Sauna hilft gegen Winterblues

Die Savusauna ist eine echte finnische Rauchsauna und gilt als die traditionellste und rustikalste Form. Schon vor Hunderten von Jahren sollen die Bewohner Skandinaviens kleine Holzhütten errichtet haben, um sie mit heissem Rauch offener Feuer aufzuheizen. Bei uns ist sie jedoch kaum bekannt.

Urs Oskar Keller
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Eine echte finnische Rauchsauna, die Savusauna in Juva, Mittelfinnland. Danach taucht man in einen der vielen Seen. (Bild: Urs Oskar Keller)

Eine echte finnische Rauchsauna, die Savusauna in Juva, Mittelfinnland. Danach taucht man in einen der vielen Seen. (Bild: Urs Oskar Keller)

Die heissen Steine zischen, eine Dampfwolke steigt auf, die Hitze erdrückt beinahe den Atem: Viele Saunafans schwören auf den Aufguss. Dabei ist gerade die extrem trockene Luft charakteristisch für die finnische Rauchsauna. Wer sie betritt, muss nicht nur seine Kleider ablegen, sondern auch sein Bild vom herkömmlichen Saunieren. Ein altes finnisches Sprichwort besagt: «In der Sauna muss man sich benehmen wie in einer Kirche.» Helvetische Habitués denken beim Saunieren oft an bretterverschalte Einheitsschwitzkästen und den Duft nach Fichtennadel- oder Eukalyptus-Aufguss.

In einer finnischen Rauchsauna riecht es dagegen nach nichts als nach Rauch und guter Laune. Das wichtige Gebot ist im Herzen der finnischen Seenlandschaft dagegen ausser Kraft gesetzt: «Kein Schweiss aufs Holz!» Dort ist das kein Thema. Die einfachen Holzbänke sind nicht selten russgeschwärzt, da stört Schweiss ohnehin nicht weiter.

Die Kunst des Erhitzens

«In Finnland mit seinen 5,3 Millionen Einwohnern gibt es heute etwa zwei Millionen Saunas. Die exakte Zahl ist nicht bekannt», bestätigt Merja Hedman von der Finnischen Sauna Gesellschaft «Suomen Saunaseura Ry» in Helsinki. Richtige Rauch- oder Savusaunen sind heute eine Seltenheit, schätzungsweise jede hundertste ist eine.

Schon allein der Umstand, dass sie oft abbrennen, wenn sie unvorsichtig beheizt werden, sorgt dafür, dass ihre Zahl weiterhin abnehmen wird.

In der mittelfinnischen Region Savo, einer Gegend mit unzähligen Seen, Birken- und Föhrenwäldern, wird sie noch vielerorts praktiziert. Doch eine Rauchsauna überhaupt erst mal heiss zu machen, ist eine Kunst für sich.

Pentti Tuohimaa, Präsident des internationalen Rauchsauna- Clubs «Kansainvälinen Savusaunaklubi Ry» mit zweihundert Mitgliedern und Sitz in Tampere erklärt: «Natürlich ist jeder Finne der Überzeugung, dass die eigene Sauna die beste ist. Doch jeder wird auch bestätigen, dass die einzig richtige die Savusauna ist – und es gibt rund 20 000 davon.

Dabei muss aber gesagt werden, dass in der Savusauna nicht im Qualm gesessen wird und auch Tabakrauchen nicht gestattet ist.»

Mit dem Rauch habe es folgende Bewandtnis, erklärt er weiter: Der Ofen stehe frei im Raum und habe keinen Kamin, sondern der Rauch ziehe durch die aufgeschichteten Steine ab, ziehe sich die Wände und die Decke entlang und allmählich durch eine Luke ins Freie. Das Beheizen dauere bis zu sechs Stunden, und Holz müsse mehrmals nachgelegt werden.

«Nach dem Heizen sollte man die Sauna noch eine Stunde ruhen lassen. Dann kann man sie endlich benutzen. Obwohl der Rauch verflogen ist, duftet alles wunderbar rauchig.»

Angenehmere Temperaturen

Sobald das Feuer erloschen ist und aller Rauch abgezogen ist, beginnt das Saunieren. Die Innenwände sind russig, die Bänke werden deshalb mit Tüchern bedeckt.

Einen Vorteil hat diese Art von Sauna für diejenigen, denen es in modernen Saunen oft zu heiss ist: Hier steigt die Temperatur selten über 80 Grad, und weil die Räume meist hoch und die Bänke in mehreren Stockwerken angeordnet sind, findet jeder einen für ihn passend temperierten Platz.

Der «Glut-Hauch»

Das «Löyly» sei weicher und besser, die Atmosphäre besonders und alles habe eine lange Tradition, ereifert sich Savusauna-Präsident Tuohimaa.

Trockene Hitze mit dem wundersamen «Löyly» zaubert Sauna-Liebhabern einen schwärmerischen Ausdruck in die Augen. Der Ausdruck stammt aus dem Finnischen und bezeichnet den Wasserdampf, der nach dem Aufguss entsteht. Der Glut-Hauch öffnet die Poren und regt zu kräftigem Schwitzen an.

In Finnland hat sogar jeder ambitionierte Neubau eine Sauna. Ein finnischer Seemanns-Pfarrer in Hamburg liess selbst in die Kirche eine Sauna einbauen. Er weiss, wonach sich seine Landsleute im Ausland sehnen.

Ohne Sauna hält es ein Finne nicht lange aus. Und diese Tradition nimmt zuweilen kuriose Formen an: An der zehnten Sauna-Weltmeisterschaft im August 2008 im finnischen Ort Heinola traten über hundert Teilnehmer aus zahlreichen Ländern gegeneinander an. In mehreren Durchgängen müssen es die Teilnehmer nach festen Regeln in einer 110 Grad heissen Sauna so lange wie möglich aushalten. Der neue Weltmeister heisst Bjarne Hermansson. Der Finne hielt 18 Minuten und 46 Sekunden durch.

Seine Landsmännin Leila Kulin aus Finnland holte sich bei den Frauen den WM-Titel. Sie harrte «nur» 5 Minuten und 21 Sekunden aus.

Mehr als Abhärtung

Einige Stunden in der Sauna sind nicht nur eine wunderbare Möglichkeit zu entspannen und dem Alltag zu entfliehen. Wer regelmässig schwitzt, tut zudem etwas für seine Gesundheit. Schwitzen, ob in trockener Hitze oder Dampf, macht ausserdem sehr sanft und weich.

Für Nicht-Finnen mag die Sauna ein umständlicher und aufwendiger Prozess der Körperreinigung sein, oder man kann sie als Mittel zur Abhärtung oder zum Gewichtsverlust sehen. In Wirklichkeit ist sie für den Nordländer reiner Genuss, eine Sinnesfreude aus Düften und Klängen, geeignet, um die Haut zu spüren und sich danach wie neugeboren zu fühlen.

Schweizerischer Sauna-Verband (SSV): www.saunawellness.ch International Smoke Sauna Club: www.savusauna.fi Infos: www.saunaseite.de www.saunafans.de Literatur: Rolf-Andreas Pieper: Sauna. Entspannung und Gesundheit. Mosaik-Verlag, 12.90.

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