Schlechtes Heroin, fehlendes Geld: Die Coronakrise trifft Süchtige besonders hart

Die meisten Drogenabhängige gehören bezüglich Covid-19 zur Risikogruppe. Doch das ist nicht das einzige Problem, das ihnen die Pandemie beschert.

Niklaus Salzmann
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Weil die Grenzschliessungen den Drogenhandel erschweren, wird der Stoff mehr gestreckt.

Weil die Grenzschliessungen den Drogenhandel erschweren, wird der Stoff mehr gestreckt.

Bild: Keystone

Die bekanntesten Symptome von Covid-19 sind Husten und Fieber. Doch Heroin wirkt gegen Husten und Kokain beeinflusst die Körpertemperatur. Wer diese Drogen konsumiert, bemerkt deshalb eine Corona-Infektion vielleicht gar nicht. Dabei kann sie für Drogenabhängige besonders gefährlich werden.

Die Gefahr einer Überdosierung ist gestiegen

Rahel Gall, Geschäftsleiterin von Contact, Stiftung für Suchthilfe, sagt: «Nahezu alle, die unsere Anlaufstellen nutzen, gehören zur Risikogruppe.» Viele sind HIV-positiv oder mit Hepatitis infiziert, die meisten rauchen viel. Nebst der direkten Gefahr durch die Coronaviren kommen indirekte Risiken dazu.

Die Qualität des Heroins sei gesunken, heisst es unter den Klientinnen und Klienten der Stiftung Contact. Es enthält teilweise mehr Streckmittel. Diese können an sich schon gefährlich sein, doch vor allem ist dadurch die Dosierung beim Konsum schwierig. Damit steigt das Risiko einer Überdosis.

Die gesunkene Qualität dürfte ein Folge der Grenzschliessungen sein, die den internationalen Drogenhandel erschweren. Die Stiftung Sucht Schweiz rechnet damit, dass Gelegenheits- und Freizeitkonsumierende während der Pandemie weniger konsumieren, auch weil die Ausgangsorte geschlossen sind. Bei den intensiv Konsumierenden dagegen werde es solche geben, die mit grösseren Schwierigkeiten konfrontiert seien. Wer von einer Droge wie Heroin abhängig ist, kann den Konsum nicht von einem Tag auf den anderen stoppen.

Betteln klappt im Lockdown nicht mehr

Unter den Abhängigen ist derzeit eine Anspannung zu spüren. «Zum Teil müssen sie neue Wege finden, um ihren Stoff zu erhalten», sagt Rahel Gall.

«Zudem ist die Geldbeschaffung schwieriger geworden. Betteln und Prostitution funktionieren kaum mehr.»

Ein Stressfaktor sei auch, dass soziale Kontakte durch Angebote wie die Gassenküche wegfallen. So wird das Leben dieser Menschen, die ohnehin schon in dauerhafter Krise stecken, zusätzlich belastet.

Bei Contact im Kanton Bern haben sich dank einer niederschwelligen Einstiegsmöglichkeit innert zwei Wochen zehn Personen in ein Programm begeben, bei dem Heroin durch andere Substanzen ersetzt wird. Das müsse nicht heissen, dass alle nach Lockerung der Coronamassnahmen dabei blieben, sagt Rahel Gall. Aber es sei zumindest eine gute Überbrückung.

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