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Sibirien – Russlands junge Seele

Wer das echte Russland spüren möchte, der sollte Irkutsk an der Grenze zur Mongolei besuchen und etwas Zeit mitbringen. Diese Stadt ist erstaunlich lebendig, aber ihre Schönheit erschliesst sich dem Besucher nicht auf Anhieb.
Ida Sandl, Irkutsk
Touristen flanieren und Einheimische gehen hier aus: Das 130. Quartier, das Irktusk sloboda – mit historisch nachempfundenen Holzhäusern. (Bild: Bilder: Getty)
Der Kosake erinnert an die Stadtgründung 1661, dahinter die Epiphanias-Kathedrale.
Erholung mitten in Irkutsk: auf der Insel im Fluss Angara, dem Abfluss des Baikalsees.
3 Bilder

Sibirien – Russlands junge Seele

Irkutsk, Sibirien, an der Grenze zur Mongolei. Es ist 30 Grad heiss, und mitten unter der Woche sind alle Coiffeure ausgebucht. Schönheit hört nicht in Moskau auf. Die Russinnen stöckeln hier ebenso selbstbewusst die staubigen Strassen entlang wie in der fünf Zeitzonen entfernten Hauptstadt.

Überhaupt weigert sich Irkutsk hartnäckig, den gängigen Vorurteilen von Sibirien zu entsprechen. Nicht nur, dass schon im Juni die Sonne niederbrennt. Genauso gut könnte es schneien.

Temperaturschwankungen von 20 Grad an einem Tag sind in Sibirien keine Seltenheit.

Hier gibt es vieles, was man nicht erwarten würde, den Salsaclub etwa, die Bar Malachanov mit den vielleicht ­weltbesten Cocktails, das belgische Bierrestaurant mit Jazzmusik im Hinterhof oder die Disco, die sich «Broadway» nennt. Irkutsk ist jung. Das Durchschnittsalter liegt bei 35 Jahren. Von den gut 620000 Einwohnern sind etwa ein Fünftel Studenten.

Olga träumt von einer Familie wie fast alle Russinnen

Wer Irkutsk besucht – die meisten Europäer kommen mit der Transsibirischen Eisenbahn – sollte etwas Zeit mitbringen. Der Zauber der Stadt erschliesst sich dem Fremden nicht auf Anhieb. Sie strahlt nicht den Glamour von Moskaus Mitte aus. «Moskau ist nicht Russland», dementiert Olga Korolenko, 27 Jahre alt. Eine selbstbewusste junge Frau mit langen dunklen Haaren. Sie ist selbstständige Reiseleiterin. In Irkutsk treffe man das ursprünglichere Russland und die freundlicheren Menschen, sagt sie.

Hier ist sie geboren und aufgewachsen. Die Mutter ist Ärztin, wie es schon die Grossmutter war. Stolz zeigt Olga bei der Stadtrundfahrt das Studentenwohnheim. Die Grossmutter habe sich dafür eingesetzt, dass es gebaut wurde. Olga spricht fliessend Deutsch, Englisch und ein bisschen Chinesisch.

Weg von Irkutsk will sie nicht. Es sei alles da, was sie zum Leben brauche.

«Ich habe hier Perspektiven.» Wie fast alle Russinnen träumt Olga von einer Familie und Kindern. Zuerst spart sie aber noch auf eine zweite kleine Wohnung. Die will sie dann vermieten.

Über den russischen Präsidenten Wladimir Putin sagt Olga nicht viel. In der Zeit unter der Regentschaft von Boris Jelzin, den 90er-Jahren, hat sie miterlebt, wie oft das Geld für Essen gefehlt hat. Sie war damals noch ein Kind, doch diese Erfahrung hat sie geprägt. Letztes Jahr dagegen sei sie mit ihrer Mutter in Italien in den Ferien gewesen. Das sind die Fakten, Politik hin oder her. Gemäss offizieller Statistik beträgt die Arbeits­losigkeit in Irkutsk vier Prozent. Der durchschnittliche Monatslohn liegt bei 500 Euro. Ein Leben im Luxus führen trotzdem nur wenige. Irina Vladimiscova ist Rentnerin, eine warmherzige Frau mit blonden Locken. Sie wohnt allein in einem der denkmalgeschützten Holzhäuser, die noch aus der Zarenzeit stammen und für die Irkutsk so berühmt ist. Ihr Haus hat hübsche blaue Fensterläden und Holzrosetten und liegt nahe beim Zentrum.

Stolz zeigt sie auf die Stuckrosette an der Wohnzimmerdecke. Nachdem die Kinder ausgezogen sind, ist das Haus zu gross für Irina. Ausserdem ist das Fundament eingesackt, einen ebenen Zimmerboden findet man hier nicht mehr. Die Sanierung steht dringend an, doch woher das Geld nehmen. Irina möchte verkaufen, aber es findet sich niemand. Um ihre Rente aufzubessern, vermietet sie den Hof als Abstellplatz für Autos.

Ein Jurassier lebt glücklich in Irkutsk

Etwa an Felix Baumann, 42 Jahre alt, gebürtiger Jurassier, schwarze Locken, ein breites Lachen. Nach dem Studium in Lausanne wollte er sein Russisch perfektionieren. Moskau war ihm zu teuer, ausserdem habe es dort zu viele Ausländer. So verschlug es ihn vor 14 Jahren nach Irkutsk. Seitdem fliegt er alle drei Monate in die Schweiz, um sein Visum zu verlängern. An Rückkehr denkt er nicht, das liegt an seiner russischen Freundin und an der Natur. «Ich mag die Weite», sagt Baumann. Der Baikalsee, der tiefste und älteste See der Welt, ist nur 70 Kilometer entfernt.

Im Winter geht Baumann hier Eisfischen, im Sommer trekken. «Ich habe hier Möglichkeiten, die ich in der Schweiz nicht hätte.»

Er führt eine Sprachenschule in Irkutsk. Neu bietet er mit Liden & Denz auch Russischkurse an. Meist sind es Individualisten, die zu ihm kommen. So wie Cornelia aus Deutschland, Mitte 50, letztes Jahr einen Russischkurs in St. Petersburg besucht. Dieses Jahr Irkutsk. Ihr Fazit: «Wenn du Russland sehen willst, musst du nach Sibirien.» Baumann erzählt von einem 85-jährigen Solothurner, der bei ihm Russischkurse belegte. Der Mann habe jetzt angefangen, Chinesisch zu lernen.

Der Beitrag entstand im Rahmen einer Pressereise, zu der Atlas-Reisen eingeladen hat.

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