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«Sie war eine Kleinkriminelle» - die Geschichte einer gefallenen Bestsellerautorin

Mit Hilfe von Experte David Löwenherz überführte das FBI die Autorin Lee Israel (1939-2014). Sie hatte Briefe von Stars wie Ernest Hemingway und Marlene Dietrich gefälscht. Ihre Geschichte wird nun im Kino erzählt. Was sagt Löwenherz dazu?
Interview: Roland Schäfli
Für den Oscar nominiert: Melissa McCarthy spielt in «Can You Ever Forgive Me?» die gefallene Bestsellerautorin Lee Israel, die Briefe bekannter Persönlichkeiten fälschte und teuer verkaufte. (Bild: Twentieth Century Fox)
David Löwenherz ist ein international bekannter Experte für die Überprüfung der Echtheit von Autografen.
Von Experte David Löwenherz als Fälschungen enttarnt: Signaturen von Schauspielerin Sarah Bernhardt.
Von Komponist Franz Liszt.
Von Opernsänger Enrico Caruso.
Von Maler Marc Chagall. (Bilder: Lion Heart Autographs, New York)
6 Bilder

«Sie war eine Kleinkriminelle»

Als die US-amerikanische Autorin Lee Israel 2008 ihre Memoiren «Can You Ever Forgive Me?» schrieb, geriet der renommierte Verlag Simon & Schusters in die Kritik. Nicht nur die Geschädigten stiessen sich daran, dass Israel nun vom Verkauf ihrer abenteuerlichen Geschichte profitieren sollte. Denn die Autorin hatte Briefe von Prominenten aus Bibliotheken und Archiven gestohlen und durch ihre Fälschungen ersetzt. Die, wie ihr die Experten attestieren mussten, gar nicht schlecht gemacht waren.

Zehn Jahre später schlüpft nun Schauspielerin Melissa McCarthy, bislang eher im Komödienfach daheim, in Israels Rolle. «Can You Ever Forgive Me?» ist diese Woche in den Schweizer Kinos angelaufen und weckt mit gleich drei Oscar-Nominationen (für Melissa McCarthy, Richard E. Grant und das Drehbuch) einige Erwartungen.

Die Buchverfilmung rückt den weltweiten Handel mit Autografen – von Prominenten eigenhändig geschriebene und teils signierte Schriftstücke – in den Mittelpunkt. Der Mann, der dem FBI geholfen hat, Lee Israel zu Fall zu bringen, ist David ­Löwenherz: Wir sprachen mit dem Fälschungsexperten aus New York.

Wie gefällt Ihnen die Verfilmung von «Can You Ever Forgive Me»?

David Löwenherz: Eigentlich ganz gut. In ihrer Biografie hat sich Lee Israel als nett und liebenswert beschrieben. Melissa McCarthys Darstellung im Film ist interessanterweise näher bei der Wahrheit: Lee war eine Kleinkriminelle. Ihren Komplizen Jack Hock, der von Richard E. Grant gespielt wird, fand ich ebenfalls gut gezeichnet.

Sie spielten eine wesentliche Rolle bei der Überführung der Fälscherin. Werden Sie im Film dargestellt?

Der Film basiert auf wahren Begebenheiten, wie das ja deklariert wird, weicht aber stellenweise von der Wahrheit ab. Verstehen Sie mich richtig, ich finde nicht, dass ein Film hundertprozentig den Fakten folgen muss. Die Handlung dreht sich vor allem um die Zeit, als Lee Israel begann, die Briefe von Prominenten zu fälschen. Ich kam erst gegen Ende ihrer Fälscherkarriere ins Spiel, als einige meiner Freunde aus der Autografen­szene, professionelle Händler, sie bereits im Verdacht und sie sogar schon gewarnt hatten. In diesen Szenen kommt ein Händler vor, der von Stephan Spinella gespielt wird. Als meine Frau und ich den Film im Kino sahen, sagte sie: «Das sollst wohl du sein!»

Mussten die Filmemacher dafür Ihr Einverständnis einholen?

Nein, und ich wurde auch überhaupt nie um Informationen angefragt. Als ich erfuhr, dass Lee Israels Biografie verfilmt wird, meldete ich mich selbst und fragte: «Wollt ihr genau wissen, wie das ablief?» Daran zeigte man null Interesse. Ursprünglich sollte Julianne Moore die Hauptrolle übernehmen. Als der Film noch in Planung war, wollte mich der Schauspieler, der meinen Part übernehmen sollte, zum Rollenstudium treffen. Bei unserer Begegnung hatte ich am selben Morgen vernommen, dass Julianne Moore aus dem Projekt ausgestiegen war. Und der arme Kerl war noch nicht informiert, dass er damit auch draussen war. Als ich ihm das mitteilte, rief er seinen Agenten an. Danach kam niemand mehr zum Rollenstudium vorbei.

Lee Israel hat Sie in ihrer Biografie namentlich erwähnt.

Sie war eine gute Schriftstellerin. Anfangs schrieb sie ja Starbiografien. «Can You Ever Forgive Me» hat mich dann ziemlich wütend gemacht. Ihr «Geständnis» liest sich wie eine Abenteuer­geschichte. Und auch die Buchkritiker fanden nette Worte für diese «fantastische Story». Aber Stehlen und Fälschen ist nicht nett. Und Israel hat das in ihrem Buch als Kavaliersdelikt dargestellt.

Schliesslich stolperten Sie über einen gestohlenen Hemingway-Brief.

Den ihr Komplize Jack Hock mir angeboten hatte. Einer meiner Kunden gab mir den Hinweis, dass besagter Brief eigentlich in der Columbia-Universität archiviert sein müsste. Mir waren die Briefe auch verdächtig – wegen der Art und Weise, wie Jack Hock sie dem Markt anbot. Die Geschichten, die er zur Herkunft der Briefe erzählte, passten einfach nicht. Und er handelte nie mit dem Preis, wie Händler das zu tun pflegen. Wenn ich ihm einen Preisvorschlag machte, akzeptierte er diesen sofort. Eher unüblich, da diese Wertpapiere ja keine fixen Preise haben.

Um Jack Hock zu überführen, trugen Sie für das FBI ein Mikrofon. Auf­regend?

So leicht werde ich nicht nervös. Ausserdem war ich der Ansicht, das Richtige zu tun. Und das war es auch. Das FBI hatte zu diesem Zeitpunkt schon Beweis­material gesammelt. Es ging ihnen darum, dass sich der Täter im Gespräch noch selbst belastet und eine Transaktion stattfindet. Warum das im Film nun anders dargestellt ist, weiss ich auch nicht.

Im Film wird der Verkauf von gefälschten Autografen als relativ einfach dargestellt. Ist es tatsächlich so, dass die Käufer von solchen Handschriften zu leichtgläubig sind?

Das gilt ja auch für andere Bereiche. Sieht man irgendwo ein billiges Angebot, das eigentlich teurer sein müsste, denkt man: Hab ich ein Glück! Wird dasselbe Stück für einen hohen Preis angeboten, ist man vorsichtiger. Die Hitler-Tagebücher, die der «Stern»-Verlag angekauft hat, sind ein gutes Beispiel dafür. Als man die Bücher dem Experten Charles Hamilton vorlegte, sagte der auf den ersten Blick: «Die sind falsch.» Warum, wollten die «Stern»-Redakteure wissen. «Weil Hitler niemals seine intimsten Gedanken derart hässlichen Büchern anvertraut hätte.» Manchmal liegt der Beweis offenkundig vor einem. Aber die Menschen glauben, was sie glauben wollen.

Wird der Film in der Szene bewirken, dass genauer geprüft wird?

Nein. Unglücklicherweise stellt der Film ja eher die Händler als Handlanger der Fälscher dar. Der beste Dialog im Film findet zwischen Melissa McCarthy und einem Händler statt. Sie lässt sich von ihm aufklären, dass alle Autografen echt seien, weil sie durch ein Zertifikat authentifiziert seien. Worauf sie wissen will: Und wer authentifiziert dann die Authentifikatoren?

Der Titel von Buch und Film lautet «Can You Ever Forgive Me». Konnten Sie Lee Israel vergeben?

Ach, eine schwierige Frage. Auf einer persönlichen Ebene, ja. Nicht vergeben kann ich ihr, dass sie mit dem Buch auch noch uns Händlern einen schlechten Ruf verpasst. Sie war nicht nur unehrlich, sie war auch unehrlich gegenüber sich selbst, sie porträtierte sich als sympathische Abenteurerin. Dabei war sie einfach nur eine Fälscherin.

«Can You Ever Forgive Me», jetzt im Kino.

Leitfaden zur Erkennung falscher Unterschriften: www.isitreal.com

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