Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Ratgeber

Was tun, wenn unsere Kinder immer wieder streiten?

Unsere Tochter (9) und unser Sohn (7) haben immer wieder mal heftigen Streit, und manchmal geht es auch recht handfest zur Sache. Inwieweit sollen wir das tolerieren, weil es zu kindlichen Erfahrungen dazugehört? Wann und wie sollen wir trotzdem einschreiten?
Dr. phil. Josef Jung*

Die meisten Eltern beklagen das «ewige» Gezänk und Gestreite zwischen den Kindern. Trotzdem ist Geschwisterstreit normal, ja sogar notwendig. Die Familie ist der erste Ort, wo die Kinder lernen, mit anderen Menschen umzugehen. Streiten hat viele Funktionen, die es auszuprobieren und zu verbessern gilt: Die eigenen Bedürfnisse durchsetzen und sich abgrenzen, aber auch die Wünsche anderer respektieren, mit Niederlagen klarkommen und Kompromisse schliessen. Die Kinder können lernen, wie man nach Streit sich entschuldigt und miteinander versöhnt. Alles Dinge, die für das Leben «draussen» nützlich sind.

Dr. phil. Josef Jung.

Dr. phil. Josef Jung.

Fast alles eignet sich dazu, einen Streit zu beginnen, auch Kleinigkeiten. Dahinter kann der Wunsch nach Abgrenzung stehen. Da heute viele Kinder nur noch eine Schwester oder einen Bruder haben, konzentriert sich die Streitlust auf einen einzigen «Gegner». Regelmässiger Streit unter Geschwistern bedeutet nicht, dass die Kinder sich nicht mögen – im Gegenteil: Viele Geschwister verbünden sich sofort wieder, wenn sich Dritte einmischen, etwa Eltern.

Aus Geschwistern können Rivalen werden, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlen, eine starke Konkurrenzsituation besteht oder sie häufig überfordert werden, etwa durch Ver­gleiche mit dem «besseren» Geschwister. Nicht umsonst sagte Schopenhauer: Der Vergleich ist die Wurzel allen Übels.

Bei Gewalt einschreiten

Bei Ihrem Zwiespalt zwischen Einschreiten oder Ignorieren würde ich auf die Eskalationsstufe achten: Normales Geplänkel können Sie getrost ignorieren. Wenn die Situation sich verschärft, können Sie ein «Verhandlungsmandat» anbieten. Dabei könnten Sie herausfinden, welche Bedürfnisse hinter dem Streit stehen und wie diese berücksichtigt werden könnten. Wird der Streit hitzig und gefährlich, teilen Sie deutlich mit, was Sie sehen und hören, was Sie wollen und was nicht.

Artet der Streit in Gewalt aus oder besteht Verletzungs­gefahr, müssen Sie eingreifen.

Trennen Sie die Streithähne für eine bestimmte Zeit. Versuchen Sie nicht an die Vernunft zu appellieren, und halten Sie keine Vorträge. Die Streithähne hören in diesem Moment Ihre Worte sowieso nicht, da sie emotional im Kampfmodus sind und beim Denken auf Durchzug schalten.

Versuchen Sie nicht, den «Schiedsrichter» zu spielen, selbst wenn Sie darum gebeten werden. Die Zerstrittenen suchen verzweifelt einen Koalitionspartner, den sie von ihrer «Wahrheit» überzeugen können. Entscheiden Sie, wer sich für eine Weile wo aufhält: Nach genug Zeit der Abkühlung ist Denken eher wieder möglich. Dann kann man die Situation besprechen, falls dies überhaupt noch gewünscht wird. Und die Sache zwischen den Geschwistern nicht längst vergessen ist.

Ab und zu ist es hilfreich, über die eigene Streitkultur nachzudenken. Welche Streitabläufe beobachten die Kinder bei Ihnen als Eltern? Was lernen sie daraus? Wie war das mit dem Streiten in Ihrer Herkunftsfamilie? Was hat Ihnen damals geholfen und was nicht?

* Dr. phil. Josef Jung, ist Fachpsychologe für Psychotherapie FSP, www.psychotherapie-jung.ch.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.