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Komiker Jan Böhmermann rechnet mit Österreich ab – und bringt den ORF arg in Verlegenheit

Die rechtskonservative Regierung ist bevorzugte Zielscheibe für den berüchtigten deutschen Satiriker Jan Böhmermann. Neue Provokationen brachten nun das öffentlich-rechtliche Fernsehen in arge Verlegenheit.
Rudolf Gruber, Wien
Der deutsche Satiriker Jan Böhmermann. Bild: Keystone (Köln, 18. November 2016)

Der deutsche Satiriker Jan Böhmermann. Bild: Keystone (Köln, 18. November 2016)

Grundsätzlich tun sich Österreicher mit deutschem Humor schwer. Manche sagen sogar, die grossen Nachbarn hätten gar keinen. Satire müsse für Deutsche in Kursiv gedruckt werden, damit sie verstünden, was gemeint sei, sagte einst der berühmte österreichische Schriftsteller Karl Kraus.

Eigentlich sollte der deutsche Satiriker Jan Böhmermann in der Sendung «Kulturmontag» im österreichischen Fernsehen (ORF) über seine Ausstellung «Deuscthland#ASNCHLUSS#Östereich» befragt werden, die kürzlich im Künstlerhaus in Graz eröffnet wurde. Doch das Vorhaben misslang, weshalb auch ungeklärt blieb, was an orthografischen Fehlern im Titel satirisch sein soll. Stattdessen legte er mit einem Wortschwall über die rechtskonservative Koalition los. Es sei, spielte er auf Kanzler Sebastian Kurz an, «nicht normal, dass ein Land von einem 32-Jährigen geführt wird». Vizekanzler Heinz-Christian Strache wiederum verbreite «volksverhetzende Scheisse auf Facebook».

Lieblingsopfer Sebastian Kurz

Ob er derlei Fäkalsprache als Humor verstehe, vergass die Moderatorin Clarissa Stadler ihren Gast zu fragen. Letztlich musste Böhmermann selbst Humor-Anleihe just bei einem Österreicher nehmen, nämlich beim Autoren Thomas Bernhard. Dieser schimpfte seine Landsleute einst «sechseinhalb Millionen Debile» (weil sie 1938 Hitler zujubelten). «Heute sind es acht Millionen», rechnete Böhmermann vor. Realsatire war dann die Reaktion des ORF, der sich, politischen Ärger fürchtend, in vorauseilendem Gehorsam von derlei teutonischen Ausfällen umgehend distanzierte.

Zuvor wurde Böhmermann mit der «Romy» ausgezeichnet, dem nach Romy Schneider benannten österreichischen Fernseh-Oscar, den die Wiener Zeitung «Kurier» vergibt. Böhmermann liess sich auch diese Gelegenheit nicht entgehen, um per Video-Zuschaltung sein Lieblingsopfer Sebastian Kurz einen «durchgeknallten Kinderkanzler» und «schweigenden Fascho-Helfer mit den grossen Ohren» zu nennen. Auch diesmal lieferte die Kurier-Chefredaktion, nach heftigen Protesten, den realsatirischen Beitrag hinterher: Von «Eklat» und «schlechtem Benehmen» war die Rede.

In besagter Grazer Ausstellung zeigt Böhmermann durchaus satirische Schärfe. Thema ist das derzeit rechtsradikale Klima in Österreich. Beispielsweise selektiert am Eingang eine «Passkontrolle» Besucher nach den Kategorien «Österreicher» und «Ausländer», für Faschisten ist eine Hundeklappe vorgesehen. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache wird mit einer lebensgrossen Fotomontage verhöhnt, die ihn als jungen Neonazi zeigt, der zum «Witzekanzler» wurde. Graz habe er gewählt, so Böhmermann, weil es nahe «dem zweiten Problemland» Italien liege. Und Österreich nennt er «Ungarn light» – wegen der rigiden Migrationspolitik und der Neigung der Kurz/Strache-Regierung, Massenmedien gängeln zu wollen, so wie es Ungarns Premierminister Viktor Orbán tut.

Hinweis: Die Sendung in der ORF-Mediathek

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