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Schottland: Vor den Kulissen von James Bond und Harry Potter

Am meisten Filme weltweit – gemessen an der Einwohnerzahl – werden in Schottland gedreht. Mit gutem Grund.
David Coulin
Im Geheimdienst Ihrer Majestät: Das Glencoe-Tal war Schauplatz von Dreharbeiten für den James-Bond-Film «Skyfall» mit Hauptdarsteller Daniel Craig. (Bild: David Coulin)

Im Geheimdienst Ihrer Majestät: Das Glencoe-Tal war Schauplatz von Dreharbeiten für den James-Bond-Film «Skyfall» mit Hauptdarsteller Daniel Craig. (Bild: David Coulin)

Schon in unserer ersten Unterkunft in Edinburgh sind wir mittendrin in einer viktorianischen Strassenflucht, die schon mehrfach als Filmkulisse diente. Mittendrin auch in unserem eigenen Ferienerleben, das uns zuweilen wie ein Film vorkommt. In einem Land, wo alles verkehrt läuft: der Strassenverkehr, jedes Türschloss und jeder Wasserhahn.

Schottland bietet für fast jede Show- und Filmidee die passende Kulisse. Liebesszene am Meeresstrand? Kein Problem. Geheimnisvolle Traumlandschaft für einen Bollywood-Streifen? Ganz zu Diensten. Eine passende Location für einen James-Bond-Thriller? Auf jeden Fall. Richtig dicht wird die Sache, wenn die Location selber den Duft der filmreifen schottischen Vergangenheit atmet – zum Beispiel das Castle von Doune nördlich von Stirling. Wer dorthin fährt, trifft vor Ort Fans von Filmklassikern von Monty Python, «Game of Thrones» oder der Outlander-Saga, in denen diese Location verewigt ist.

Richtig dicht wird die Sache, wenn die Location selber den Duft der filmreifen schottischen Vergangenheit atmet – zum Beispiel das Castle von Doune nördlich von Stirling. Wer dorthin fährt, trifft vor Ort Fans von Filmklassikern von Monty Python, «Game of Thrones» oder der Outlander-Saga, in denen diese Location verewigt ist.

Putzige Einfamilienhäuser stehen auf dem Schlachtfeld

Das Doune Castle: Die spätmittelalterliche Burg fasziniert Touristen und diente als Szenerie für «Monty Python» und «Game of Thrones». Bild: Shutterstock

Das Doune Castle: Die spätmittelalterliche Burg fasziniert Touristen und diente als Szenerie für «Monty Python» und «Game of Thrones». Bild: Shutterstock

Das Castle von Doune war zudem Schauplatz eines gigantischen, Dutzende Millionen Pfund schweren Drehs, der einen der dramatischsten Momente der schottischen Geschichte einfängt: «Outlaw King». Stellen wir uns vor, 700 Jahre früher zur Welt gekommen zu sein. In der Zeit, als der charismatische, aber auch brutale schottische Freiheitskämpfer William Wallace wegen Hochverrats gehängt, ausgeweidet und viergeteilt wurde.

Blutige Schlachten im Namen der Unabhängigkeit: Der Historienfilm «Outlaw King» erzählt dramatische Momente der schottischen Geschichte. HO

Blutige Schlachten im Namen der Unabhängigkeit: Der Historienfilm «Outlaw King» erzählt dramatische Momente der schottischen Geschichte. HO

Oder als sein zeitweiliger Widersacher Robert the Bruce als selbsternannter König der Schotten die Rolle als Anführer der schottischen Unabhängigkeitsbewegung übernahm und schliesslich am 23. und 24. Juni 1314 in Bannockburn bei Stirling mit 10 000 Leuten einen sensationellen Sieg gegen 25 000 englische Soldaten feierte. «Outlaw King» heisst die Verfilmung des realen Dramas, läuft auf Netflix und ist eine der kühnsten Filmproduktionen der Gegenwart.

Gilly Gilchrist stand für «Outlaw King» auf dem Schlachtfeld. Bild: David Coulin

Gilly Gilchrist stand für «Outlaw King» auf dem Schlachtfeld. Bild: David Coulin

Natürlich wurden beim Dreh der Schlacht in Bannockburn auch Effekte eingesetzt. «Aber da waren auch gefährliche Stunts dabei», sagt Schauspieler Gilly Gilchrist, ein Mann mit wachen Augen und prägnanten Gesichtszügen. Für ihn sei es der härteste Dreh gewesen, bei dem er je mitmachte, aber auch einer der faszinierendsten.

«Da stehst du mittendrin im Gewühl, spürst, wie die Hufe von Aberdutzenden Pferden die Erde beben lassen, wie dein Adrenalin hochkocht und immense Kräfte der Wut und der Verzweiflung den Weg über deine Arme in dein Schwert finden», sagt er. Im Besucherzentrum des Bannockburn Heritage spüren wir diese Kraft nicht, obwohl dort das Publikum mit modernster Visualisierungstechnik die Schlacht nachstellen und Feldherrenentscheide treffen kann. Letztlich bleibt es ein künstliches Erleben. Wir erfahren aber, wo die Schlacht wirklich stattgefunden hat – etwa zwei Kilometer östlich des Besucherzentrums.

Eine der drei Wurfmaschinen aus «Outlaw King». Bild: David Coulin

Eine der drei Wurfmaschinen aus «Outlaw King». Bild: David Coulin

Nichts deutet dort mehr auf die grosse Schlacht hin. Auf einst blutdurchtränktem Untergrund stehen putzige Einfamilienhäuser und eine Schule. Trotzdem stellen wir uns hin und versetzen uns in die Vergangenheit: wie die Schotten mit überlangen Speeren englische Schlachtrösser aufspiessen, wie die Engländer auf die Seiten ausweichen und dort in Bächen und Mooren steckenbleiben.

Wir glauben immer noch das Gewieher der im Morast versinkenden Pferde, die verzweifelten Schreie der im Bach von Bannockburn ertrinkenden englischen Soldaten und das Geklirre von Speeren und Säbeln zu hören, und fragen uns: Was waren das für Menschen, die einen solch stolzen Drang zur Freiheit in sich trugen, dass sie dafür auf dem Schlachtfeld ihr Leben riskierten?

«Um das zu ergründen», sagt der in Edinburgh aufgewachsene Gilly Gilchrist, «fahrt ihr am besten weiter nach Norden, in die Highlands, wo neben Englisch auch Gälisch gesprochen wird. Das ist die eigentliche schottische Nationalsprache und wird auf den Inseln des Nordens noch als erste Sprache unterrichtet.»

In den Highlands ist die Natur eine wilde Schönheit

Keine Häuser, keine Menschen – die Highlands sind eine noch unberührte Gegend Bild: David Coulin

Keine Häuser, keine Menschen – die Highlands sind eine noch unberührte Gegend
Bild: David Coulin

Das Gebiet der Highlands ist auch das Stammland von Clans mit Namen wie Murray, Napier, Rose oder McDonald. Vor allem ist es aber eine Gegend von unglaublicher, wilder Schönheit der Natur. Das beginnt gleich nach Stirling bei der Fahrt durch die bewaldeten, mit romantischen Seen durchsetzten Täler mit Häuserzeilen am Strassenrand, die gut als Kulisse eines Heimatfilms aus dem letzten Jahrhundert durchgehen könnten.

Hier werden Reisende vom typischen Highland-Geruch begrüsst. Bild: David Coulin

Hier werden Reisende vom typischen Highland-Geruch begrüsst. Bild: David Coulin

Plötzlich öffnet sich das Gelände. Wir wähnen uns in der Prärie und würden uns nicht wundern, wenn plötzlich Winnetou dahergeritten käme. Nur der Geruch, der über dieser Ebene liegt, ist anders. Es riecht nach frischem Moos und Wasser – der typische Highland-Geruch. Er intensiviert sich, während man eine Felsbarriere in einem langgezogenen Taleinschnitt durchquert.

Dort, im Glencoe, halten wir an und sehen uns um: Ja, das ist sie doch, die Szenerie aus «Outlander» oder «Harry Potter». Auch James Bond war hier und drehte in einem Nebental Szenen für «Skyfall». Aber für einmal verzichten wir auf eine Kulissenjagd und lassen einfach die Natur auf uns einwirken: Die vulkanischen Gesteine, zurechtgehobelt in einst kilometerhohen Gletschermeeren, die federnden Moose, unter denen dicke Torfschichten verborgen sind, die Farne und Heidekrautgewächse.

Die ideale Kulisse für Mittelalterfilme: In Glencore wurden Teile von "Outlander" gedreht. Bild: David Coulin

Die ideale Kulisse für Mittelalterfilme: In Glencore wurden Teile von "Outlander" gedreht. Bild: David Coulin

Die junge Parkrangerin Louise Kernaghan ist wie viele andere Leute hier: offen, aufgeschlossen, pragmatisch – und freiheitsliebend. «Die letzte Unabhängigkeitsabstimmung in Schottland ging nur knapp verloren», sagt sie, und: «Viele Schotten, die 2014 für den Verbleib im Vereinigten Königreich gestimmt haben, sind jetzt dagegen – weil sie den Anschluss an Europa behalten wollen.» Tatsächlich sind die Verbindungen zwischen Schottland und dem Kontinent schon seit je sehr eng.

Der Hogwarts-Dampfexpress aus «Harry Potter» tuckert vorbei

Ein Umstand, der den Highlander-Clans in der Zeit der Gegenreformation im 18. Jahrhundert zum Verhängnis wurde. Das englische Königshaus war in zwei Flügel geteilt. Die Nachfahren der Stuarts waren katholisch, diejenigen von George I. eher anglikanisch. Die Linie von George I. hielt sich an der Macht, während die Stuarts als rechtmässige Thronfolge und mithilfe der Franzosen und Spanier insgesamt vier Putschversuche unternahmen. Der letzte dieser sogenannten Jakobitenaufstände nahm seinen Anfang an einem Ort, der nicht nur wegen des dort stehenden Mahnmals eine Reise wert ist: Glenfinnan.

Im Film fährt Harry Potter mit dem Hogwarts Express. Seine Fans tuckern im «Jacobite Steam Train» über das Glenfinnan-Viadukt. Bild: David Coulin

Im Film fährt Harry Potter mit dem Hogwarts Express. Seine Fans tuckern im «Jacobite Steam Train» über das Glenfinnan-Viadukt. Bild: David Coulin

Dort steht auch das berühmte Viadukt aus Harry-Potter- und James-Bond-Filmen. Wir fotografieren den Hogwarts-Dampfexpress, wie er als Jakobite Steam Train über die malerische Brücke tuckert. Unser Blick weitet sich derweil über einen hügelumkränzten Fjord, der das romantische Ambiente dieses magischen Ortes vollends zur Geltung bringt.

Prince Charles Edward, so hiess der 24-jährige, charismatische Jakobitenfeldherr, stiess 1745 mit seinem Highlander-Heer von Glenfinnan bis nach Manchester vor, bevor er sich – von den Franzosen im Stich gelassen – nach Inverness zurückzog.

Wir könnten noch lange in den Hochebenen mit ihren langgezogenen Tälern und Seen verweilen. Doch wir nehmen den Weg nach Inverness. Kurz ein Rundgang in der Innenstadt – von der Serie «Outlander» her wohlbekannt –, dann zieht es uns in eines der Pubs. In einer Ecke singt ein Mann mit kerniger Stimme mal melancholischen, mal aufbegehrenden Folk und begleitet sich auf seiner Gitarre.

Neben uns sitzt ein Mann, dessen Schiff in Inverness repariert wird. Auf unsere Frage, welches denn der beste Whisky sei, steht er auf und bringt uns zwei gut gefüllte Gläschen. Im einen schmeckt der Whisky wie Grappa. Aber der andere, der schmeckt nach Rauch. «Smoky Whisky», sagt der sonst eher wortkarge Herr mit einem Grinsen, «my favorite.»

Fähnchen zeichnen die früheren Frontlinien nach

Rote Fahnen erinnern beim Schlachtfeld Culloden an die früheren Frontlinien. Bild: David Coulin

Rote Fahnen erinnern beim Schlachtfeld Culloden an die früheren Frontlinien.
Bild: David Coulin

Dann begegnen wir dem Jakobitenfeldherr Prince Charles Edwards nochmals – in Culloden nahe Inverness. Das Schlachtfeld, auf dem sein Heer niedergemetzelt wurde, ist unverbaut und mit Fähnchen versehen. Sie zeichnen die Frontlinien nach, die zwischen der englischen Übermacht und dem halb verhungerten, unorganisierten Haufen schottischer Jakobitenkämpfer verliefen.

Noch einmal vermischt sich Fiktion mit Realität, bevor wir uns die Augen reiben und Abschied von Schottland nehmen. Was bleibt, ist die Erinnerung an einzigartige Landschaften, herrliche Begegnungen und das Gefühl, beim Kredenzen des «Smoky Whisky» Pulverdampf zu riechen.

Gut zu wissen

Anreise
Ab Zürich (mit Edelweiss Air) und Basel (mit Easyjet) gibt es täglich Direktflüge nach Edinburgh.

Reisen im Inland
Am besten mit dem Mietwagen. Der Linksverkehr ist gewöhnungsbedürftig, die Strassen teilweise schmal.

Beste Reisezeit
Frühling und Herbst. Während der Sommersaison leiden die Hotspots, wie zum Beispiel das Castle von Stirling, unter einem Besucheransturm.

Auf jeden Fall
Eilean Donan Castle in der Nähe der Isle of Skye. Es lässt sich über die Zugangsbrücke schlendern, über die Pierce Brosnan im Bond-Film «Die Welt ist nicht genug» seinen Aston Martin steuerte. Cate Blanchett spielte hier für «The Golden Age» Queen Elizabeth. Die Burg aus dem 13. Jahrhundert ist historisch interessant.

Geheimtipp
Im Freilichtmuseum Fort Duncarron, das im Hinterland von Stirling liegt, macht der Engländer Darron die Geschichte des schottischen Mittelalters erlebbar. Und nicht nur das: Duncarron ist auch Originalschauplatz von Filmen wie «King Arthur», «Robin Hood» oder «Outlaw King». Sie können mit originalen Kostümen und Waffen nacherlebt werden. Besonders gut geeignet für Familien mit Abenteuerdrang. Infos: www.duncarron.com.

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit Kontiki-Reisen entstanden.

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