So schweizerisch wie das Matterhorn und das Sackmesser

Als der französische Tennisspieler René Lacoste vor 75 Jahren ein gesticktes Krokodil auf sein Shirt nähen liess und damit ein Markenzeichen erster Güte begründete, da hatte eine kleine Waadtländer Kellerei bereits die kleine

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Als der französische Tennisspieler René Lacoste vor 75 Jahren ein gesticktes Krokodil auf sein Shirt nähen liess und damit ein Markenzeichen erster Güte begründete, da hatte eine kleine Waadtländer Kellerei bereits die kleine Schwester des Krokodils in gleicher Mission in die Welt hinaus geschickt. Die Eidechse, entworfen vom mittellosen Maler Frédéric Rouge, ziert seit 98 Jahren die Weinetiketten aus dem Hause Henri Badoux in Aigle. Es gehöre, behaupten Experten, so selbstverständlich zur Schweiz wie das Matterhorn, der Heckflügel der Swiss oder das Sackmesser. Die Eidechse gilt seit Jahrzehnten als Aushängeschild im Schweizer Weinexport (der sich, zugegeben, bescheiden ausnimmt). In der Schweiz aber ist der als Eidechsli-Wein bekannte Aigle Les Murailles schlicht ein Klassiker.

Körper und Milde

Die 1908 gegründete Kellerei Henri Badoux ist bis heute ein reiner Familienbetrieb geblieben, hat sich aber mit fünfzig Hektaren eigenen Rebbergen und zugekauften Trauben aus weiteren sechzig Hektaren innert eines Jahrhunderts zum marktführenden Weinproduzenten entwickelt. Das Paradepferd ist bis heute der Aigle Les Murailles, ein klassischer Chasselas. Von Anfang an setzte Badoux auf Terroir und regionale Eigenheit und die Tatsache, dass die Weine des Chablais bei relativ geringer Säure einen hohen Zuckergehalt aufweisen und gleichzeitig Körper und Milde besitzen.

Mit gegen 4000 Hektaren Rebfläche ist der diesjährige Olma-Gastkanton in der Schweiz eine Wein-Grossmacht – und das, obwohl die Anbaufläche von Reben, Früchten und Gemüse gerade fünf Prozent seiner Landwirtschaftsfläche ausmacht. Das lässt schon die Potenz des Agrarkantons Waadt erahnen.

Chasselas-Fertigkeit

In den letzten Jahren hat auch die Waadt mit Spezialitäten und einer Sortimentsausweitung von sich reden gemacht. Mit 68 Prozent der Rebfläche dominiert aber nach wie vor der Chasselas.

Die Staatssorte liefert auf den unterschiedlichsten Terroirs höchst unterschiedliche Weine. Im Chablais am oberen Ende des Genfersees dominiert der Föhn und nicht mehr das Seeklima. Die Chasselas von Aigle gelten als aromareich und gut strukturiert.

In der Waadt wird der Chasselas auch als Uhrmacher-Rebsorte bezeichnet, weil sie nicht den kleinsten Mangel an Präzision ertrage. Diese Chasselas-Fertigkeit komme auch den andern Sorten zugute – und führe zu einer unübertroffenen Reinheit und Sauberkeit der Weine, wie das Waadtländer Wirtschaftsdepartement im Vorfeld der Olma ganz unbescheiden verlauten liess. Beda Hanimann

Der Aigle Les Murailles ist u. a. erhältlich bei Manor www.badoux.com

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