Schlechte Träume sind ein Training für gefährliche Situationen

Bei beängstigenden Träumen sind dieselben Hirnregionen aktiv wie bei Angst im wachen Zustand. Das hilft uns bei Lebensgefahr.

Bruno Knellwolf
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Ein angsterfüllter Traum kann uns später in einer Notsituation helfen.

Ein angsterfüllter Traum kann uns später in einer Notsituation helfen.

Bild: Imago

Bei Traumdeutung denkt man an den Begründer der Psychoanalyse Sigmund Freud. Vor 120 Jahren beschrieb er den Zusammenhang zwischen der Lebensgeschichte eines Menschen und dem Inhalt seiner Träume. In diesen zeigen sich nach Freud verdrängte Wünsche. Und diese haben vor allem mit der ständigen Unterdrückung von Trieben zu tun. Dieser Freudsche Beitrag floss in die Grundprinzipien der Psychotherapie ein: Traum-Assoziationen geben einen Hinweise auf Probleme.

Direkt ins Hirn geschaut

Heute machen Traumforscher ihre Untersuchungen im Schlaflabor. Neurowissenschafter schauen im Gegensatz zu Freud direkt ins Hirn und zeichnen dessen Aktivität auf. Dabei sind je nach Art des Traums verschiedene Areale des Hirns tätig. Der Forscher Lampros Perogamvros von der Universität Genf war in seiner im Journal «Human Brain Mapping» veröffentlichten Studie an der Angst interessiert. Ihn interessierte, welche Bereiche des Gehirns aktiv sind, wenn wir schlechte Träume haben. Die Forscher fanden heraus, dass bei schlechten Träumen zwei Hirnareale aktiv waren. Die Inselrinde und der Gyrus cinguli.

Im Wachzustand spielt die Inselrinde eine Rolle bei der Bewertung von Emotionen und wird automatisch aktiviert bei Angstgefühlen und der Gyrus cinguli beim Vorbereiten motorischer Reaktionen auf eine Bedrohung. Die Genfer Forscher entdeckten nun, dass diese Areale auch bei schlechten Träumen aktiv sind. Die Forscher stellten fest, dass Inselrinde, Gyrus cinguli und die bei Emotionen ebenfalls involvierte Amygdala, umso weniger auf Angstbilder reagierten, je schlechter die Person in der Woche zuvor geträumt hatte. Der mediale präfrontale Cortex hingegen, der die Angstreaktion der Amygdala hemmt, war hingegen umso aktiver.

Simulation heikler Lebenssituationen

Im Traum simulieren wir somit beängstigende Situationen, damit wir am Tag besser auf solche reagieren können. Sie sind ein Training für lebensgefährliche Situationen. Aus dieser Erkenntnis heraus, suchen die Genfer Forscher nun nach einer neuen Form von Traumtherapie, um Angststörungen zu heilen. Interessiert sind die Neurowissenschafter auch an Albträumen, die tiefer gehen als schlechte Träume und Schlafstörungen hervorrufen. Perogamvros vermutet, dass Albträume auch nicht hilfreich für Notsituationen sind.