Robin Hood Hirst

Damien Hirsts Sotheby's-Auktion könnte als künstlerisches Selbstmordattentat bezeichnet werden.

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Damien Hirsts Sotheby's-Auktion könnte als künstlerisches Selbstmordattentat bezeichnet werden. Robin Hood Hirst sticht in die Blasen des hysterischen Kunstmarktes – es gibt Gründe anzunehmen, dass es dabei weder um seine Brieftasche noch ums blosse Schockieren geht, sondern um die radikale Unterwanderung des Kunstmarktes und des Kapitalismus, um die Rückeroberung der Autonomie der Kunst.

Denn Hirst überfüttert seit je den Markt mit den immer gleichen Werken. Überteuerung und schiere Unverkäuflichkeit sind Programm. Zudem verrät der Titel der Aktion – «Beautiful Inside My Head Forever» – in seiner ganzen diffusen Pracht die Aktion selbst als künstlerische Arbeit.

Schliesslich: Nichts liegt näher, als dass die Aktion verkaufstechnisch zum Flop wird. Das weiss Hirst haargenau – auch ohne Galeristen im Hintergrund. Hinter den Schockeffekten seiner Werke und auch der laufenden Aktion stehen komplexe Konzepte, differenzierte Strategien und Grenzüberschreitungen aller Art rund um die alten Themen von Vergänglichkeit und Tod.

Das Goldene Kalb, eines der Hirst-Werke, Symbol für Dekadenz und Selbstüberschätzung, Metapher für eine in Konservierungsmittel eingemachte Geldwirtschaft, dürfte bis heute abend einen Käufer gefunden haben. Damit steht fest: der Kunstmarkt hat sich selbst gleichzeitig gekauft und verkauft. Die Spiesse sind umgedreht worden. Die Kunst diktiert den Markt, nicht der Markt die Kunst. Hirst macht Tabula rasa und bleibt Sieger, falls er gewinnt – oder erst recht, wenn er verliert.

Ursula Badrutt Schoch

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