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Schwarzer Tag bei Wikipedia: Die Webseite wurde aus Protest abgeschaltet

Europäische Wikipedias haben am Donnerstag gestreikt. Die Direktorin des Schweizer Zweigs, Jenny Ebermann, erklärt, was mit diesem Protest gegen das von der EU geplante Urheberrecht erreicht werden soll.
Bruno Knellwolf
Statt Antworten lieferte Wikipedia gestern nur eine Protestschrift. (Bild: Sebastian Gollnow/DPA)

Statt Antworten lieferte Wikipedia gestern nur eine Protestschrift. (Bild: Sebastian Gollnow/DPA)

Wer am Donnerstag auf Wikipedia gerne nachgeschaut hätte, wie alt Angelina Jolie ist oder wie sich der Wankel- vom Otto-Motor unterscheidet, hatte statt einer Antwort eine schwarze Webseite vor Augen: Und darauf war in eindringlicher weisser Schrift zu lesen, dass nun die letzte Chance da sei, das Urheberrecht in Europa zu modernisieren.

Die Autorinnen und Autoren von Wikipedia hatten sich entschieden, ihre normale Webseite aus Protest gegen Teile der geplanten Urheberrechtsreform abzuschalten. Ein Gesetz, das am 26. März vom Parlament der Europäischen Union verabschiedet werden soll. Gestritten wird dabei vor allem um die Artikel 11 und 13.

Artikel 11 ist ein Verleger-Recht, das vorsieht, dass alle Webseiten-Betreiber auch für kurze Ausschnitte aus Pressetexten Lizenzen erwerben müssten. Und nach Artikel 13 müssten Internetplattformen Urheberrechtsverletzungen ihrer Userinnen und User präventiv unterbinden. Gemäss Wikipedia wäre dieser Urheberschutz aber nur mittels fehler- und missbrauchsanfälliger Upload-Filter möglich. Das schränke das freie Internet erheblich ein, behauptet Wikipedia.

Protest, obwohl Wikipedia teilweise ausgenommen ist

Wikipedia ist von Artikel 13 ausdrücklich ausgenommen. Warum also dieser Protest? Jenny Ebermann, Direktorin von Wikimedia CH:

«Das Freie Wissen lebt keineswegs nur in der Wikipedia. Wir setzen uns für ein insgesamt freies Netz ein, damit Wissen möglichst ungehindert geteilt werden kann.»

Jenny Ebermann, Direktorin Wikipedia CH

Jenny Ebermann, Direktorin Wikipedia CH

Die Umstellung auf eine direkte Haftung für Plattformbetreiber mit ihrer zu erwartenden Breitenwirkung im Netz werde auch vom UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechte David Kaye scharf kritisiert, sagt Ebermann. So wie Artikel 13 zur Zeit formuliert sei, würde er die Meinungsvielfalt und Informationsfreiheit im Internet massiv einschränken.

Allerdings müsste in der heutigen Zeit der globalen Text- und Bilderstehlerei im Netz ein gutes Urheberrecht doch auch den Wikipedianern am Herzen liegen, weshalb den Protest vielleicht nicht alle verstehen. Ebermann sagt denn auch, dass auch Wikipedia möchte, dass ein qualitativ hochwertiger Journalismus weiterhin möglich sei. Auch Kreativschaffende müssten für ihre Arbeit angemessen entlöhnt werden. Die Wikipedia CH-Direktorin sagt:

«Aber was wir nicht möchten, ist ein Aufbruch in ein unfreies Internet. Wir müssen daher abwarten, ob und wie unsere Projekte betroffen wären.»

Wikipedia wäre zwar von Artikel 13 ausgenommen, aber nicht von Artikel 11, dem Verleger-Recht. Und beim Medienarchiv Wikimedia Commons sei auch die Ausnahme von Artikel 13 nicht mehr so sicher, sagt Jenny Ebermann. «Wenn Wikimedia Commons doch betroffen ist, dann kommt viel Kontrollarbeit – vor allem im Bereich Fotos – auf unsere Freiwilligen zu.»

Wikipedia will keine Oase sein

Wikipedia wolle keine Oase in einer gefilterten Wüste des Internets sein. Die Online-Enzyklopädie sei auf freien Informationsfluss angewiesen. «Wenn dieser beschränkt wird, können auch weniger Quellen zur Recherche genutzt werden. Die Vielfalt der Informationen in Wikipedia verringert sich», sagt Jenny Ebermann.

Seit über fünf Jahren wird über diese Reform auf europäischer Ebene debattiert. Wikipedia habe an vielen Debatten und Regierungskonsultationen teilgenommen und auch auf Schweizer Ebene enorme Arbeit geleistet, erklärt die Schweizer Wiki-Direktorin. In der Schweiz hat der Ständerat vor zehn Tagen entschieden, den Entscheid über die Klausel für Medienverlage zu vertagen, weil der Rat die Entwicklung in der EU abwarten will, bevor er über die Revision des Urheberrechts entscheidet. Der Protest von Wikipedia käme deshalb nicht zu spät.

Die deutschsprachige Wikipedia war in dieser Form noch nie abgeschaltet worden. Der Protest soll nun aber noch weitergehen: Am kommenden Samstag findet in der Schweiz eine «Rette Dein Internet»-Demonstration statt. In vielen europäischen Städten fänden ebenfalls solche Veranstaltungen statt, sagt Ebermann.

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