Kolumne

Kindesentführungen vorbeugen

Der Kontakt beider Elternteile zu den Kindern muss gewahrt bleiben. Andererseits aber sollte bei konkreter Gefahr einer Entführung ein entsprechender Schutz möglich sein.

Valentin Landmann
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Valentin Landmann, Rechtsanwalt.

Valentin Landmann, Rechtsanwalt.

Nach Meldungen aus der Justiz und den Ämtern haben Kindesentführungen im Jahre 2018 erheblich zugenommen. Gleichzeitig ist auch die Zahl der Rückführungen durch die Justiz gestiegen. Aber in vielen, vielen Fällen ist keine Rückführung möglich oder sie führt nicht zum Erfolg. Was ist hier passiert, und was kann man tun?

Kinderzuteilungen durch das Gericht werden bei der Scheidung, aber auch beim Auseinandergehen von Partnern ohne Eheschliessung aktuell. Das Schweizerische Zivilgesetzbuch ermöglicht hier eine eingehende Berücksichtigung aller Umstände. Tatsache ist aber, dass wir bei kleinen Kindern fast immer eine Zuteilung an die Mutter sehen, bei grösseren Kindern ist es unterschiedlich. Zuteilungen an den Vater sind aber nicht häufig. Neuerdings ist die gemeinsame Sorge der sich trennenden Eltern zum Regelfall geworden.

Priorität der Mutter

Dem Partner, dem die Kinder nicht zur Obhut zugeteilt werden, steht ein Recht auf Kontakt zu den Kindern und sogar ein Ferienbesuchsrecht zu. Dieses Recht auf Kontakt zu den Kindern steht im Gesetz und gilt auch auf Verfassungsstufe. Und hier stellen sich die Probleme.

Als ob der Probleme nicht genug allein schon in der Zuteilung und der Besuchsregelung steckten, kommen alle Probleme der Ehe mit Migranten dazu. Viele Migranten stammen aus einem total anderen Kulturkreis. Die Religion hat einen Einfluss. Während wir vom Gesetz her eine abgewogene Regelung befürworten, bei der allerdings meist bei kleinen Kindern der Mutter Priorität eingeräumt wird, sehen das andere Kulturen völlig anders.

In islamisch geprägten Ländern ist das Recht des Vaters auf die Kinder wesentlich stärker betont.

Und das hat seine Auswirkungen. Nicht umsonst fürchten Mütter von Kindern mit Partnern aus solchen Kulturbereichen, dass der Partner unter Umständen das Kind mit sich in seine alte Heimat nimmt und dann das Kind oder die Kinder auf Nimmerwiedersehen dem Kontakt der Mutter entzogen sind.

Natürlich gibt es sehr viele ehemalige Migranten, die in der Schweiz Wurzeln geschlagen haben und sich den Regeln unterwerfen. Es ist aber Tatsache, dass die Häufung der Kindesentführung eine erhebliche Häufung der Kindesentführung durch den Vater in Länder anderer Kulturkreise enthält. In Länder, in denen der Vater das Recht auf die Kinder viel stärker geltend machen kann. Von einer Rückgabe ist dann mitunter nicht mehr die Rede.

Angepasste Regelung des Besuchsrechts

Der Kontakt beider Elternteile zu den Kindern muss nach unserer Rechtsordnung gewahrt bleiben. Andererseits aber sollte bei begründetem Verdacht und konkreter Gefahr einer Entführung des Kindes ein entsprechender Schutz basierend auf unserem Gesetz möglich sein. Und zwar nicht nur durch Massnahmen der Kesb beim Besuch, sondern schlicht und einfach bereits bei der Regelung des Besuchsrechts durch die Gerichte. Es wäre an der Zeit, dass in unserem Zivilgesetz eine Einschränkung der Besuchsrechte bzw. Auflage bei der Ausübung von Besuchen ausdrücklich vorgesehen wird für den Fall, dass begründete Furcht vor einer Entführung besteht. Es ist leichter vorzubeugen, als ein entführtes Kind aus einem fremden Kulturkreis zurückzuholen.