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Hat Schawinski eine Prostituierte blossgestellt? Er sagt dazu: «Eine verlogene Kampagne»

SRF-Moderator Roger Schawinski steht unter Beschuss: Er habe eine Prostituierte am TV blossgestellt. Nun reagiert er – aber nicht so, wie es seine Kritiker wünschen.
Patrik Müller
Roger Schawinski und Salomé Balthus während der Sendung, die vor einer Woche ausgestrahlt wurde. (Bild: Screenshot SRF)

Roger Schawinski und Salomé Balthus während der Sendung, die vor einer Woche ausgestrahlt wurde. (Bild: Screenshot SRF)

Die Konstellation entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Während Deutschlands Feminismus-Ikone Alice Schwarzer den SRF-Moderator Roger Schawinski öffentlich verteidigt, sieht er sich in der Schweiz einem Shitstorm ausgesetzt, wird gar als «Frauenfeind» bezeichnet.

Worum geht es? Am letzten Montag fragte Schawinski in seiner SRF-Sendung die deutsche Philosophin und Edelprostituierte Salomé Balthus, ob sie als Kind sexuell missbraucht worden sei.

Um diese «Schawinski»-Folge geht es (ab 3.36):

Vater implizit des Missbrauchs verdächtigt?

Weil Schawinski zwei Minuten vor dieser Frage ein Foto von Balthus’ Vater eingeblendet hatte, der in der DDR ein bekannter Musiker war, habe Schawinski mit seiner Frage insinuiert, Balthus sei von ihrem Vater missbraucht worden, schrieb die «SonntagsZeitung». Bereits der «Tages-Anzeiger», die «NZZ» und weitere Medien hatten Schawinski kritisiert. Der Talkmaster schwieg bislang dazu. Am Sonntag nahm er gegenüber unserer Zeitung erstmals Stellung. «Mir zu unterstellen, ich habe etwas gefragt, aber etwas anderes gemeint, empfinde ich als infam.» Denn seine Missbrauchs-Frage habe er im Anschluss an eine klare Aussage von Alice Schwarzer gestellt, die er per Clip eingespielt habe.

Tatsächlich liess Schawinski folgendes Zitat der deutschen Feministin abspielen: «Wir wissen aus den Lebensläufen, dass eine überwältigende Mehrheit von den Frauen, die freiwillig in der Prostitution sind (...), in der Kindheit sexuellen Missbrauch erfahren haben.» Darauf fragte Schawinski wörtlich: «Ist das bei Ihnen auch der Fall gewesen? Würden Sie es mir gestehen, wenn es so wäre?» Balthus antwortete, dies sei nicht der Fall.

Dass diese Interviewpassage einen derartigen Medienwirbel auslöste, kommentiert Schawinski so:

«Dies hat nichts mehr mit Journalismus zu tun, das ist blosse Polemik gegen alte weisse Männer mit ihrer toxischen Männlichkeit, welche die radikalen Feministinnen ganz offen und unverblümt allesamt zum Teufel jagen wollen.»

Schawinski empfindet die «Kampagne gegen mich» auch darum als «verlogen», weil Balthus am Schluss der Sendung sich enttäuscht zeigte, dass die Zeit schon vorbei war («ich hätte gern noch weitergemacht», sagte sie vor laufender Kamera). Erst später, so berichteten Medien, sei sie aufgewühlt gewesen, habe «weiche Knie» bekommen und sogar das Flugzeug nach Berlin verpasst. Schawinski hält die Klagen der Frau für nicht glaubwürdig: «Einige Tage nach der Sendung erkundigte sie sich in einem Telefonat mit meinem Produzenten unter anderem auch darüber, ob eventuell eine Nachfolgesendung möglich sei.»

Als Kolumnistin entlassen

Richtig aufgekocht ist der Fall Balthus wohl auch darum, weil er dazu führte, dass die Philosophin ihre Kolumne bei der deutschen «Welt» verlor. Dies wegen eines falschen Zitats. Balthus schrieb, Schawinski habe sie gefragt, ob ihr eigener Vater sie missbraucht habe. Und sie fragte in ihrem Text, wie der Moderator wohl darauf komme, dass ihr eigener Vater sie vergewaltigt haben könnte. Doch das hatte Schawinski nie gesagt – und so beschwerte er sich bei «Welt»-Chefredakteur Ulf Poschhardt, der Balthus umgehend als Kolumnistin absetzte – per Mail. Schawinski sagt dazu: «Die radikale Reaktion der ‹Welt› hat auch mich überrascht. Sie erfolgte ohne mein Zutun und kann mir nicht auch noch angelastet werden. Ich dachte an eine Richtigstellung. Aber offenbar herrscht in Deutschland nach dem Relotius-Skandal hier eine Nulltoleranz-Politik.»

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