Sind Beautypillen wirklich besser als Feuchtigkeitscremes? Wir haben den Test gemacht

Der Markt für Beautypillen, die der Haut gut­tun sollen, boomt. Was sie so beliebt macht – und was sie taugen.

Rahel Koerfgen
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Der Markt der Vitamine und Mineralstoffe wird in der Schweiz in diesem Jahr 100 Millionen Franken umsetzen.

Der Markt der Vitamine und Mineralstoffe wird in der Schweiz in diesem Jahr 100 Millionen Franken umsetzen.

Bild: Getty

Jede Frau hat eine. Die Freundin, die stets frisch wie nach dem Wellnessurlaub daherkommt, mit leuchtendem Teint und rosigen Bäckchen – selbst wenn sie die Nacht durchgemacht hat. Die meist auch jenseits der 40 Falten nur vom Hörensagen kennt. Da liegt es nahe, ihrem Geheimnis auf den Grund zu gehen – wer will das nicht, eine schöne Haut, die für gute Gesundheit und ein stressfreies Leben steht? Die deprimierende Antwort:

«Ich mache nichts. Höchstens Feuchtigkeitscrème auftragen, wenn die Haut mal spannt.»

Ja, es gibt Menschen, die mit derart guten Genen ausgestattet sind. Aber wir sprechen von einer unter 1000, grob geschätzt. Das Gros macht es wohl wie Mathilde Lacombe. Die Französin ist 40 Jahre alt, ihr Teint scheint makellos. Sie litt allerdings jahrelang unter Rosacea, einer starken Gesichtsrötung. Crèmes nützten wenig bis nichts. Dann traf sie auf eine Pharmazeutin und ­Mikronährstoff-Expertin, die ihr Leben verändern sollte.

Warteliste von bis zu 5000 Personen – für Beautypillen

Heute gehört Lacombe mit ihrem Label Aime zu den erfolgreichsten Beautypillen-Unternehmerinnen Europas. Nach dem Treffen mit der Pharmazeutin änderte sie auf deren Anraten nicht nur ihre Ernährung, sondern setzte wie viele auf Nahrungsergänzungsmittel, die der Rosacea den Garaus machen sollten. Nach dem Motto: Schönheit kommt von innen.

Allerdings empfand Lacombe den Markt als derart unübersichtlich, dass sie sich vor vier Jahren entschied, ein eigenes Label zu gründen. Aime schlug ein wie eine Bombe. Für Lacombes Pillen gab es zeitweise Wartelisten von 5000 Personen – ein Phänomen, das bis dato nur bei Hermès-Taschen beobachtet wurde.

Shootingstar unter den Beauty-Pillen: die Produkte von Aime.

Shootingstar unter den Beauty-Pillen: die Produkte von Aime.

Bild: zvg

Der Markt für spezialisierte Nahrungsergänzungsmittel in Pillen- und Pulverform, die das Hautbild ins Gleichgewicht bringen und der vorzeitigen Hautalterung entgegenwirken sollen, boomt weltweit. Allein in der Schweiz, so schätzt das Portal statista.com, wird das Segment Vitamine und Mineralstoffe in diesem Jahr 110 Millionen Franken umsetzen, 2025 rund fünf Prozent mehr.

Kein Wunder also, schiessen neue Marken wie Pilze aus dem Boden. Die beste Entwicklung dabei ist, dass die neuen Produkte oft aus rein pflanzlichen Inhaltsstoffen bestehen. So auch bei Goovi, dem Label von Strahlefrau Michelle Hunziker, das neu bei Manor erhältlich ist. Ihre «Give me detox»-Tröpfchen etwa beseitigen unter anderem mit Birken- und Açaisaft Giftstoffe im Körper, sodass die Haut wieder strahlen kann.

Neu ist die Idee nicht, der Schönheit von innen auf die Sprünge zu helfen. In China schwört man schon seit Tausenden Jahren auf pflanzlichen Superfood wie Heilpilze, die das Immunsystem stärken, die Verdauung regulieren und den Stoffwechsel anregen. Sie gehören zu den sogenannten Adaptogenen, die den Körper resistenter gegenüber Stress machen. Neu ist lediglich, dass die Produkte stylish und praktisch verpackt daherkommen und ihre Mischungen auf verschiedene Hautprobleme massgeschneidert sind.

Aber taugen die Mittel auch etwas? Ich habe vier Wochen lang Pillen von Aime mit dem betörenden Namen French Glow (30 Euro pro Packung) eingeworfen. Das Versprechen: Verbesserte Hautelastizität und weniger Rötungen, da Alpha-Liposäure Zucker im Körper abbaut – er sorgt für Entzündungen in Hautzellen.

Nach einem Monat ist meine Rosacea blasser geworden, aber nicht ganz verschwunden. Ob der Placebo-Effekt gegriffen hat oder die Pille tatsächlich wirkt? Ich tippe auf Letzteres und mache weiter. Denn mal ehrlich: Es ist angenehmer, eine Pille zu schlucken, als sich ständig mit irgendeiner Crème zu beschmieren.

https://aime.co/en/