Ratgeber

Wir geben uns keine Mühe mehr, einander zu gefallen

Mein Mann und ich (45 und 42) haben ein gutes Verhältnis. Jedoch lassen wir uns beide immer mehr gehen, wenn wir zu zweit sind. Sobald wir zu Hause sind, scheint es keine Rolle mehr zu spielen, was wir anhaben und wie wir aussehen. Im Umgang miteinander ist es auch so: Wir sind weniger aufmerksam als anderen gegenüber.

Birgit Kollmeyer*
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Das kennen viele Paare in einer längeren Partnerschaft: Zu Hause hat man oft die schlabbrigste Jogginghose an, weil sie so bequem ist – und das auch im übertragenen Sinne: Wir möchten daheim Zwänge ablegen, denen wir sonst unterworfen sind, möchten uns frei fühlen, uns gehenlassen und es sorgenfrei haben. Das ist ja auch gut so. Daheim will und soll man sich entspannen.

Birgit Kollmeyer.

Birgit Kollmeyer.

Wenn wir uns aber von unserem Partner oder unserer Partnerin wünschen, dass er oder sie uns auch nach Jahren noch attraktiv findet, wenn wir spüren wollen, dass wir noch anziehend sind, sollten wir vielleicht nicht immer in der geliebten Schlabberhose rumlaufen. Es sei denn, das Gegenüber steht zufällig gerade auf diesen Look.

Besser wäre wohl, sich nicht nur für draussen schön zu machen, sondern auch immer wieder mal füreinander ein schönes Kleid, eine gutsitzende Hose oder richtig schöne Nachtwäsche anzuziehen.

Wir werden alle durch visuelle Reize beeinflusst. Und es ist vielleicht ein bisschen viel verlangt, dass der Mensch, dem gegenüber man sich am nachlässigsten zeigt, einen idealerweise das ganze Leben lang attraktiv finden und möglichst auch begehren soll.

Umgang noch wichtiger

Der andere Bereich, wo Sie sich gehenlassen, ist natürlich noch wichtiger: der Umgang miteinander. Auch hier gibt es bei fast allen Paaren mit der Zeit Abnützungserscheinungen. Ist man frisch zusammen, ist man aufmerksam, interessiert, lächelt den anderen viel an, spricht mit warmer Stimme, lobt und macht Komplimente. Wenn einen etwas stört, ist man vorsichtig bei der Rückmeldung, um den anderen nicht zu kränken. Und so verhalten wir uns meistens auch mit guten Freunden.

Dem Partner oder der Partnerin gegenüber werden wir mit der Zeit allerdings nachlässig: Wir hören nicht immer gut zu, sind mit uns beschäftigt oder in Gedanken noch bei der Arbeit, kritisieren mehr als dass wir loben, und Komplimente oder kleine Geschenke werden zur seltenen Ausnahme. Respektlosigkeit in Form von Sticheleien oder einem kritischen oder gar zynischen Unterton kann sich einschleichen und zur schlechten Gewohnheit werden.

Geliebte bleiben

Wenn wir wollen, dass unser Partner oder unsere Partnerin uns weiterhin schätzt und liebt, sollten wir uns immer wieder klarmachen, dass wir ihn oder sie mindestens genauso respektvoll und achtsam behandeln sollten wie einen sehr guten Freund: Hin und wieder ein paar Blumen oder einen guten Wein mitbringen, aufmerksam zuhören, interessiert nachfragen und darauf eingehen. Dies sind wichtige Voraussetzungen dafür, dass man auch gute Freunde und Geliebte bleiben kann und sich auch nach vielen Jahren noch gegenseitig anziehend findet. Es wäre schade, wenn man sich irgendwann fragen muss: «Was ist nur aus uns geworden?»

* Birgit Kollmeyer ist dipl. Psychologin, Paar- und Sexualtherapie.

Ratgeber

Mein Freund hat mich geschlagen: Soll ich mit ihm Schluss machen?

Kürzlich hat mich mein Freund geschlagen. Es war das erste Mal, und er hat mich sofort um Verzeihung gebeten. Ist der Vorfall zwingend ein Grund, Schluss zu machen? Wie könnte ich die Beziehung trotzdem aufrechterhalten? Ich mag ihn sehr, möchte aber nicht in die Spirale von Gewalt und Entschuldigen/Verzeihen geraten.
Andrea Munz*