Ratgeber

Wie schaffe ich eine Trennung, ohne meine Partnerin allzu sehr zu verletzen?

Nach 28 Ehejahren möchte ich mich von meiner Frau trennen. Ich bedauere dies, da ich sie immer noch gut mag. Aber seit einigen Jahren leben wir wie Bruder und Schwester miteinander. Hätten wir das vermeiden können? Und: Wie kann eine Trennung «gut» verlaufen, wie können wir vielleicht sogar befreundet bleiben?

Birgit Kollmeyer*
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Birgit Kollmeyer.

Birgit Kollmeyer.

Um sich friedlich zu trennen, ist es zentral, dass keine Seite einen Schuldigen für das Auseinandergehen sucht. Sie können am ehesten dann Freunde bleiben, wenn Sie wertschätzen, was Sie vom anderen erhalten haben. Wenn Sie Ihrer Frau die Trennungsabsicht mitteilen, sagen Sie Ihr auch, wofür Sie ihr dankbar sind. Räumen Sie auch ein, was Sie ihr nicht geben können.

Den eigenen Anteil an einem Auseinandergehen zu akzeptieren, fällt vielen schwer. Dabei wäre genau dies auch in Hinblick auf eine nächste Beziehung hilfreich, um nicht wieder in ähnliche Beziehungsfallen zu tappen. Hat man der Partnerschaft einen wichtigen Stellenwert gegeben und sich genügend dafür engagiert? Wie war die eigene Unterstützung des anderen bei dessen Weiterentwicklung oder bei Belastungen? Wie waren der Umgang mit dem anderen und das eigene Gesprächsverhalten, etwa bei Meinungsverschiedenheiten und Konflikten?

Zeitinseln gegen den Alltag

Eine unterschiedliche Entwicklung ist ein möglicher Grund dafür, dass Sie sich auseinandergelebt haben. Vermutlich ist es nicht gelungen, sich auszutauschen, um die Veränderungen des anderen mitverfolgen und diese miteinander gestalten zu können. Es geht den meisten Paaren so, dass im Alltagsgeschehen tiefere Gespräche zu kurz kommen. Wir arbeiten, funktionieren, sind in unserer Freizeit auch ständig beschäftigt und kommen wenig zur Ruhe.

Abhilfe können Zeitinseln sein, die man sich freihält. Das kann ein gemeinsamer Abend pro Woche sein, an dem man bewusst Ablenkungen aussen vor lässt, sich einen schönen Rahmen schafft und redet: Was beschäftigt beide Partner gerade, was macht Freude und was macht Sorge? Dabei nicht auf der Sachebene zu bleiben, sondern zum Persönlichen zu kommen, ist das Verbindende: Wie fühlt man sich, welche Bedürfnisse hat man?

Offenbar hat Ihnen zunehmend auch die Sexualität gefehlt. Bei vielen Paaren wird es im Laufe der Jahre ruhig, und nicht wenigen geht die Sexualität verloren. Für manche ist das okay, andere vermissen sie. Gegensteuern kann man etwa, indem man bestimmte Momente für körperliche Begegnungen einplant. Was sich daraus ergibt, bleibt offen. Dabei entwickelt sich oft Begehren, was in einer längeren Beziehung meistens allein durch Warten auf Spontaneität nicht aufkommt. Sexualität braucht – wie anderen Bereiche der Partnerschaft auch – Pflege, Raum und Zeit.

Ob Sie solche Gedanken nun mit ihrer Frau teilen sollen, ist jedoch fraglich, falls Ihr Entschluss bereits feststeht. Sie wird wohl verletzt und dadurch sehr empfindlich sein. Und könnte leicht Kritik aus Ihren Reflexionen heraushören. In diesem Fall ist es besser, es bei dem Danken für das Erhaltene und dem Bedauern der eigenen Fehler zu belassen.

* Birgit Kollmeyer ist dipl.-Psychologin; Paar- und Sexualtherapie.