Wie entschädige ich meine Mitfahrgelegenheit?

Ich besuche einen Kurs, der mit dem öffentlichen Verkehr schwer erreichbar ist. Die Zugfahrt zum Veranstaltungsort würde mich anderthalb Stunden kosten, mit dem Auto dauert die Fahrt nur 45 Minuten. Nun fahre ich bei einem Kollegen mit, der mich unterwegs abholt. Was wäre eine angemessene Entschädigung für ihn?

Doris Pfyl*
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Prima, dass Sie eine praktische und unkomplizierte Mitfahrgelegenheit gefunden haben. Von solchen Situation profitieren alle Beteiligten. Ihr Kollege hat Gesellschaft während des Fahrens und wird auch noch bezahlt. Sie sparen Zeit und sind flexibler. Ausserdem wirkt sich das gemeinsame Fahren positiv auf Ihren ökologischen Fussabdruck und auf den Ihres Kollegen aus. In Zeiten von Stau, Parkplatznot und Dichtestress sollte es viel mehr Fahrgemeinschaften geben.

Doris Pfyl

Doris Pfyl

Damit es zu keinen Missverständnissen kommt, sollten Sie mit Ihrem Kollegen klären, in welcher Form er entschädigen werden möchte. Fragen Sie nach, ob er mit einem Kilometergeld einverstanden ist. Dieses kann unterschiedlich hoch sein. Mehrheitlich liegen die Entschädigungen in der Schweiz pro Kilometer bei 60 bis 80 Rappen. Der TCS empfahl in den letzten zwei Jahren ein Kilometergeld von 70 Rappen für privat ausgeführte Fahrten. Im 2019 ist es auf 71 Rappen gestiegen. Diese Zahl wurde anhand eines durchschnittlichen Fahrzeugpreises von 35000 CHF und einer Jahresleistung von 15000 Kilometern errechnet.

Der Fahrzeugtyp, mit dem Ihr Kollege fährt, ist also nicht ganz unwichtig, um das genaue Kilometergeld zu eruieren. Bei einem sehr teuren Fahrzeug sind die Betriebskosten höher und entsprechend steigt die Kilometerentschädigung bis zu einem Franken oder darüber.

Ein Geschenk für die Hilfe

Ob Kleinwagen oder Limousine: Vermutlich gehört Ihr Kollege zu den unkomplizierten und grossherzigen Mitmenschen. Ansonsten hätte er vermutlich nicht die Gelegenheit zur Mitfahrt angeboten. Unterbreiten Sie ihm einen für Sie passenden Vorschlag betreffend Kilometergeld. Sie werden bestimmt merken, ob dieser in seinem Sinn ist.

Eventuell lehnt er aber eine Bezahlung ab. Da für ihn keine zusätzlichen finanziellen und zeitlichen Aufwände entstehen, könnte ihm die Entschädigung sogar peinlich sein. Erklären Sie ihm in diesem Fall, wie wichtig es Ihnen ist, ihn adäquat für seine Dienstleistung zu entlohnen. Sollte er dann immer noch kein Geld annehmen wollen, gibt es ja andere Möglichkeiten, ihm Ihre Dankbarkeit zu zeigen.

Während des Mitfahrens erfahren Sie bestimmt einiges über seine Vorlieben. Vielleicht gehört er zu den Gourmets und würde sich über einen Gutschein von einem tollen Lokal freuen. Oder er fährt gerne Ski. Da würde sich eine Tageskarte anbieten. Eventuell liest er gerne und Sie schenken ihm einen spannenden Krimi.

Vielleicht braucht ja das Fahrzeug Ihres Kollegen einmal während Ihrer gemeinsamen Fahrt Benzin. Dann könnten Sie die Tankfüllung übernehmen. Natürlich ist das kein sehr emotionales Geschenk, aber doch ein sehr praktisches. Schlussendlich soll Ihr Präsent Anerkennung für die erbrachte Dienstleistung sein.

* Doris Pfyl ist Knigge-Trainerin, Farb- und Modestilberaterin sowie Ausbildnerin des Schweizer Fachverbands FSFM. www.imagemodestil.ch

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