Rauchzeichen

Raucher Ein Drittel der Schweizerinnen und Schweizer raucht. Doch Kettenraucher ist nicht gleich Angst-Raucher, und Welten trennen die beiden vom Schnorrer. Eine kleine Typologie des Rauchens.

Katja Fischer
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Die Kettenraucherin

In den letzten zwanzig Jahren hat sie keinen Tag nicht geraucht. Selbst Spitalaufenthalte halten sie nicht vom Griff zur Kippe ab, und ist sie erkältet, raucht sie Menthol-Zigaretten. Mit ihrer Sucht sichert sie fast im Alleingang die Existenz des Quartierkiosks, und als Reaktion auf das Rauchverbot hat sie sich eine wärmere Jacke gekauft. Ob ihr Zigaretten schmecken, ist eine rhetorische Frage, die sie sich ebenso wenig stellt wie die Frage nach dem Aufhören.

Der Zweck-Raucher

Er ist ein Opportunist, denn er macht sein Rauchverhalten ausschliesslich von anderen abhängig. Stehen bei der Party die interessanteren Besucher rauchend auf dem Balkon, ist die Schachtel, die er sich vor vier Wochen gekauft hatte, ganz schnell leer. Hält die attraktivste Frau der Party aber ein Referat über die Gefahren des Rauchens, sitzt er kopfnickend daneben. Rauchen ist für ihn nur Mittel zum Zweck.

Die Spezial-Event-Raucherin

Sie raucht ja eigentlich nicht. Aber manchmal, ganz manchmal, da hat sie einfach Lust. Dann will sie etwas Wildes tun und raucht. Zusammen mit den besten Freundinnen, etwas beschwipst in den Ferien, oder auch mal alleine in der Küche, nachts. Das Nikotin steigt ihr dann jeweils gleich schnell zu Kopf, wie sich ihr schlechtes Gewissen meldet.

Der Prinzipien-Raucher

Er raucht eigentlich schon immer, und man kann sich an keinen Aufhörversuch erinnern. Denn er raucht gerne. Gern zitiert er auch bedeutenden und vor allem rauchende Künstler und Denker. Oder er verweist auf Schlüsselstellen in seinen Lieblingsfilmen, in denen die Zigarette «ein ganz wichtiges Motiv darstellt». Er raucht nicht zuletzt auch aus Rebellion «gegen eine Gesellschaft der Zwänge», obwohl er aus diesem Alter längst raus sein müsste.

Die Angst-Raucherin

Sie ist süchtig und hasst sich dafür. Bei jeder Zigarette hat sie ein schlechtes Gewissen und scheint nur darauf zu warten, dass ihr ein (Raucher-)Bein abfällt. Selbst der Rauchgeschmack ist ihr zuwider, weshalb sie überall Duftkerzen aufstellt und pro Tag zwei Dutzend Kaugummis kaut.

Der coole Raucher

Seine rauchenden Vorbilder sind alle längst tot. Trotzdem fühlt er sich bei jeder Zigarette ein bisschen wie James Dean. Gerne lässt er deshalb seine Kippe lässig im Mundwinkel hängen.

Das Problem ist nur, dass sich die Mädchen mit Rauchkringel alleine nicht mehr beeindrucken lassen.

Die notorische Aufhörerin

Sie hat schon Hunderte «letzte Zigaretten» geraucht. Macht sich im Zwei-Wochen-Takt mit ihren «echt ernst gemeinten» Aufhörversuchen lächerlich und wird immer mal wieder mit Nikotinpflastern an beiden Armen gesichtet.

Das Schlimmste aber sind ihre permanenten Ausreden, weshalb sie gerade heute rauchen darf: Stress, Wochenende, Diplomfeier, Ferien, ja sogar das schöne Wetter muss als Entschuldigung herhalten.

Der Selber-Dreher

Das Rauchen ist ihm a) zu teuer, b) zu proletenhaft und c) kifft er eigentlich lieber. Indem er seine Zigaretten selber dreht, hofft er, sich etwas aus der niveaulosen Rauchermasse abzuheben.

Gerne betont er, während er seinen bröseligen Bio-Tabak zusammenkratzt, dass er sich, dank des Selber-Drehens, dem schädigenden Einfluss der grossen und bösen Tabak-Multis verwehre.

Der Schnorrer

Der Schnorrer hat aufgehört zu rauchen, als ein Päckchen erstmals über fünf Franken kostete (etwa 1998). Er hat dann aber wieder angefangen, einfach ohne dafür zu bezahlen. Teuer kommt das nun nur noch seine Kollegen zu stehen.

Die Light- Raucherin

Sie glaubt, dem Krebs ein Schnippchen zu schlagen, in dem sie Zigaretten raucht, die nach nichts schmecken. Ihr Vorteil: Der Schnorrer fragt zuerst immer alle anderen.

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