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Reisereportage: Gestrandet auf Jersey

200 Tage Sonnenschein im Jahr, ein mildes Steuerklima und köstliches Essen: Jersey ist eine Insel zum Verlieben. Nur das Meer kann einem da noch einen Strich durch die Rechnung machen.
Dominik Buholzer (Text und Bilder)
Eines der Wahrzeichen von Jersey: der Leuchtturm La Corbière. Er steht auf einer Gezeiteninsel, die nur bei Ebbe zu Fuss erreichbar ist.

Eines der Wahrzeichen von Jersey: der Leuchtturm La Corbière. Er steht auf einer Gezeiteninsel, die nur bei Ebbe zu Fuss erreichbar ist.

«Da vorne stand die Frau», sagt Derek Hairon und zeigt auf einen Felsen hinter sich. Sie habe ausgeharrt, bis die Feuerwehr sie mit dem Boot aus ihrer misslichen Lage befreite. «Die Frau hat wohl nicht realisiert, welch unglaubliches Glück sie hatte. Drei Minuten später, und sie wäre im Meer versunken», sagt er und hält die Foto mit der Szene in die Kamera. Dann wäre es wohl schnell brenzlig geworden. Bis zum nächsten Rettungsturm sind es ein paar hundert Meter. Dieser sieht zwar alles andere als schmuck aus, ist aber für viele die letzte Rettung. Jährlich werden auf Jersey gut 20 Personen von der Flut überrascht und benötigen Hilfe – die Hälfte davon sind Einheimische. «Wir verlieren immer mehr das Wissen über das Meer», sagt Hairon. Auch aus diesem Grund organisiert er Wattwanderungen. Die Flut, erklärt Hairon, könne man zwar kommen hören, doch dann sei es meist zu spät.

Die Flut kommt schnell auf Jersey: Wanderleiter Derek Hairon mit dem Bild einer Rettungsaktion.
Frischer Hummer, eine der Spezialitäten auf Jersey.
Die Ebbe legt die Austernfarmen frei. Zieht sich das Meer zurück, wird die Insel um einen Drittel grösser.
3 Bilder

Impressionen aus Jersey

Die Gezeiten haben es auf Jersey in sich. Der Tidenhub, der Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser, ist so gross wie nur noch in der Bay of Fundy in Kanada und im Bristol Channel: bis zu zwölf Meter Differenz. Wenn sich das Meer zurückzieht, wird die Insel nicht nur um ein Drittel grösser, dann offenbart sich für wenige Stunden auch eine faszinierende Landschaft.

Wie der Insel plötzlich Milliarden zuflossen

Für die Jerseyaner war das Meer schon immer mehr als der Ort, wo sie ihre Fische fingen oder die Austern züchteten. Hier holten sie bei Ebbe ihren Dünger, das Seegras, das für das Gedeihen der Jersey Royals, der berühmten Frühkartoffeln, so wichtig ist.

Heute blüht vor allem ein anderer Zweig: die Finanzbranche. Dies ist dem milden Steuerklima zuzuschreiben. Angefangen hatte alles 1959, als Jersey die Einkommenssteuer auf einheitlich 20 Prozent gesenkt hatte. Auf einmal flossen der Insel Milliarden zu. Dies lies aber auch die Einwohnerzahlen in die Höhe schnellen. Heute leben knapp 100'000 Personen auf Jersey – die Hälfte davon sind Zugezogene. Wer jetzt noch kommen will, braucht Geld und Glück. Geld, dass er überhaupt die Kriterien erfüllt, um sich ständig auf Jersey niederlassen zu können. Und Glück, um eine passende Immobilie zu finden. Dabei sollte man am besten keine Haustiere und Kinder haben. Beides kann bei der Wohnungssuche zu Problemen führen. Dies ist zwar eine unschöne Entwicklung. Dem Zuspruch von Vermögenden tut dies aber keinen Abbruch.

Oligarch Abramowitsch wäre gerne Insulaner

Im vergangenen Frühjahr wollte auch Oligarch Roman Abramowitsch seinen Wohnsitz von England nach Jersey verlegen. Visaprobleme machten ihm jedoch einen Strich durch die Rechnung. Diese hatte der britische Krimiautor Peter James (Roy-Grace-Serie) nicht. Er lebt jetzt auch im Ärmelkanal – weil er hier mehr Ruhe zum Schreiben finde, wie er der lokalen Zeitung verriet. Das mag sogar noch stimmen. Der EU jedoch missfällt das Gebaren der Insulaner. Viel machen kann sie allerdings nicht. Jersey geniesst zwar militärischen Schutz von Grossbritannien, ist ansonsten aber unabhängig und nicht Mitglied der Europäischen Union. Immerhin hat das Drängeln Brüssels dazu geführt, dass es seit 1998 auf der Insel eine unabhängige Finanzaufsicht gibt und die Herkunft der Gelder genauer überprüft wird.

Auf Jersey hatte sie schon immer einen guten Riecher fürs Geschäft: Zuerst war es der Handel mit den Jersey-Rindern, die die Kassen füllten, dann kam der Export von Austern, bevor sich Jersey anschickte, den internationalen Steuerwettbewerb anzuheizen. Die Zukunft soll nun im Digitalen liegen. Bis im Jahr 2020 will sich Jersey als «international anerkanntes digitales Zentrum» positioniert haben und damit 2200 neue Jobs generieren. Dabei hat man es auf drei Bereiche abgesehen: E-Health, E-Gaming und E-Commerce. Der erste Schritt ist getan: Die Insel hat eines der weltweit schnellsten Breitbandnetze und lässt damit die USA, Japan aber auch Technologiespezialist Estland hinter sich.

Nicht nur geschickte Geschäftsleute

Die Jerseyaner sind allerdings nicht nur geschickte Geschäftsleute, sondern auch Geniesser. Und dies macht das Leben auf der Insel gerade auch für Touristen so reizvoll. «Natürlich arbeiten auch wir hart», sagt Patrick Burke, Inhaber des Atlantic Hotel & Ocean Restaurants, einer der besten Adressen auf der Insel, und schickt dann gleich hinterher: «Aber wir sind nicht so verbissen wie die Briten. Wir wissen eben auch die schönen Seiten des Lebens zu geniessen.»

Das mag vielleicht an der pittoresken Landschaft liegen oder an den 200 Tagen Sonnenschein im Jahr. Ganz sicher widerspiegelt es sich in der Küche. Diese ist geprägt von Jerseys Nachbarn, Grossbritannien und Frankreich. Qualitativ spielt man in der oberen Liga. Der Guide Michelin listet 23 Restaurants auf, was ganz beachtlich ist für ein Land, das über 300-mal kleiner ist als die Schweiz.

Der Hummer schmeckt sogar im Plastikgeschirr

Ganz zuoberst auf der Speisekarte stehen Fische und Meeresfrüchte. Die kann man nicht nur im Sterne-Lokal geniessen, sondern direkt am Meer, beispielsweise bei Sean Faulkner in L’Etacq. Der 64-Jährige hat dort vor einigen Jahren in einem ehemaligen Bunker der Nazis sein Fischgeschäft eröffnet und bereitet hier wöchentlich über eine Tonne Hummer, Krabben und weitere Meerestiere für den Handel zu. In den Sommermonaten bietet er von Dienstag bis Freitag über Mittag Grillgerichte an. Diese sollte man sich nicht entgehen lassen. Sein Hummer schmeckt so köstlich, da spielt es auch keine Rolle, dass er im Plastikgeschirr serviert wird.

Wem dann nach einem Verdauungsspaziergang zu Mute ist, der findet entlang der Küsten unzählige Wanderwege, für die nicht hochalpines Können nötig ist. Wer es sportlicher mag, der kann sich auf eine Velotour begeben oder sich in die Wellen werfen: Surfer kennen auf Jersey keine Winterpause. Dies scheinen in jüngster Zeit immer mehr Personen zu schätzen. Der Tourismus erlebt auf der Insel einen zweiten Frühling. 2017 stieg die Zahl der Feriengäste mit einem Plus von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr so stark an wie seit 2001 nicht mehr. Dies ist auch auf die verstärkten Marketingmassnahmen zurückzuführen.

Der Grossteil der Gäste stammt aus Grossbritannien. Doch auch bei den Schweizern wurde Jersey in den vergangenen Jahren zusehends beliebter, unter anderem wegen der ausgebauten Flugverbindungen: Täglich gibt es Linienflüge über London. Bis diesen Sommer bediente SkyWork von Bern aus diese Strecke direkt. Zudem flog Rolf Meier Reisen exklusiv jeden Samstag von Mai bis September mit einer 48-plätzigen ATR-42-500 von Blue Islands Zürich–Jersey und Jersey–Guernsey–Zürich. Durch das Grounding von SkyWork baut Rolf Meier Reisen seine Kapazitäten aus und fliegt nächstes Jahr vom 11. Mai bis 7. September jeweils am Samstag mit einer 68-plätzigen Maschine der Blues Island von Zürich nach Jersey und zurück über Guernsey.

Der Flug dauert gute zwei Stunden, und dann kann man bereits am Strand entlang schlendern. Zuvor sollte man allerdings noch einen Blick auf den Gezeitenplan werfen, sonst gerät man womöglich plötzlich unerwartet in Seenot.

Hinweis: Die Reise wurde unterstützt durch Rolf Meier Reisen, Neuhausen. Weitere Infos unter www.rolfmeierreisen.ch

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