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Schick und Schock im Schottenrock

Stilikonen von Prinzessin Diana bis Kurt Cobain trugen in den Achtzigern und Neunzigern gern Kariertes. Diesen Winter kehrt der Karotrend mit voller Wucht zurück – wild und gar nicht kleinkariert.
Helen Lagger
Der aktuelle Modeherbst ist kariert: Minijupe, Blazer und Tasche bei Versace.
Hosenanzug bei Christian Dior.
Stiefel samt Regenmantel im gleichen Karomuster bei Fendi.
Wohlig weicher Wollrock von Max Mara
Kombination von Karo mit Rautenmuster bei Ermanno Scervino.
5 Bilder

"Princess of Wales" hochgeschlossen, kariert, mit Béret (1981)

"Princess of Wales" hochgeschlossen, kariert, mit Béret (1981)

Wer in den Achtzigerjahren beim Coiffeur ein sogenanntes Klatschheftli öffnete, fand fast immer etwas über Prinzessin Diana alias Lady Di. Und mehr noch als der Kummer der «Princess of Wales» faszinierten ihre jeweiligen Looks. Die 1997 tragisch verunglückte Prinzessin ist und bleibt eine Stilikone. Besonders elegant sah Diana jeweils in Kariertem aus. So etwa in dem hochgeschlossenen Kleid von Caroline Charles, das sie 1981 bei den Braemar Games in Schottland trug. Keck kombinierte sie das hochgeschlossene Kleid mit Stehkragen und für die Zeit typischen Puffärmeln mit einem schwarzen Béret. Karos waren nie ganz weg, feiern nun aber gerade ein mächtiges Comeback. Mini, Maxi oder All Over – sehr vielfältig ist der Karotrend in dieser Saison.

Versace schlägt einen gelb-violett karierten Minirock in Faltenoptik mit Blazer und dazu passender Tasche vor. Die Models sahen auf dem Laufsteg wie mondäne Schulmädchen aus. Erwachsener kommt der Look bei Max Mara daher: Der bodenlange beige-braun karierte Wolljupe trägt dick auf und wird mit einem Teddymantel kombiniert zum wohligen Bollwerk gegen die Kälte. Als Tartan bezeichnet man die typischen Karomuster, die man unweigerlich mit Schottland in Verbindung bringt. Tatsächlich werden Karomuster für Kilts und andere schottische Kleidungsstücke verwendet. Doch die ältesten Karomuster wurden in China in Form von Hüten für Jadefiguren bereits vor rund 3500 Jahren gefunden. Bei archäologischen Ausgrabungen in Österreich ist man zudem auf karierte keltische Textilien gestossen. Gleichwohl hat das Muster in Schottland eine lange Tradition und besondere Bedeutung. Hier entstand das Muster durch das Verweben von Wolle heller und dunkler Schafe und steht für Nationalstolz.

Alexander McQueens düstere Schau

Modell aus 2006-er Kollektion von Alexander McQueen.

Modell aus 2006-er Kollektion von Alexander McQueen.

Tartan oder eben das «Schottenmuster» wurde seit dem Mittelalter von verschiedenen Clans getragen, so etwa auch während des Jakobitenaufstands von 1745. Auf die Rebellion folgte eine Schlacht bei der die überlegene englische Kavallerie ein Massaker anrichtete. Es soll zu Massenvergewaltigungen in den schottischen Highlands gekommen sein. Der britische Designer Alexander McQueen (1969–2010), Enfant terrible der Mode, das sich mit vierzig Jahren das Leben nahm, inspirierte sich für seine legendäre Herbst/Winter-Kollektion «Highland Rape» (1995) von diesem historischen Ereignis. Die Models schwankten in teils zerrissenen Kleidern über den Laufsteg. Ein Skandal, der McQueen berühmt machte, ihm aber auch den Vorwurf der Frauenfeindlichkeit einbrachte. Dabei wollte der Designer – der selbst schottische Wurzeln hatte – die Gewalt denunzieren, nicht feiern. Das Tragen von Schottenmuster war im 18. Jahrhundert von den Engländern verboten worden und bekam dadurch in McQueens Schau etwas Subversives. Schuhe, Strümpfe, knallenge Maxiröcke, Hosen und Ponchos mit Karomuster tauchten in der düsteren Schau auf.

Punk, Grunge und bieder

Markenzeichen kariertes Flanellhemd: Nirvana-Frontman Kurt Cobain

Markenzeichen kariertes Flanellhemd: Nirvana-Frontman Kurt Cobain

Eine andere britische Designerin, die für Tartan steht, ist Vivienne Westwood, die sogar ihr eigenes Schottenmuster entwarf und patentieren liess. In den frühen 1970ern haftete dem Muster etwas sehr Konservatives an. Mit der unter anderem von Westwood lancierten Punkmode wendete sich das Blatt. Tartan wurde getragen, um gegen die herrschenden Klassen zu rebellieren. Man trug zerrissene Karohosen, als wollte man das Muster verhöhnen. Ein weiteres Revival erlebte Tartan in den Neunzigern mit der ­Grungebewegung. Ein kariertes Flanellhemd gehörte etwa zum Signature-Look von Kurt Cobain (1967–1994), dem Sänger und Gitarristen der Band Nirvana. Cobain sah immer aus, als ginge er gerade Holzhacken. Mit dem drögen Heimwerkerlook protestierten in der Folge viele Rock-Grössen gegen Glanz und Glamour. Doch Karos sind und bleiben höchst widersprüchlich in ihrer Wirkung. Für alles andere als für Nullbock stehen die markenrechtlich geschützten Check-Karos der Marke Burberry. Man assoziiert sie mit klassisch britischer Eleganz aber auch mit einer gewissen Biederkeit. So trugen in den Neunziger- und Nullerjahren vorzugsweise Wirtschafts- und Jusstudentinnen mit blonden Strähnchen im Haar und Perlen in den Ohren den Schal mit dem berühmten Muster als wäre er ihr Erkennungszeichen. «Wir haben keine Fantasie», schien das Stück – oft auch als Fälschung getragen – auszusagen. Alles andere als kleinkariert kehrt Tartan zum Glück diesen Winter zurück. Mehrfarbige Karomuster werden so wild kombiniert, das es einem schwindelig werden kann. Kariert schauen, erlaubt.

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