Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Schottland mit dem Zug: Füsse hochlegen und Länder an sich vorbeiziehen lassen

Mit dem Zug nach Schottland? Das dauert nur einen Tag und lohnt sich nicht nur wegen eines Café au lait in Paris oder der Fahrt durch den längsten Unterwassertunnel.
Diana Hagmann-Bula
Die grösste Sehenswürdigkeit Schottlands ist die Natur. Wer mit dem Zug reist, sieht viel davon. Bild: Shutterstock

Die grösste Sehenswürdigkeit Schottlands ist die Natur. Wer mit dem Zug reist, sieht viel davon. Bild: Shutterstock

Wenn man einen Mann hat, der nicht gern fliegt, fährt man mit dem Zug. Auch nach Schottland. Am Morgen früh in Zürich einsteigen, am Abend spät in Edinburgh aussteigen. Dazwischen bleibt viel Zeit. Um endlich das Buch zu lesen, das auf dem Nachttisch schon Staub angesetzt hat. Oder den Reiseführer, für den es vor der Abreise doch nicht mehr gereicht hat. Plötzlich teilt man mit neuen Zugbekannten nicht mehr nur das Abteil, sondern auch das Picknick. Und die Vorfreude. Erzählt von früheren Reisen und solchen, von denen man noch träumt, und hat schon viele Ideen für nächstes Mal, ehe das Ziel für diesmal erreicht ist.

Noch schöner ist nur, einfach nichts zu tun und aus dem Fenster zu schauen, festzustellen, wie sich die Landschaft verändert und das Wetter. An den Bahnhöfen die Hektischen in ihrer Eile beobachten und sich genüsslich noch tiefer in den Zugsessel mummeln, wie herrlich! Das alles aus nächster Nähe, auf Augenhöhe sozusagen, und nicht aus distanzierter Vogelperspektive wie im Flugzeug.

Der Spaziergang aufs Klo ist bei weitem nicht die einzige Gelegenheit, sich auf dieser Zugreise die Füsse zu vertreten. Sogar ins Schwitzen kommt man. In Paris geht es, mit dem schweren Rollkoffer im Schlepptau, zuerst eine lange Treppe hinauf und dann zu Fuss vom Gare de l’Est zum Gare du Nord. Man balanciert sein fahrbares Gepäckstück zwischen all den Menschen hindurch und versucht, niemanden zu rammen. Ein bisschen wie in einem Computerspiel. Kluge lassen eine Verbindung aus. Sie schlürfen in einem Bistro noch einen Café au lait, bevor es weitergeht, als wären sie für länger hier und nicht nur auf Durchreise.

Zurück im Zug, wird es draussen plötzlich dunkel, obwohl es noch mitten am Tag ist. Willkommen im Eurotunnel! Mit einer Strecke von 38 Kilometern unter Wasser ist er der längste Meerestunnel weltweit. In London nochmals den Bahnhof wechseln, zu Fuss schwarze Taxis und rote Busse überholen, die im Stau stecken. Und etwas Grossstadtatmosphäre einschnaufen. Die Endstation Edinburgh ist hübsch, aber beschaulich.

Nervt ein Mitreisender, kann man ihm aus dem Weg gehen

Erst ein paar Stunden sind seit daheim vergangen, und doch steigt das Gefühl hoch, schon seit Tagen unterwegs zu sein. Diese Begegnungen! Diese Erlebnisse! Der Weg ist eben doch das Ziel! Wie langweilig es dagegen im Flugzeug ist. Aussicht auf Wolken, Bordunterhaltung mit Mainstreamfilmen, höchstens ein paar schräge Mitreisende. Natürlich gibt es auch im Zug Passagiere, welche die Armlehne nur für sich beanspruchen und laut schnarchen, natürlich ist die Luft auch hier irgendwann stickig. Anders als im Flugzeug gibt es aber Ausweichmöglichkeiten. Selten sind im Zug alle Plätze belegt. Sogar Füssehochlagern ist möglich, bis zur Einfahrt in Edinburgh.

Nicht seine Städte sind die grösste Sehenswürdigkeit Schottlands, es ist die Natur. Mächtige Berge, schroffe Küsten mit verlassenen Stränden, malerische Dörfer, die wohl schönsten Wiesen mit den wohl schönsten Schafen, durch die sich (wenn überhaupt) schmale Strassen schlängeln. Kein Wunder, finden Filmemacher hier ihre Kulissen. Und kein Wunder, bekommt hier auch Gänsehaut, wer nicht an Kraftorte und Esoterik glaubt. Man fühlt sich frei und winzig und demütig in der gleichen Minute. Das wühlt auf.

Das Beste an einer Zugreise nach Schottland ist denn auch die Rückfahrt. Zwischen der kargen Unberührtheit im Ferienland und dem geschäftigen Alltag zu Hause liegen mit dem Flugzeug nur zwei Stunden, mit dem Zug vierzehn Stunden. Da bleibt der Seele mehr Zeit, mit nach Hause zu kommen. Danke, lieber Mann, dass du nur ungern in den Flieger steigst.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.