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Reise ins Elsass: Historische Schmuckstücke, viel Natur und brutale Geschichten

Vieles, was wir im Elsass ­bewundern, stammt aus einer Zeit, in der die Region noch gar nicht französisch war.
Peter Granwehr
Die Haut Koenigsbourg im Elsass ist eine der meist besichtigten Sehenswürdigkeiten Frankreichs. Bild: Peter Granwehr

Die Haut Koenigsbourg im Elsass ist eine der meist besichtigten Sehenswürdigkeiten Frankreichs. Bild: Peter Granwehr

Der Gast aus New Orleans neben mir lässt sich geduldig die Speisekarte erklären mit den Elsässer Fleischgerichten, doch am Ende bestellt er Foie Gras: Gänseleber. Schliesslich sei er in Frankreich, erklärt mir der weit gereiste Amerikaner. Diesmal ist er gekommen, um das Dorf in den nahen Vogesen aufzusuchen, in dem sein Vater 1944 im Kampf gegen die Deutsche Wehrmacht verwundet wurde. Die Episode spiegelt die Tatsache, dass sich deutsche wie französische Besucher im Elsass ein Stück weit wie zu Hause fühlen können; sie erinnert aber auch an die Tragik, welche die Geschichte dieser Region geprägt hat. Rund 800 Jahre gehörte sie zum römisch-deutschen Reich, war Teil des deutschen Sprachraums, ehe sie unter Ludwig XIV. 1697 vollständig unter französische Herrschaft geriet. Erst mit der Französischen Revolution setzte sich die französische Kultur und Sprache durch. Doch der Krieg von 1870/71 liess das Elsass nochmals deutsch werden (bis 1918), was sich 1940 bis 1944 in besonders brutaler Form wiederholte.

Hansi legt sich mit deutscher Besatzung an

Es gab also Menschen, deren Staatsangehörigkeit viermal wechselte. Dreimal war dies bei Jean-Jacques Waltz (1873–1951) der Fall, der sich als Karikaturist und Satiriker unbeirrt gegen die deutsche Besetzung wehrte und mehrmals verurteilt wurde. 1907 legte er sich den Künstlernamen Hansi zu, unter dem er in seiner Heimatstadt Colmar in Form von diversen Ladenschildern und vor allem im Musée Hansi weiterlebt. Sehenswert – wenn auch im Schatten des benachbarten Musée Unterlinden, das von Herzog & de Meuron raffiniert durch einen zusätzlichen Flügel erweitert wurde. Weltbekannt ist es aufgrund des Isenheimer Altars des Malers Matthias Grünewald und des Bildschnitzers Niklaus von Hagenau sowie der Meisterwerke oberrheinischer Kunst von Martin Schongauer.

Das Museum liegt am Rand der gut restaurierten Altstadt, die von Riegelhäusern und Renaissancebauten dominiert wird. Ein Rundgang führt zunächst zur Maison des Têtes aus dem Jahr 1609, das durch einen zweistöckigen Erker mit Balkon auffällt und dessen Fassade mit 106 Gesichtern und Fratzen geschmückt ist. An der ehemaligen Dominikanerkirche vorbei, in der Schongauers Gemälde «Madonna im Rosenhag» ausgestellt ist, gelangt man auf die Place de la Cathédrale mit der gotischen Collégiale Saint-Martin, die vorübergehend Bistumskirche war.

Ehemalige Polizeiwache ist ein Schmuckstück

Dann passiert man die ehemalige Polizeiwache, ein Schmuckstück der oberrheinischen Renaissance-Architektur, und das berühmte Pfister Haus, um das Musée Bartholdi zu erreichen, in dem der Bildhauer Auguste Bartholdi geboren wurde, der Schöpfer der New Yorker Freiheitsstatue. Auf der anderen Seite der Grand Rue beginnt das Gerberviertel mit Riegelhäusern, von dem aus man über die Markthalle ans Ufer der Lauch und in das malerische Viertel Klein-Venedig gelangt. Dort empfiehlt sich eine Bootsfahrt, die eine neue Perspektive auf das Viertel ermöglicht.

Biowein, den die Elsässer selbst behalten

Colmar versteht sich als Hauptstadt des Elsässer Weins; sie ist mit einem kurzen Zubringer an die 170 km lange Weinstrasse angebunden, die sich den Ausläufern der Vogesen entlang schlängelt. Ein Besuch im Weinkeller von Martin Jund an der Rue de l’Ange in der Altstadt veranschaulicht diese Anbindung: 18 Hektaren zwischen Turckheim und Bennwihr umfasst der Bio-Betrieb; verkauft aber werden die 60000 Flaschen pro Jahr durchwegs in Colmar. Verlässt man die Stadt, befindet man sich inmitten von Weinbergen, die sich um die kompakten Dörfer und Städtchen ausbreiten.

Der einstige Wohlstand zeigt sich noch heute

Kaysersberg ist eines davon, 11 km von Colmar entfernt am Eingang des Tals der Weiss, welches das Elsass mit Lothringen verbindet. Dank seiner strategischen Bedeutung erlangte es früh den Status einer freien Reichsstadt und lebte lange gut vom Export seiner Weine. Der einstige Wohlstand zeigt sich noch heute an der gut erhaltenen historischen Bausubstanz. Erwähnt seien vor allem das reich verzierte, um 1600 erbaute Rathaus, die Eglise Ste-Croix aus dem 13. Jahrhundert, und die Riegelhäuser aus der Renaissance an der Place Jean Ittel. Nicht zu vergessen das Geburtshaus des «Urwalddoktors» Albert Schweitzer, dem ein Museum angegliedert ist.

In Kaysersberg wuchs Friedensnobelpreisträger Albert Schweitzer auf. (Bild: Peter Granwehr)

In Kaysersberg wuchs Friedensnobelpreisträger Albert Schweitzer auf. (Bild: Peter Granwehr)

Neben Weinbergen und Dörfern weist das Elsass eine Reihe von Burgen auf den Vogesenhöhen auf. Neben dem von den Deutschen ab 1900 wiederaufgebauten Haut-Koenigsbourg empfiehlt sich das Château du Hohlandsbourg oberhalb von Wintzenheim. Ab 1279 auf Veranlassung der Habsburger errichtet, wurde es später massiv erweitert, aber im Dreissigjährigen Krieg zerstört. In den letzten Jahren wurde es aufwendig restauriert und mit einem Museum ausgestattet. Die Aussicht von der hohen Umfassungsmauer ist aussergewöhnlich.

Reisetipps: Romantische Städtchen und viel Natur

Anreise: Nach Colmar ab Zürich via Basel per Bahn in zwei Stunden, mit dem Auto in knapp zwei Stunden. Unterkunft: Hôtel Restaurant les Alisiers in Lapoutroie (alisiers.com), Cottage 1956 in Trois Epis (cottage-1956.com). Ausstellungen: In Colmar das Musée Unterlinden (musee-unterlinden.com) und das Musée Hansi (hansi.fr). Schlossanlage und Museum Hohlandsbourg (chateau-hohlandsbourg.com).

Dieser Text entstand im Rahmen einer Pressereise, zu der Atout France eingeladen hatte.

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