich kommen im Buch Tausende von Menschen um, auch etliche Protagonisten. Also sieht das erfahrene Spieleautoren-Duo Wolfgang Kramer und Michael Kiesling in seinem Versuch davon ab, die Hauptpersonen zu benennen. Die Spieler sind «Forscher», welche wissenschaftliche Stationen errichten, die Natur erkunden und nebenbei Naturgefahren auf die Konkurrenten loslassen. Das ist zwar unlogisch – welcher Mensch kann schon die Richtung eines Tsunami lenken? –, doch macht das destruktive Element Spass.

Da das Spiel auf drei Runden beschränkt ist, spielt sich das ansprechend gestaltete und kurzweilige Strategiespiel flott und sicherlich schneller als beispielsweise «Die Säulen der Erde» aus demselben Verlag. Die taktischen Spielelemente greifen elegant ineinander, wobei die Spieler stets aus mehreren Aktionsmöglichkeiten aussuchen können beziehungsweise müssen, denn im Grunde genommen möchte man für jede Eventualität gewappnet sein.

Der Satz «Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied» trifft hier in hohem Masse zu, was das Spiel zuallererst für ausgewiesene Vielspieler und Familien mit Freude an strategischen Spielen interessant machen dürfte.

Fazit: «Der Schwarm» hält sich nicht strikt an die literarische Vorlage, vermittelt aber das Weltuntergangsgefühl auf eine gute Art und Weise. Und als Spieler leidet man wirklich mit, wenn ein Tsunami gerade einmal über die eigene Forschungsstation hinweggeschwappt ist…

Hohlbeins «Hexer von Salem»

Nicht gegen-, sondern explizit miteinander wird in «Der Hexer von Salem» gespielt. Da sich das Horror-Genre dem Laien nicht ganz von alleine erschliesst, ist es hilfreich, dass Grusel-Autor Wolfgang Hohlbein dem Spiel noch eine 16 A4-Seiten umfassende, exklusive Kurzgeschichte mit dem Titel «Das Grauen von Arkham» beigelegt hat, die gut aufs bevorstehende Spiel einstimmt. Bleibt nur die Frage, ob die Spieler zuerst eine Geschichte lesen wollen, bevor sie sich ans Spielvergnügen wagen…

Dabei ist der «Hexer» durchaus ein durchdachtes Spiel, bei dem bis zu vier Spieler gemeinsam einen Dämonen ausfindig machen, ihn bannen und gleichzeitig die Dimensionsportale verschliessen müssen, damit keine bösen Geister mehr in unsere Welt gelangen können. Dazu müssen die Spieler an verschiedene Orte ziehen, dort Kreaturen bekämpfen, wofür es wiederum Artefakte und Waffen gibt, die man dann gegen andere Kreaturen und Dämonen einsetzen kann und so weiter. Absprachen zwischen den Spielern sind geradezu ein Muss zum Überleben.

Nur: Spieler sind es sich gewohnt, selbst gewinnen zu wollen. Da aber der «Oberfiesling» unterschiedlich schnell vorrückt und beim Erreichen eines bestimmten Ortes auf der Zählleiste das Spiel gewonnen hat, bleibt der «verschworenen» Truppe unter Umständen nicht viel Zeit für den Sieg. Und dieser Umstand kann nach einigen Niederlagen in Serie frustrierend sein. Am Spielmaterial wurde weder qualitativ noch quantitativ gespart, wie man es von Kosmos gewohnt ist. Die grafische Umsetzung ist düster und passt atmosphärisch gut zur Geschichte.

Fazit: Für Horror-Fans und Gelegenheitsspieler ist dieses Spiel ein «Kann», keinesfalls aber ein Muss. Doch auch Freunde von Kooperationsspielen dürften davon begeistert sein.

Ecos «Der Name der Rose»

Dieses Spiel hat wohl die bekannteste Buchvorlage, «Der Name der Rose» nach dem gleichnamigen Roman von Umberto Eco. Allerdings wird hier der Mittelalterkrimi, bei dem es einen Mord hinter Klostermauern aufzuklären gilt, spielerisch zu wenig thematisiert. Zwar ist auch hier anfänglich ein Mord geschehen, doch wer gewinnen möchte, muss hier nicht den Täter überführen, sondern bis zum Spielende nach einigen Runden möglichst unverdächtig durchs Kloster wandeln. Das stört zwar den Spielablauf nicht, könnte aber Leute enttäuschen, die auch im Spiel den Mörder hinter Gitter wünschen.

Wie bei vielen Deduktionsspielen gilt es auch hier, das Kunststück fertigzubringen, gerade so viel Verdacht auf die eigene Person zu lenken, ohne als Hauptverdächtiger dazustehen. Gut ist auch, dass drei Mal im Spiel jeder Spieler einen Teil seiner Identität preisgeben muss, steigert dies doch mit zunehmender Spieldauer die Spannung. Positiv ist des Weiteren, dass es viele Möglichkeiten gibt, das Spiel zu gewinnen.

Fazit: Wer gerne grübelt, andere in die Irre führt und sich auch nicht ärgert, wenn er selbst einmal erfolgreich ausgetrickst wurde, dem ist das Spiel wärmstens zu empfehlen.

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