Schweizer Notruf für Coronaforschung

Mehrere Millionen will der Schweizerische Nationalfonds in die Erforschung des Coronavirus investieren. Der SNF sucht Forscher aus allen Bereichen.

Bruno Knellwolf
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In Thessaloniki wird ein Schulhaus wegen des Coronavirus gereinigt.

In Thessaloniki wird ein Schulhaus wegen des Coronavirus gereinigt.

Dimitris Tosidis / EPA

Der Schweizerische Nationalfonds (SNF) investiert in die Erforschung des Coronavirus. Auf Twitter meldete Matthias Egger, Präsident des Nationalen Forschungsrats, dass am 6. März ein als «Notruf» betitelter Aufruf gestartet werde, um Forscherinnen und Forscher aller Disziplinen zusammenzubringen. Es brauche ein besseres Verständnis des Virus und seiner Entwicklungsmöglichkeiten. Dafür will der SNF «einen Betrag im mittleren einstelligen Millionenbereich» investieren, wie Florian Fisch vom Nationalfonds erklärt.

Einen solchen Notaufruf macht der SNF zum ersten Mal. In den vergangenen Jahren seien wiederholt schwere durch Coronaviren verursachte Epidemien wie Mers und Sars aufgetreten. «Die aktuelle Covid-19 Epidemie hat nun zu einer Notlage von internationaler Tragweite geführt. Die Forschung zu intensivieren, ist deshalb dringlich. Sowohl im Zusammenhang mit der aktuellen, als auch im Hinblick auf die zukünftigen Coronavirus-Epidemien, die höchstwahrscheinlich auftreten werden», sagt Fisch.

Forscher können einen Projektvorschlag einreichen

Diese Gründe und die Überzeugung, dass die Schweizer Forschung einen Beitrag leisten könne, habe den SNF zur Sonderausschreibung bewogen. Forscher aller Disziplinen können sich deshalb während zwei Wochen melden. Die Wissenschafter sollen so schnellstmöglich zu Mitteln kommen. Schliesslich habe der SNF zum Ziel, den Forschungsplatz Schweiz weiter zu entwickeln und Forschungskapazitäten auszubauen. Forscher können einen Projektvorschlag einreichen, wenn sie einen Beitrag zum Verständnis des Virus, der von ihm verursachten Krankheit, seiner Verbreitung, der Diagnose oder Behandlung leisten können. Oder wenn sie helfen, dass das Gesundheitssystem und die Gesellschaft besser mit der Epidemie umgehen können. Die Ausschreibung richtet sich an kleine Forschungsteams, welche für sich eine klar fokussierte Teilfrage untersuchen. Es handle sich aber nicht um ein koordiniertes Forschungsprogramm, wie ein Nationales Forschungsprogramm (NFP), betont Fisch.

Impfstoff als Ziel

Die Forschungsagenda diktiert die WHO. Resultate sollen innerhalb von zwei Jahren vorliegen. «Ein Impfstoff ist selbstverständlich wünschenswert», sagt Fisch. Allerdings braucht es dafür industrielle Kapazitäten von Pharmafirmen, was dann nichts mehr mit dem Nationalfonds zu tun hat.