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Glosse

Schäfli ungeschoren: Forscher entdecken in Moutier Antimaterie

Die Wissenschaft kann im Graben von Moutier erstmals den Mikrokosmos der Schweiz nachweisen: Schweizer wollen lieber woanders sein, als sie nun mal sind.
Roland Schäfli
(Illustration: Corinne Bromundt)

(Illustration: Corinne Bromundt)

Das ist die Satirekolumne der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Seit Unzeiten versucht man am Cern in Genf, ein schwarzes Loch herzustellen, das Milliarden von Forschungsgeldern absaugt. Dabei hat sich in Moutier von selbst ein Graben aufgetan, der negative Energie erzeugt.

Das schottische Dorf Brigadoon tauchtnur einmal alle 100 Jahre aus dem Nebel der Zeit auf, um nach einem Tag wieder zu verschwinden. Jetzt haben Forscher im Kanton Bern (aber im Jura gelegen) eine sensationelle Entdeckung gemacht: ein ebenso wenig fassbares, nebulöses Dörflein, das letztmals vor einem Jahr an seiner Abstimmung über den Kantonswechsel erschien, um dann wieder der Vergessenheit anheimzufallen. Und nun zurückkehrt, das Abstimmungsresultat zu annullieren. Demnächst will Moutier wieder verschwinden: von Bern zum Jura. Und dann vielleicht ganz.

Wissenschafter untersuchen den physikalisch einmaligenVorgang: Just im Dorfkern wurde 1947 die Kantonsspaltung entdeckt. Allerdings haben die Gelehrten Mühe, den kleinen Flecken im Grand Val überhaupt erst zu finden. Weil Moutier «Münster» heisst. Die Energiefreisetzung bei der Abspaltung des Kantons Jura entwickelt in Moutier seit 1979 enorme Energiemengen, die sogar mehr Kraft als die Demokratie besitzen. Forscher zeigen sich fasziniert vom Graben, der sich im Dorfkern aufgetan hat. Er stellt sogar die neueste Entdeckung auf der Berner Seite in den Schatten: Am Bielersee tauchte ein Pfahlbauerdorf auf. Archäologen datieren es aufgrund von Keramikscherben auf ein Alter von 6000 Jahren. Nur das Geschirr, das in Moutier zerschlagen wurde, ist noch älter.

Am Fels über dem Städtchen war ursprünglich das Schweizer Wappen aufgemalt. Bald war es mit der jurassischen Fahne überpinselt. Jetzt erhielt das Wappen wiederum einen neuen Anstrich: «Stoppt Wappler!» Da hier die Demokratie ausser Kraft gesetzt wird, wollen Projurassier nun auch die Wahl der Thurgauerin Nathalie Wappler rückgängig machen. Um mehr eigene Leute in die SRF-Direktion zu hebeln.

Zur Freude der Cern-Forscher produziert der Dorfgraben Unmengen von Antimaterie. Die in ihre kleineren Teile zerlegten Spaltprodukte sind reich an negativer Energie. Die eine Seite beratschlagt im Buffet de la Gare. Die andere hält Kriegsrat im Bahnhofsbüffet.

Würde ein Projurassier sich in eine probernische Frau verlieben, müssten sie ihre Beziehung besser geheim halten als der Raiffeisen-Chef zu seiner Verwaltungsrätin. Und ginge aus so einer unheiligen Allianz ein Kindlein hervor, fragten die Eltern nicht: Mädchen oder Bub? Sondern: Projurassier oder Proberner? Und das schneller als Zgraggen «Depp» sagen kann. Käme es im AKW Mühleberg zur Reaktorpanne, die Hälfte der Menschen würden die Jodtabletten nicht fressen. Weil sie aus Bern kommen. Und sie Berner Kröten nicht schlucken wollen.

Wenn jeder so einfach abhauen könnte, wäre Kreuzlingen längst in Konstanz. Das Bundesgericht musste diese Woche entscheiden, ob eine Katze ihrem früheren Besitzer oder der Person, die sie hütete, gehört. Wenn Moutier diese Katze wäre, würde das Hinterteil mit dem Schwanz wedeln und das Vorderteil beissen. Wenn das helvetische Brigadoon dereinst wiederkehrt – und das wird es –, soll wie im Fall der Katze der Besitzer endlich festgestellt werden. Wenn Moutier und Münster sich nicht vorher ganz aufreiben und nur ein schwarzes Loch übrig bleibt.

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