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Wie kann ich beim Autofahren meinen Ärger zügeln?

Im Auto reagiere ich (w, 41) manchmal sehr emotional, ärgere mich, schimpfe, hupe. Ich erkenne mich selber nicht wieder, sonst bin ich eigentlich doch ein recht verträglicher Mensch. Warum ist man im Auto oft so viel aggressiver als in anderen Situationen? Wie kann ich lernen, mich zu beherrschen?

Birgit Kollmeyer*
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Es ist eine interessante Frage, was an der Autofahrsituation so besonders ist, dass Sie sich hier eher gehenlassen als sonst. Denn das von Ihnen beschriebene Verhalten kennen viele Menschen – von sich selber oder anderen.

Das Spezielle der Situation besteht wohl darin, dass man hier von den anderen Fahrern nicht gehört wird. Und man so seinen Emotionen – ohne die Konsequenz, von den anderen negativ bewertet zu werden – freien Lauf lassen kann.

Ventil für angestauten Ärger

Für viele stellt diese scheinbar unbeobachtete Situation ein Ventil dar für kleine Genervtheiten, die sich im Alltag ansammeln, Stress auslösen und abgebaut werden wollen. Wenn man sich überlegt, wie unterschiedlich Menschen sind und auf wie viele Arten man die alltäglichen Dinge tun kann, ist es natürlich, dass Spannungen entstehen. Diese anzusprechen, ist bei uns eher nicht üblich: Wir sind zu Höflichkeit und Diskretion erzogen. Das bedeutet nicht, dass die Spannungen uns emotional nichts ausmachen.

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Allfällige Beifahrer, vor allem der Partner oder die Partnerin, haben oft Mühe mit den aggressiven Reaktionen des Fahrers, finden sie überzogen und ärgern sich über ihn. Bei vielen Paaren ergeben sich daraus Konflikte, etwa wenn der Beifahrende die aggressiven Äusserungen kritisiert. Bemerkungen wie «Reiss dich doch mal zusammen!» oder «Nie kannst du dich beherrschen!» drücken eher das eigene Genervtsein aus, als dass sie hilfreich wären. Besser als ein Appell oder ein Vorwurf wäre es hier, von sich selber zu sprechen: «Wenn du so losschimpfst, stresst mich das.»

Trügerische Anonymität

Sie fragen, wie Sie lernen, sich zu beherrschen. Natürlich könnten Sie versuchen, sich zusammenzunehmen. Und manchmal wird das auch funktionieren. Vielleicht hilft Ihnen dabei, sich klarzumachen, dass die Anonymität und der vermeintliche Schutz vor der Öffentlichkeit im Auto etwas trügerisch sind. Es wäre Ihnen vermutlich sehr unangenehm, festzustellen, dass Sie sich jemandem gegenüber ausfällig gebärdet haben, der sich plötzlich als Freund, Bekannter, Arbeitskollegin oder gar Vorgesetzter entpuppt.

Kann es sein, dass Sie generell zu angespannt sind? Hat die Beschreibung der Ventilfunktion für Sie gepasst? Dann wäre es sinnvoll, das Spannungsniveau zu senken, um aus dem unerwünschten Verhaltensmuster ausbrechen zu können. Sie können etwa für mehr Entspannung und Ausgleich sorgen: durch regelmässige sportliche Aktivitäten, Mussestunden, Tätigkeiten, die Ihnen Freude machen. Schaffen Sie sich so viele Genuss- und Glücksmomente wie möglich.

Auch durch Achtsamkeitstraining oder Entspannungsübungen können Sie mehr Souveränität entwickeln für Momente, in denen andere Menschen anstrengend oder nervenaufreibend sind. Dann werden Sie auch das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer gelassen konstatieren, statt ausgiebig zu schimpfen und zu hupen.

* Birgit Kollmeyer Dipl. Psychologin, Paar- und Sexualtherapie, Bern

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