Ratgeber

Wer zahlt, wenn mich ein Pistenrowdy umfährt?

Ich freue mich an sich auf die kommenden Skiferien. Getrübt wird die Freude allerdings durch die Angst vor Pistenrowdys. Wer zahlt, wenn mich einer umfährt und anschliessend flüchtet? Wie verhält es sich, wenn ich im Bergrestaurant auf dem glitschigen Boden ausrutsche und verunfalle?

Ralph Echensperger*
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Wird ein Wintersportler auf der Piste von einem anderen Skifahrer oder Snowboarder angefahren und dabei verletzt, springt zuerst Ihre obligatorische Unfallversicherung ein. Sie kommt für die Heilungskosten auf.

Ralph Echensperger.

Ralph Echensperger.

Die Heilungskosten sind entweder über die Unfallversicherung des Arbeitgebers des Verunfallten oder über die obligatorische Krankenversicherung gedeckt. Erstere zahlt, wenn der Verunfallte mehr als acht Stunden pro Woche für einen Arbeitgeber in der Schweiz arbeitet. Zweitere übernimmt die Kosten derjenigen Personen, die weniger als acht Stunden pro Woche für die gleiche Firma tätig oder gar nicht erwerbstätig sind.

Handelt es sich beim Unfallverursacher um einen Pistenrowdy, der die Regeln auf der Piste schwerwiegend missachtet hat, verfügt Ihre Unfallversicherung über die Möglichkeit, Rückgriff auf diesen zu nehmen und die Heilungskosten vom Unfall­verursacher zurückzufordern.

Das Gleiche kann theoretisch auch dem Besitzer des Bergrestaurants blühen, bei dem Sie zu Mittag essen wollten und sich verletzten, weil Sie mit Ihren Skischuhen auf dem nassen Boden ausrutschen. Für die Heilungskosten kommt Ihre Unfallversicherung auf. Ob den Restaurantbetreiber eine Schuld trifft und er für die Kosten aufkommen muss, wird die Versicherung abklären.

Vorsicht abseits der Piste

Vorsicht ist nicht nur auf der Piste und im Restaurant geboten, sondern vor allem auch, wenn man die gesicherte Piste verlässt. Wenn sich ein Wintersportler – ob Skifahrer oder Snowboarder – zu viel zumutet und ausserhalb der Piste verunfallt, kann es allerdings für den Verunfallten teuer werden.

Stellt sich nämlich heraus, dass die betreffende Person auch noch die üblichen Regeln und Vorsichtsgebote in schwerwiegender Weise missachtet hat, dann muss der Verunfallte damit rechnen, selber auch in die Tasche greifen zu müssen. Denn die Unfallversicherung hat das Recht, dem Verunfallten die Leistungen zu kürzen, sprich nur einen Teil der Kosten zu übernehmen, oder in gravierenden Fällen diese gar komplett zu verweigern.

Nicht ohne Helm

Anlass zu Diskussionen gibt immer wieder der Helm: mit oder ohne auf die Piste? Das ist nicht nur eine Stilfrage. Mit einem Helm ist man besser geschützt als ohne. Aber wenn Sie ohne Helm auf der Piste verunfallen, müssen Sie nicht mit Leistungskürzungen rechnen. Der Grund: In der Schweiz besteht beim Skifahren keine Helmpflicht. Leistungskürzungen kann eine Versicherung nur ins Auge fassen, wenn der Skifahrer ein zu grosses Wagnis eingegangen ist. Trotzdem sollte man sich nicht ohne Helm auf die Skis wagen.

Nicht ganz so eindeutig ist die Sachlage, wenn ein Wintersportler alkoholisiert auf der Piste verunfallt. Ist der Skifahrer unter Alkoholeinfluss zu schnell oder rücksichtslos gefahren, kann die Unfallversicherung die Leistungen bei einem Sturz kürzen bzw. vom alkoholisierten Unfallverur­sacher zurückfordern.

* Ralph Echensperger ist Leiter Schaden bei der Zürich-Versicherung;  www.zurich.ch