Sie behaupten, grosse Dinge vorherzusehen – aber wie war das bei der Coronapandemie? Ein Blick zurück in die Prognosen zweier Astrologinnen

Eine Branche, die vorgibt, die ganz grossen Dinge zu spüren oder gar präzise vorherzusagen, ist die Astrologie. So lauteten die Prognosen zweier Astrologinnen Ende 2019.

Deborah Gonzalez
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Monica Kissling (li.) und Elizabeth Teissier (re.).

Monica Kissling (li.) und Elizabeth Teissier (re.).

Remo Nägeli/Keystone/Montage_CH Media

Seit das Coronavirus im Umlauf ist und sich zu einer Pandemie ausgewachsen hat, fragen sich die Menschen: War diese Katastrophe wirklich nicht absehbar? Noch am Weltwirtschaftsforum im Januar in Davos, wo sich die klügsten Ökonomen und Wissenschafter trafen, war das Virus praktisch kein Thema – obwohl es in Wuhan bereits wütete.

Eine Branche, die vorgibt, die ganz grossen Dinge zu spüren oder gar präzise vorherzusagen, ist die Astrologie. Hat sie vielleicht die Pandemie in ihren traditionellen Jahresendprognosen 2019 kommen sehen? Monica Kissling sagt heute:

«Ich und auch andere Kollegen wussten, dass die Planetenkonstellation eine Krise mit sich bringen würde.»

Doch von einem Virusausbruch war Ende 2019 weder bei ihr noch ihren Kollegen die Rede. Kissling, die auch unter dem Namen Madame Etoile bekannt ist, spricht heute von einem Transformationsprozess und verweist auf fundierte Arbeiten, die zeigen sollen, dass 2020 problematisch wird.

Es ist die Rede von Turbulenzen, Krisen und auch Veränderungen – so wie oft, ins Detail geht niemand. In keinem Essay ist die Rede von einer Pandemie, einem Virus oder Probleme im Gesundheitswesen. Erst bei einem Astrologen-Kongress im Januar taucht das Coronavirus am Horizont der Sterndeuter auf. Geplant war der Kongress aber schon länger, denn dieser wird nur bei speziellen Konstellationen abgehalten, betont Kissling. «Das letzte Mal trafen wir uns im Jahr 2008 – das Jahr der Finanzkrise.»

Zwar nicht von Viren, aber von «einem Jahr, in dem Geschichte geschrieben wird» sprach Kissling im Dezember 2019 in der «Schweizer Familie». Inwiefern Geschichte geschrieben werden würde, führte sie nicht aus. Es sind die üblichen Allgemeinplätze, welche Astrologen lieben, um sich für alle Fälle abzusichern. Wolkige Aussagen, die sich kaum je als falsch herausgestellt haben. Wird mit der Klimakrise oder mit Donald Trumps erratischer Politik nicht andauernd Geschichte geschrieben?

Saturn und Pluto sollen schuld sein

Die bekannte Astrologin Elizabeth Teissier sprach von Naturkatastrophen. Konkreter wurde sie nicht. In ihrem Jahresausblick im Dezember 2019 sagte sie gegenüber der «Schweizer Illustrierten» auf die Frage, ob sie sich vor 2020 fürchte: «Es ist gut, sich vorzubereiten. Aber fürchten müssen wir uns nicht. Denn es gibt neben den unfreundlichen Einflüssen auch den positiven Zyklus Jupiter–Neptun. Dieser symbolisiert mehr Solidarität und Empathie. Vielleicht auch bedeutende Fortschritte für unser Klima und soziale oder gesundheitliche Themen.» Wieder eine wolkige Aussage, die fast alles zulässt.

Astrologen glauben, dass die Planeten-Zyklen das Weltgeschehen abbilden. 2020 beginnt ein neuer Saturn-Pluto-Zyklus – angeblich eine klassische Krisenkonstellation. Saturn gilt offenbar als Lehrmeister. Es heisst, er zwinge uns, Fehler aufzuarbeiten und Pluto verändere bestehende Strukturen. Vielleicht ist es so, vielleicht.