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Glosse

Schäfli ungeschoren: Spesen-Schmarotzer ändern «Gabi»-Regel

Offiziere liessen ihre Frauen im Super-Puma einfliegen. Und sind dabei aufgeflogen. Unsere Recherchen zeigen: ausser Spesen ist da noch mehr gewesen. Denn der Heli landete sogar auf dem Frauenparkplatz.
Roland Schäfli
(Illustration: Corinne Bromundt)

(Illustration: Corinne Bromundt)

Das ist die Satirekolumne der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Die Spesenrechnung war länger als das Dienstreglement: Offiziere betrieben auf Staatskosten Imagewerbung, um Frauen für die Armee zu begeistern. Allerdings handelte es sich um ihre eigenen Frauen.

Hallo. Ich bin der Typ, der im Zug die Zeitung über ihre Schulter liest. Der Mann, der abends das Namensschild auf Ihrem Briefkasten notiert. Bin das seltsame Knacken in Ihrem Telefon. Genau: Ich bin Ihr persönlicher Sozialschnüffler. Bei der Gelegenheit: Schönen Dank, dass Sie für mich gestimmt haben. Woher ich das jetzt schon weiss? Habe gesehen, wie Sie am Küchentisch die Abstimmungsunterlagen ausgefüllt haben. Korrekte Entscheidung. Diese Woche konnte ich bereits meine Skills beim Observieren unter Beweis stellen. Auf höchsten Befehl vom Armeechef. Guy Parmelin war so blitzartig in meinem Office aufgetaucht wie eine neue Kampfjet-Offerte. Er mit welschem Akzent: «Sie sind Privatdetektiv?» Ich gab meine Standardantwort: «Das ist privat.» Doch er kapierte den Witz nicht. Ich sollte für ihn rauskriegen, ob sich in den Reihen seiner Offiziere Spesen-Schmarotzer finden. Denn das Offizierskorps liess Ehefrauen auf Geschäftskosten zu rauschenden Festen einfliegen. Den Super-Puma parkierten sie dabei jeweils auf dem Frauenparkplatz. Ein General hatte für den Namenstag seiner Frau sogar einen Formationsflug der Patrouille Suisse in Herzform befohlen.

Meine leichteste Übung, Zugang zum Offizierskasino zu kriegen. Gab mich einfach als Kellner aus. Die hohen Militärs schoben auf ihrer Generalstabskarte Angriffspfeile auf strategisch wichtige Gourmet-Kantinen und Luxus-Kasernen. Nur einmal wär’ ich um ein Haar aufgeflogen: Als einer Champagner bestellte und ich seine persönliche Marke nicht kannte. (Ich behielt den Fuffziger Trinkgeld trotzdem). Im Kasernenton wurde diskutiert, wie sich die Frauen-Spesen als MFD, militärischer Frauendienst, auslegen lassen. Rundflüge im Heli? Natürlich zur Aufklärung (wenn jüngere Damen noch nicht aufgeklärt sind)! Wellness-Hotel? Test der neuen Gesicht-Tarnfarbe (Gurkenmaske)! Golfspielen? Manöver zur Lage in den Golfstaaten! Taxi-Spesen? Vorrücken der leichten mobilisierten Truppe! Candle-Night-Dinner? Nachtübung! Lunch mit der Ex? Einsatz hinter den feindlichen Linien! Weekend mit der Geliebten im Liebesnest? Scharfer Arrest!

Meine Überwachungsdrohne kreiste lautlos über ihren Köpfen. Dass ich genügend Beweismaterial hatte, wusste ich, als sie beschlossen, die «Gabi»-Regel für ihre Zwecke abzuändern, jene Faustregel für den Notfall mit Gabis Spesen:

G für «Gibt sie Antwort?»: Gibt sie Rückgeld? A für «Atmet sie?»: Atmet sie schwerer, wenn sie das Wintertenue (Pelzmantel) geschenkt bekommt? B für «Blutet sie?»: Blutet das Spesenkonto aus? I für «Ist sie ansprechbar?»: Ist das Limit der Kreditkarte erreicht?

Sah mir ganz danach aus, als würde Parmelin einen General-Streik niederschlagen müssen. Meine Beobachtungen sollte ich unverzüglich mitteilen. Hörte das vertraute Knacken im Telefonhörer, wenn das Gespräch aufgezeichnet wird. Dann folgte eine Ansage ab Band. Der welsche Akzent unverkennbar: «Reichen Sie mit Ihrem Rapport auch gleich Ihre Spesenrechnung ein.»

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