Ratgeber

Wie hartnäckig darf ich sein, ohne sie zu belästigen?

Ich (m, 29) habe eine Arbeitskollegin, die mir sehr gefällt. Ich habe sie ins Kino eingeladen, das hat sie abgelehnt. Aber man soll ja nicht gleich aufgeben, und Hartnäckigkeit kann sich auszahlen. Ich habe ihr eine SMS geschrieben, die sie aber nicht beantwortet hat. Wie weit darf ich gehen? Ich möchte sie nicht belästigen oder stalken.

Josef Jung*
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Da es sich um eine Arbeitskollegin handelt, gehe ich davon aus, dass es mit der Zusammenarbeit ganz gut klappt und dort keine Konflikte bestehen. Wäre dem nicht so, müssten Sie die Situation am Arbeitsplatz zuerst klären. Wer würde sich schon gerne mit jemandem in der Freizeit treffen, der schon bei der Arbeit nervt?

Josef Jung.

Josef Jung.

Auch vermute ich, dass Sie am Arbeitsplatz bereits herausgefunden haben, ob die Frau Single oder noch in einer Beziehung, vielleicht frisch getrennt, gar nicht an Männern interessiert etc. ist.

Sie haben zwei Kontaktversuche unternommen, die abgelehnt oder nicht beantwortet worden sind. Dass Sie nicht aufgeben und an sich zweifeln, spricht für Ihr Selbstbewusstsein. Sie befinden sich aber in einer Zwickmühle: Sie möchten zwar näher mit ihr in Kontakt kommen, aber nicht Grenzen überschreiten.

Nicht persönlich nehmen

Wissen Sie denn, weshalb sie den Kinobesuch abgelehnt hat? Vielleicht war die Einladung zu offensiv, vielleicht mag sie Kino nicht, vielleicht ist sie in der Freizeit anderweitig gebunden, vielleicht, vielleicht ...

Da das bisschen Verliebtheit bei Ihnen stattfindet, besteht die Gefahr, dass Sie Ihre Wahrnehmung einengen. Viele warten in solchen Situationen nicht nur sehnsüchtig darauf, dass die andere Person zurückschreibt. Sie werden ungeduldig, vielleicht fast panisch. Dabei hat die Absage womöglich nichts mit Ihnen zu tun. Es kann Dutzende von Gründen geben, weshalb es damals nicht gepasst hat und warum die SMS unbeantwortet blieb.

Zweiter Versuch ist erlaubt

Viele Männer getrauen sich nicht, der Frau eine zweite Nachricht zu schreiben. Man will nicht den Eindruck erwecken, ihr hinterherzulaufen oder bedürftig zu sein. Eine zweite Nachricht zu schreiben, ist aber noch kein Zeichen von Bedürftigkeit, sondern signalisiert nochmals Ihr ehrliches Interesse. So rufen Sie sich wieder in Erinnerung. Sollten Sie nach Tagen erneut keine Antwort erhalten, so ist wohl das Interesse nach Kontakt über die Arbeit hinaus einseitig. Dies gilt es zu akzeptieren.

Dieses Vorgehen könnte sinnvoll sein, wenn sie sich nur selten begegnen. Nun handelt es sich bei ihr um eine Arbeitskollegin. Sie haben somit die tägliche Möglichkeit auf einen direkten Kontakt. Wenn ich mich betreffend Ihrem Selbstbewusstsein nicht täusche, sollten Sie mutig sein, sich zwar darauf einstellen, vielleicht einen Korb zu erhalten, und die Frau aber bei passender Gelegenheit ansprechen.

Teilen Sie ihr nochmals Ihr Interesse mit, sie auch in der Freizeit einmal zu treffen. Sollte sie ablehnen, wissen Sie, woran Sie sind. Das mag enttäuschend und schmerzhaft sein. Sie müssen dann Ihre Sehnsucht wieder von ihr lösen und sich zurücknehmen, was vielleicht schwerfällt. Bleiben Sie auf jeden Fall ein guter Arbeitskollege, das verlangen Anstand und Fairness.

* Dr. phil. Josef Jung ist eidg. anerkannter Psychotherapeut; www.psychotherapie-jung.ch