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Bitte mit Senf drauf Kommt es heute zur Revanche, wenn der FC Zürich am Abend in der St. Galler AFG Arena sein wichtigstes Spiel der Saison austrägt? Flammt der Bratwurst-Streit wieder auf, so wie vor neun Jahren, als der FC St.

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Bitte mit Senf drauf

Kommt es heute zur Revanche, wenn der FC Zürich am Abend in der St. Galler AFG Arena sein wichtigstes Spiel der Saison austrägt? Flammt der Bratwurst-Streit wieder auf, so wie vor neun Jahren, als der FC St. Gallen sein Champions-League-Qualifikationsspiel gegen Galatasaray Istanbul im Zürcher Hardturm austragen musste, weil das morsche Espenmoos internationalen Ansprüchen nicht genügte? «Wenn Kebabs gegen Bratwürste spielen», titelte der «Blick» damals.

Echte Olma-Bratwürste wenigstens. Denn die Zürcher Metzger konnten nach wochenlangem Disput kurz vor dem Anpfiff davon abgehalten werden, den nach Zürich pilgernden St. Galler Fussballfreunden ihre Zunftwürste «in der Grösse einer Olma-Bratwurst» zu verkaufen. Stattdessen durfte die Metzgerei Gemperli ihre Originalwürste in Begleitung der 16 000 St. Galler Fans sowie von Amoah, Stiel, Zellweger & Co. nach Downtown Switzerland liefern.

Jetzt, da in Zürich kein fussballtaugliches Stadion mehr steht und das untaugliche diese Woche von Leichtathleten besetzt ist, müssen die FCZ-Anhänger ihrerseits die Sonderzüge besteigen, um ihren Verein gegen den lettischen Meister Ventspils in die Königsklasse zu schreien. Doch die Zunftwurst ist den Zürchern nicht, was Ostschweizern die Bratwurst. Kein doppelendiges Symbol der Identifikation mit der Heimat. Emotionslos schlucken die Zürcher die Niederlage ihrer Metzgermeister. Wurst ist Wurst, sagen sich die Fans vom Letzigrund.

Und es ist deshalb zu vermuten, dass sie nicht wirklich ästimieren, was ihnen heute vom Grill gereicht wird. Ihre Gelassenheit ermöglicht den Zürchern nämlich den Genuss einer Weltkulinarik, deren Ursprung im Jahr 1438 liegt und deren Heiligsprechung im Jahr 1943 an der Olma erfolgte. Diese Historie ignorierend, werden sie heute abend in der AFG Arena in die 160 Gramm schwere Olma-Bratwurst beissen, ohne ihre 140 Gramm schwere wässrige Zunftwurst zu vermissen. Hauptsache Senf drauf.

Bruno Knellwolf

b.knellwolf@tagblatt.ch