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Sittsam am Schreibtisch: Diese Dresscodes blühen uns im Sommer

«Stil bringt dich ans Ziel», singt Musiker Bligg. Doch leider darf man sich nur in wenigen Branchen wie ein Popstar in Schale werfen. Gerade im Sommer wachsen die Kleiderregeln wie das Korn auf dem Feld. Und das selbst an den Schulen.
Susanne Holz
So ins Büro? - Eben nicht. (Illustration: Patric Sandri)

So ins Büro? - Eben nicht. (Illustration: Patric Sandri)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Zum Glück kühlt die Klimaanlage ja sowieso alles runter, nicht nur die Temperatur im Büro, sondern auch die Lust, sich etwas luftig Leichtes anzuziehen an diesen schönen Sommertagen. Denn die Stilexpertinnen bleiben streng. Selbst wenn sich gerade vieles zu wandeln scheint und man aktuell die wildesten Farben, Muster und Stile mischen darf – im Büro gilt: Die üblichen Dresscodes bekommen auch 2018 kein Hitzefrei.

Welch ein Jammer! Das heisst für Frauen: Nach wie vor sind keine Trägertops zur Arbeit erlaubt, und seien sie noch so elegant. Und nach wie vor muss man den Fernseher einschalten und die WM schauen, will man sich über hübsche Männerbeine freuen, denn immer noch dürfen nur Fussballspieler in kurzen Hosen zur Arbeit gehen.

Und das heisst für Männer: Auch bei Hitze – eben – lange Hosen, Socken und geschlossene Schuhe. Sogar das Kurzarmhemd hat es nicht leicht bei Stilexperten. Es gebe zwar Unternehmen, die bei heissem Wetter plötzlich Kurzarmhemden tolerierten, meint Simone C. Styger von «The Style Connection», fügt aber sofort an: «Ich persönlich finde diese abgeschnittenen Varianten sehr unvorteilhaft und empfehle, besser die Ärmel vom Langarmhemd hochzukrempeln.» Sowieso gelte: «Bei Krawattenpflicht im Unternehmen sind Kurzarmhemden ein Tabu.» Man entscheide sich stets zwischen Kurzarmhemd (maximal sportlich) oder Krawatte (hoch offiziell). Beides zusammen? Ein No-Go.

«Schultern, Rücken und Bauch bleiben bedeckt»

Und worin liegt für die Zürcher Stilexpertin ein No-Go für Frauen? Da gibt es, wie könnte es anders sein, auch gleich mehrere: «Die kürzeste Rocklänge im Tagesgeschäft ist die eigene Handbreite oberhalb des Knies – kürzere Varianten gehören ins Nacht- oder Privatleben, unabhängig davon, wie ‹schön› die Beine sind. Auch die Schultern, der Rücken und der Bauch sind während der Arbeitszeit bedeckt.» Auf offene, sandalenähnliche Schuhe sollen laut Simone C. Styger nicht nur die Herren, sondern auch die Damen verzichten. Die Stilexpertin: «Frauen sind mit Peeptoes – also Pumps mit offener Schuhspitze – oder Slingpumps – an der Ferse offen – gut bedient. Die Herren bleiben beim Schnürschuh oder Loafer – und auf jeden Fall tragen sie Strümpfe.»

"Leinen wirkt nach einer Stunde nicht mehr elegant, sondern sieht nach durchzechter Partynacht oder fehlendem Bügeleisen aus." (Simone C. Styger, Stilexpertin Zürich)

Die Zürcherin gibt auf das Ganze gesehen zu: «Die Damen sind im Sommer klar im Vorteil. Während sie einfach ein luftiges Kleid tragen, sind die Hosen der Herren immer lang. Denn in den meisten Branchen gibt es kein Recht auf kurze Hosen.» Simone C. Styger rät den Vertretern des starken Geschlechts deshalb wenigstens zu feinen und dünnen Stoffen in hellen Tönen. Beiden Geschlechtern empfiehlt sie, an heissen Tagen auf natürliche Materialien wie Seide und Baumwolle zu setzen. «Alles ausser Leinen, denn das wirkt nach einer Stunde nicht mehr elegant, sondern sieht nach durchzechter Partynacht oder fehlendem Bügeleisen aus.» Geht es nach der Zürcher Stilexpertin, verzichten Männer wie Frauen im Büro nicht nur auf den Knitterstoff, sondern auch auf alle Arten von Kopfbedeckung und auf Sonnenbrillen.

«Kurze Hosen kann man aber auch elegant tragen»

Und was ist, wenn selbst der Chef in kurzen Hosen ins Büro kommt? Darf man das dann auch? Was, wenn man in einer Branche arbeitet, in der auf Kreativität gesetzt wird und nicht auf Formalität? Sandra Hofer, Inhaberin der Zürcher «Beauty & Style Academy», ist der Ansicht: «In den meisten Branchen sollte ein Basic-Dresscode eingehalten werden, allen voran vom Chef selbst. Kurze Hosen finde ich ein No-Go in Branchen mit direktem Kundenkontakt.» Die Stylistin gibt jedoch zu: «Kurze Hosen können allerdings auch sehr elegant, ja fast klassisch getragen werden, was sehr gut aussehen kann. Hier würde ich auf dunkle Businessfarben setzen, die Länge sollte knieumspielend sein. Dazu können Businessschuh und Hemd kombiniert werden. Die Krawatte würde ich in diesem Fall weglassen.»

Bei Jobs mit Kundenkontakt empfiehlt Sandra Hofer auch den Damen der Schöpfung, gewisse Standards einzuhalten: «Spaghettiträger sind hier einfach tabu. Es gibt heute so viele businesstaugliche Blusen oder schöne Tops in klassischem Schnitt, die anstelle von schulterfreien Shirts getragen werden können.»

Doch nicht nur gewisse berufliche Branchen, nein, auch die Schulen stellen heute Dresscodes auf – gerade im Sommer. Während die Autorin dieses Artikels in den Achtzigern bei Hitze noch in kurzen Hosen und Trägertop die Schulbank drücken durfte, zusammen mit ihren Freundinnen, die das Gleiche trugen, was fast schon wieder einer Schuluniform gleichkam und keinen Lehrer aus der Fassung brachte, darf ihre Tochter heute weder mit Top noch mit kurzem Rock oder kurzer Hose in die Schule kommen. Verpönt sind auch Trainerhosen, wobei den für diese Regel verantwortlichen Personen nicht klar zu sein scheint, dass Hosen aus Sweatshirtstoff aktuell zur Oberbekleidung zählen, und nicht zur Sportbekleidung.

Mode ist eben auch ein durchaus komplexes Terrain. Weshalb Sandra Hofer, die Dresscodes für Schüler im Prinzip befürwortet, den Schulen raten würde: «Ich würde die jungen Menschen mit ins Boot holen und Kleidervorschriften zusammen erarbeiten. Es können sicher auch die einen oder anderen Erwachsenen noch etwas über die heutige Mode dazulernen und offener gegenüber der Jugend werden.» Generell beobachtet Hofer, dass der Trend zum Laisser-faire abnimmt: «Viele Firmen haben beispielsweise den ‹Casual Friday› wieder abgeschafft, weil die Mitarbeiter zu leger ins Büro kamen. Hawaii-Hemd und Sandalen sind im Business einfach fehl am Platz.»

Zurück zum Beginn und zur Klimaanlage: Minirock im Büro? Gänsehaut-Alarm. Persönlich musste man sich kürzlich schon vom Kollegen Socken geben lassen, weil einem in (knielangem) Rock und mit Wedges an den Füssen so kalt war. Dunkle Socken und helle Wedges – das passte dann auch in keinen Dresscode.

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