Jubiläum
Ein Astronom, der an Horoskope glaubte: Keplers Absicht war, am Himmel trotzdem etwas aufzuräumen

Vor 450 Jahren wurde Johannes Kepler geboren: Seine Gesetze schufen Raum für Newtons Physik und eine neue Sicht auf das Universum.

Christoph Bopp
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Johannes Kepler kam vor 450 Jahren zur Welt - seine Weltansicht kennt man bis heute.

Johannes Kepler kam vor 450 Jahren zur Welt - seine Weltansicht kennt man bis heute.

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Ihren Geburtstag halten die meisten Menschen für bedeutsam, auch wenn sie nicht an Horoskope glauben. Johannes Kepler tat es allerdings noch und auch der Zeitpunkts seiner Empfängnis war von Bedeutung. Wenn er allerdings von seinem Geburtstag am 27. Dezember 1571 zurückrechnete, waren es bis zum Heiratsdatum seiner Eltern nur gut sieben Monate...

Heute kennen wir Kepler als den Astronomen und Mathematiker, der den von ihm entdeckten Gesetzen seinen Namen gab. Es sind drei, von denen die meisten das erste noch kennen werden, dass sich die Planeten auf Ellipsenbahnen bewegen, in deren einen Brennpunkt jeweils die Sonne steht. Das zweite (zieht man eine Linie von einem Planeten zur Sonne, überstreicht sie eine gleiche Fläche in gleichen Zeitabschnitten) und das dritte (die Umlaufzeiten zweier Planeten im Quadrat verhalten sich wie die dritte Potenz ihrer grossen Halbachsen) sind weniger bekannt.

Kepler selbst hätte sie nie als Gesetze gesehen. Nur als Anzeichen, dass ein Schöpfer da war, der die Welt mit Harmonie erschaffen hatte.

Am Himmel herrschte damals Konfusion. Verschiedene «Welt-Modelle» konkurrierten miteinander. Wobei nicht klar war, ob diese wirklich etwas darüber aussagten, wie die Welt beschaffen war: Das altbekannte von Ptolemaios (ca. 100 bis ca. 170) mit der Erde im Zentrum; das Modell von Kopernikus (1473-1543), das die Sonne ins Zentrum stellte; und ein drittes von Tycho de Brahe (1546-1601), das geo-heliozentrische, das Sonne und Mond die Erde, die anderen fünf Planeten aber um die Sonne kreisen lässt.

Es ging damals nicht um die ganze Wahrheit

Die Modelle sollten die Bewegungen am Himmel nur so weit erklären, dass die Position der Körper zueinander zuverlässig prognostiziert werden könnten. Das war es, was die weltlichen Herrscher an der Astronomie interessierte: Sie sollte verlässliche Horoskope liefern. Neben den politischen Geschäften galt es immer wieder, Kriege zu führen. Und da waren Tipps und Winke des Schicksals sehr erwünscht.

Die Astrologie figurierte in der Geburtsstunde der modernen Wissenschaft noch mehr oder weniger gleichwertig neben der Astronomie. Besonders Tycho de Brahe, der dänische Adlige, ärgerte sich über die ungenauen und fehlerhaften Tabellen, mit denen die Konstellationen berechnet wurden. Um dem abzuhelfen, hielt er akribisch die Positionen der Gestirne am Himmel mit Hilfe eines hölzernen Riesenmessgerätes fest. Er wusste oder ahnte bereits damals, dass ohne zuverlässige Daten keine brauchbaren Modelle zu haben sind.

Kepler und Brahe waren auch Konkurrenten

Auf jeden Fall trafen sich Kepler und Brahe um 1600 in Prag am Hof des Habsburger Kaisers Rudolf II. Kepler war als Brahes Assistent subordiniert. Brahe hatte den Ruf des genialen Beobachters. Kepler war nach einer Pockenerkrankung kurzsichtig, aber er war der bessere Mathematiker. Doch beide wussten: Die Vorstellung des Universums mit der unbewegten Erde im Zentrum und den kristallinen Schalen, in denen Gestirne kreisen, ist nicht zu halten.

Am 24. Oktober 1601 starb Tycho de Brahe. Völlig unerwartet, nach einem Bankett. Vermutete Todesursache: ein Blasenriss wegen Harnzurückhaltung. Die US-Autoren Joshua und Ann-Lee Gilder hatten daraus 2005 einen Kriminalfall gemacht und ein Buch veröffentlicht: Denn Kepler hatte das Motiv, die Fähigkeit und die Gelegenheit um Tycho de Brahe vergifteten zu können. Quecksilber-Spuren an den Barthaaren des exhumierten Brahe sollten das belegen. Das Buch ist spannend, die These widerlegt: Das Quecksilber hängt äusserlich an den Haaren und stammt nicht vom Einnehmen, sondern vom Hantieren mit dem Gift. Das ist plausibel, weil Brahe auch als Alchimist tätig war.

Schon in seiner Jugend schrieb Kepler eine Art Märchen, in der er eine Reise zum Mond beschreibt. Vielleicht die erste Science-Fiction-Story. Darin erwägt er, wie es sich wohl auf dem Mond anfühle, die Erde auf- und untergehen zu sehen und dabei von der Eigenbewegung gar nichts zu spüren.