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Ratgeber

Worauf müssen wir beim Erbvorbezug achten?

Wir wollen unsere zwei Kinder (30 und 25) schon zu Lebzeiten unterstützen: Unsere Tochter soll unsere Eigentumswohnung (Wert 800000 Franken) erhalten, unserem Sohn möchten wir 100000 Franken für einen beruflichen Neustart schenken. Wie müssen wir vorgehen, damit es im Erbfall nicht zu Problemen kommt?
MLaw Michèle Steiner-Ludin*

Wenn Sie bereits zu Lebzeiten Ihr Wohneigentum oder andere Vermögenswerte auf Ihre Nachkommen übertragen, können Sie Erbstreitigkeiten vermeiden. Ausgleichspflichtig beim späteren Erbgang sind von Gesetzes wegen sogenannte Zuwendungen mit Ausstattungscharakter, sofern der Erblasser nicht ausdrücklich das Gegenteil anordnet.

MLaw Michèle Steiner-Ludin.

MLaw Michèle Steiner-Ludin.

Ausgleichspflichtig

Ausstattungscharakter haben Zuwendungen, die der Existenzbegründung, -sicherung oder -verbesserung der Kinder dienen. Es ist zudem alles zur Ausgleichung zu bringen, was der Erblasser seinen gesetzlichen Erben in Anrechnung an ihren Erbteil zukommen lässt. Bei Erbvorbezügen durch Zuweisung von Geldbeträgen gilt das Nominalwertprinzip, das heisst, ein allfällig erwirtschafteter Ertrag zwischen dem Empfang der Geldsumme und dem Todestag des Erblassers wird nicht berücksichtigt. Ihr Sohn hätte daher gegenüber Ihrer Tochter allein die ursprüngliche Höhe der erhaltenen Geldsumme auszugleichen. Bei der Eigentumswohnung kommt es hingegen darauf an, in welcher Form Sie diese an Ihre Tochter übergeben. Ich empfehle Ihnen in jedem Fall, zuerst den Wert der Liegenschaft durch einen unabhängigen Schätzer bestimmen zu lassen. Erbringt Ihre Tochter keine Gegenleistung, so muss sie den Liegenschaftswert, der per Todestag des Erblassers gilt, gegenüber Ihrem Sohn zur Ausgleichung bringen.

Der Wert der Liegenschaft zum Übertragungszeitpunkt spielt keine Rolle. Übernimmt Ihre Tochter eine bestehende Hypothek, spricht man von einer sogenannten gemischten Schenkung. Dies gilt auch dann, wenn sie die Liegenschaft unter dem Verkehrswert übernimmt. Bei einer späteren Erbteilung muss sich Ihre Tochter in diesem Fall nur den unentgeltlichen Teil anrechnen lassen. Dabei spielt die Wertentwicklung einer Liegenschaft zwischen dem Zeitpunkt der Übergabe und dem Todeszeitpunkt des Erblassers eine Rolle. Nicht selten ist unter den Erben strittig, was später einmal zur Ausgleichung kommen soll.

Aus diesem Grund empfehle ich Ihnen, unter Einbezug aller Familienmitglieder einen Erbvertrag abzuschliessen. Darin können Sie alle erbrechtlichen Ausgleichungsansprüche regeln und sicherstellen, dass Ihre Nachkommen Ihren Nachlass dereinst einvernehmlich abwickeln können.

Steuerliche Aspekte

Bei solchen Übertragungen müssen Sie immer im Auge behalten, ob Ihr Wohnkanton eine Schenkungssteuer vorsieht. Die meisten Kantone erheben zwar eine solche Steuer, nehmen jedoch Nachkommen in der Regel wiederum von dieser Steuer aus. Ihre Nachkommen versteuern künftig die erhaltene Schenkung. Bei einer Grundstücksübertragung sind immer auch die Grundstückgewinnsteuerfolgen und allfällige weitere Steuern sorgfältig abzuklären.

* MLaw Michèle Steiner-Ludin ist Rechtsanwältin und Expertin für Erbrecht.

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