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«Rechts abbiegen nach Tschou-gu-ha»

Mit dem Mietauto durch Taiwan? Das geht, selbst wenn man keine Ahnung von der Landessprache hat. Die Reise ist entspannter, als man denkt – eine Fahrt durch kolossale Natur, grosse Städte samt Boxenstopps mit Dim Sum, Hühnersuppe und Karaoke.
Dominik Buholzer
In Taiwan leiten auch Nonnen buddhistische Tempel.In Taiwan leiten auch Nonnen buddhistische Tempel.
Schmale Strassen, steile Felswände und Wasserfälle: Die Taroko-Schlucht ist 19 Kilometer lang. (Bild: Bilder: Dominik Buholzer)Schmale Strassen, steile Felswände und Wasserfälle: Die Taroko-Schlucht ist 19 Kilometer lang. (Bild: Bilder: Dominik Buholzer)
Tempel am Sun Moon Lake – der See ist Taiwans beliebtestes Ausflugsziel.Tempel am Sun Moon Lake – der See ist Taiwans beliebtestes Ausflugsziel.
Abwechslungsreiche Küstenlandschaften und Sandstrände prägen den Süden der Insel.Abwechslungsreiche Küstenlandschaften und Sandstrände prägen den Süden der Insel.
4 Bilder

«Rechts abbiegen nach Tschou-gu-ha»

Und jetzt? Wir befinden uns wenige Kilometer vor dem Ziel unserer dritten Etappe, vor Kaohsiung, der grossen ­Hafenstadt im Süden Taiwans, als selbst unser Navigationssystem auf einmal nicht mehr weiss, auf welcher Spur wir uns befinden.

Kein Wunder: Über, unter und neben uns fliesst der Verkehr – und das mehrspurig.

Nach ein paar Sekunden ist sich unser Navi wieder sicher: «In 300 Metern rechts abbiegen nach Tuschou-gu-ha», tönt es aus dem Lautsprecher. Nach was…? Was sich als Tschou-gu-ha anhört, lautet in Wirklichkeit Zugouhua. Aber auch das hilft uns nicht weiter, weil die Strassenschilder statt Buchstaben mal wieder nur asiatische Schriftzeichen aufweisen. Also bleibt uns nichts anderes übrig, als dem Navi zu vertrauen und dem blinkenden Punkt auf der Karte zu folgen. Glück gehabt: Wir erreichen unser Hotel noch vor dem Eindunklen.

Wir haben uns einiges vorgenommen. Wir wollen mit dem Mietauto in einer Woche um die ganze Insel fahren. Das ist zwar ein wenig sportlich – ein, zwei Tage mehr wären noch besser gewesen –, lässt sich aber durchaus bewerkstelligen und ist angenehmer als gedacht.

Wie Taipeh die Welt überragte

Angefangen hatte unsere Reise in Taipeh, der Hauptstadt des Landes. Korrekterweise müsste man sagen: hoch über Taipeh. Denn gleich nachdem wir gelandet waren, ging es zuerst einmal auf den «Taipei 101». Der Turm, der wie ein riesiger Bambusstab aussieht, zeugt von jener Zeit, als der Inselstaat noch die Welt überragte. Mit 508 Metern Höhe galt er einmal als das höchste Haus der Welt – und das in einem Gebiet, das ständig von Erdbeben und Wirbelstürmen bedroht ist. Eine 660 Tonnen schwere Kugel sorgt dafür, dass der «Taipei. 101» selbst heftigste Eruptionen schadlos übersteht. Die Riesenkugel befindet sich zwischen dem 87. und 92. Stockwerk und hat die Funktion eines Pendels.

Drei Jahre lang war der «Taipei 101» das Mass aller Dinge.

Heute befindet er sich auf der Liste der höchsten Häuser der Welt noch auf Platz 10, längst überholt von Gebäuden wie dem «One World Trade Center» in New York (541 Meter Höhe), dem «Shanghai Tower» in Shanghai (632 Meter) und natürlich dem «Burj Khalifa» in Dubai (828 Meter). Auch den Titel «schnellster Aufzug der Welt» ist der «Taipei 101» los. Mit 17 Metern in der Sekunden schnellt der Lift zwar extrem schnell in die Höhe, doch der Aufzug im «Shanghai Tower» stellt mit 20 Metern in der Sekunde auch dies in den Schatten. Auch wenn die Rekorde Geschichte sind, die Fahrt zur Aussichtsplattform und die Sicht, die man von dort geniesst, sind eindrücklich.

Schlangenstehen für die besten Teigtaschen

Noch viel bemerkenswerter ist jedoch, was sich am Fusse des Turms abspielt. Dort befindet sich das «Din Tai Fung». Laut den Einheimischen gibt es dort die besten «Dim Sum» von ganz Taiwan. Das Restaurant ist jeden Tag ausgebucht – selbst zu Randzeiten. Tischreservationen sind keine möglich. Wer die typischen asiatischen Teigtaschen kosten will, muss sich in die Schlange stellen. Es kann gut und gerne 50 Minuten dauern, bis man an der Reihe ist. Umso köstlicher schmecken dann die «Dim Sum». Vielleicht liegt ja gerade darin der Erfolg des «Din Tai Fung» begründet.

Auf einem Markt in der Hauptstadt Taipeh

Auf einem Markt in der Hauptstadt Taipeh

Taiwan tickt anders. Das stellte auch Felix Nägeli (31) aus dem zürcherischen Marthalen fest, als er im Mai 2016 die Schweiz hinter sich liess und sich im Norden Taiwans niederliess. Er sagt:

«Die Taiwaner sind stets höflich und hilfsbereit, aber schwer zu durchschauen.»

Und man muss hinzufügen: Sie sind auch nicht immer einfach zu verstehen. In Taipeh, der Hauptstadt, schlägt man sich als Tourist noch problemlos mit Englisch durch. Ausserhalb braucht es eine gesunde Portion Gelassenheit und Humor. Englisch löst vor allem in den ländlichen Gebieten erst einmal Gekicher aus. Meist eilt dann nach wenigen Minuten jemand zu Hilfe, der wenigsten ein paar Brocken Englisch versteht.

Dass die Sprache zum Problem werden könnte, merkten wir schon, als wir unser Mietauto in Taipeh in Empfang nahmen. Selbstverständlich verfüge der Wagen über Navi, sagte der Autohändler freudestrahlend.

Als wir uns dann erkundigten, wie man die Sprache ändert, meinte er kleinlaut: Es gebe nur eine: Japanisch.

Wir lächelten gequält und zückten unsere Smartphones. Geduld bringt Rosen und Google Maps den Reisenden an sein Ziel.

Viele Klöster heissen Fo-Guang-Shan

In der Regel ist es mit Mietautos im asiatischen Raum so eine Sache. Schlechte Strassen, unverständliche Signalisation, kriminelles Fahrverhalten der Einheimischen. Aus diesem Grund raten Reisebüros oft davon ab, ein Auto zu mieten. In Taiwan, dem 36 000 Quadratkilometer grossen Inselstaat vor der chinesischen Küste, der auf Druck von China von kaum einem anderen Land anerkannt wird, auch nicht von der Schweiz, ist all dies kein Problem. Die Strassen befinden sich in einem ausgezeichneten Zustand, der Verkehr fliesst entspannt.

Das gilt selbst für den Sun Moon Lake, Taiwans beliebtestes Ausflugsziel. Obwohl täglich Tausende Asiaten zum smaragdgrünen See pilgern, herrschen zivilisierte Verhältnisse auf und neben den Strassen. Das ist vielleicht auf die zahlreichen Tempel zurückzuführen, die diesem Ort eine spezielle Note verleihen.

Am Sun MoonLake.

Am Sun MoonLake.

Wirklich Probleme auf der Fahrt hatten wir nur, als wir auf dem Weg nach Kaohsiung das Fo-Guang-Shan-Kloster besuchen wollten. Fo-Guang-Shan heisst in Taiwan schnell einmal ein Kloster. Das stellten wir fest, als uns das Navi nicht zum grössten buddhistischen Zentrum des Landes mit seiner gigantischen Buddha-Statue auf dem grünen Hügel lotste, sondern zu einem Hinterhofkloster 200 km in entgegengesetzter Richtung.

Der stinkende Tofu

Ein besonderes Erlebnis ist in Asien stets der Besuch des lokalen Marktes. In Kaohsiung gibt es zwei: einen für Touristen und einen für die Einheimischen. Wir entschieden uns für Letzteren. Er ist ein wenig kleiner, dafür authentischer. Hier gibt es den «stinkenden Tofu», eine Spezialität. Den muss man nicht lange suchen, den riechen selbst Touristen schon von Weitem. Der «stinkende Tofu» schmeckt besser als er riecht: nämlich nach Blauschimmelkäse. Der ist nicht jedermanns Sache, doch ansonsten kann man in Taiwan bedenkenlos zubeissen. Das Land weist nach Japan den zweithöchsten Hygienestandard in Asien auf. Und Taiwaner bekochen einen gern.

Restaurant war eine Karaoke-Bar

Diese Erfahrung machten wir am vierten Tag unserer Landesrundfahrt, als wir auf dem Weg zur Taroko-Schlucht waren und unser Blutzuckerspiegel bedrohlich tief sank: Wir mussten dringend etwas essen. Den Zipfel ganz unten im Süden mit seinen bezaubernden Küstenlandschaften und den zahlreichen Strandrestaurants hatten wir längst hinter uns gelassen. Vor uns schlängelte sich die Strasse durch scheinbar endlose Wälder, als wir plötzlich auf ein Gebäude stiessen, das wie eine Raststätte aussah. Das vermeintliche Restaurant entpuppte sich als Karaoke-Bar. Der Chefin machte es aber nichts aus, etwas für uns zu kochen.

Bevor sie sich in die Küche verzog, meinte sie, wir sollten doch ein wenig singen, bis sie so weit sei.

Wir sind nicht die Sängerknaben, deshalb liessen wir es sein. Das hätten wir auch besser bei der Hühnersuppe getan. Der Bitterkohl, von dem es nicht zu wenig drin hatte, machte seinem Namen alle Ehre. Dafür schmeckte der gebratene Reis umso köstlicher.

Chinas Erbe steckt in Taipeh

Am fünften Tag ging es auf dem Weg zurück nach Taipeh zuerst wieder durch die Taroko-Schlucht. 19 Kilometer zieht sie sich in die Länge, und man wähnt sich in den Bündner Bergen. Die Strasse ist gefährlich schmal, die Felswände sind steil und immer wieder donnern Wasserfälle in die Tiefe. Die Taroko-Schlucht ist ein mythisches Naturwunder.

Leuchtturm im Süden des Landes.

Leuchtturm im Süden des Landes.

Bevor wir am letzten Tag den Flieger zurück nach Hause besteigen, statten wir noch dem Nationalen Palastmuseum ­einen Besuch ab. Dieser protzige Bau ­erinnert an das Mao-Mausoleum in ­Peking. 650 000 Objekte chinesischer Kunst schlummern hier – ein Grossteil in einem riesigen Tresor im Berginnern. «Hier steckt das chinesische Erbe», sagt unser Guide sichtlich stolz. Das sieht man in Peking weniger gern. China macht schon länger Druck auf Taiwan, die Güter zurückzugeben.

Doch daran mag man in Taiwan gar nicht denken. «Die Kunstschätze sind hier bei uns in guten Händen. Die Chinesen können sie sich gerne bei uns anschauen. Sie sind jederzeit willkommen», sagt unser ­Guide und verabschiedet sich lächelnd.

Luxuriös im «Mandarin Oriental» in Taipeh,
spektakulär an der Schlucht in Taroko Village

Anreise: Mit Cathay Pacific täglich von Zürich nach Hongkong. Ab Hongkong täglich unzählige Anschlüsse nach ­Taipeh. www.cathaypacific.com
Unterkunft: Die Hotels in Taiwan sind gut, jene in der Luxusklasse genügen höchsten Ansprüchen, zum Beispiel das «Mandarin Oriental» in Taipeh. Es überzeugt insbesondere mit seinem Service.
www.mandarinoriental.com
Das «Silks Place» in Taroko Village ist spektakulär am Rande der Schlucht ­gelegen und besticht insbesondere durch seine Architektur. https://taroko.silksplace.com/en/
Reiseveranstalter: Der Spezialist in der Schweiz für Asien ist Tourasia, www.tour­asia.ch. Mietwagenrundreise (5 Tage/­4 Nächte), inkl. Unterkünften in Mittel-/Erstklassehotels, ab 790 Franken pro ­Person im Doppelzimmer. Organisierte Rundreise (7 Tage/6 Nächte organisierte Rundreise, Privattour mit Reiseleitung mit Sprache nach Wahl; inkl. Unterkünften in Erstklassehotels) ab 2760 Franken pro Person im Doppelzimmer bei 2 Personen.
Beste Reisezeit: Von März bis Juni und Oktober/November
Die beschriebene Reise wurde unterstützt von Cathay Pacific Airways und Tourasia.

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