VERMÖGENSNACHFOLGE: Testament oder doch ein Erbvertrag?

Ein eigenhändiges Testament ist einfach und kann jederzeit angepasst werden. Für individuelle Lösungen empfiehlt es sich aber, einen anderen Weg zu beschreiten.

René Weibel
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Was den Nachkommen überlassen werden soll, muss klar geregelt sein – auch rechtlich. (Bild: Getty)

Was den Nachkommen überlassen werden soll, muss klar geregelt sein – auch rechtlich. (Bild: Getty)

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Vermögensnachfolge muss gut geregelt sein. 
  • Ein Testament ist zwar einfach und kostengünstig, die Möglichkeiten sind aber beschränkt.
  • Mit einem Ehe- und Erbvertrag ist das Einsetzen von Alleinerben möglich.  

Die Vermögensnachfolge muss gut geregelt sein.

Ein Testament ist zwar einfach und kostengünstig, die Möglichkeiten sind aber beschränkt.

Mit einem Ehe- und Erbvertrag ist das Einsetzen von Alleinerben möglich.

Niemand denkt gerne an sein Lebens­ende. So werden die Regelungen zur Vermögensnachfolge und zum Tode gerne auf die lange Bank geschoben. Man sollte sich aber die Zeit zur Regelung dieser wichtigen Angelegenheit nehmen, dann aber entspannt und sorgenfrei das Leben geniessen.

Das konkrete Vorgehen ist von der persönlichen Lebenssituation sowie der Komplexität der Einkommens- und Vermögenssituation abhängig. Das eigenhändige Testament ist einfach und kann jederzeit geändert werden. Man muss sich jedoch zwingend an die gesetzlichen Vorgaben halten.

Der Ehe- und Erbvertrag ist eine ­Alternative zum eigenhändigen Testament. Damit sind individuelle und vom geltenden Ehegüter- und Erbrecht abweichende Regelungen möglich.

Nicht alles ist Erbschaft

Ehe- und Güterrecht kommt vor dem Erb­recht. Um das Erbe zu bestimmen, braucht es als ersten Schritt meistens eine güterrechtliche Auseinandersetzung. Dabei unterscheidet man zwischen Eigengut und Errungenschaft. Ganz vereinfacht dargestellt, gehören das in eine Ehe eingebrachte Vermögen sowie erhaltene Erbschaften zum jeweiligen Eigengut der Ehepartner. Was die beiden während der Ehe erwirtschaftet haben, entspricht der Errungenschaft. Bevor das Erbe bestimmt werden kann, wird die Errungenschaft je hälftig den beiden Ehepartnern zugesprochen. Eigengut und der Errungenschaftsanteil bilden die Erbmasse. So steht zwischen Vermögen und Erbschaft einer Person die Aufteilung der Errungenschaft. Bei Ehepaaren ohne Eigengut entspricht das Erbe nicht dem Gesamtvermögen, sondern lediglich der Hälfte der Errungenschaft.

Testament kann man jederzeit aufheben

Ein Testament ist einseitig, es wird von einer Person allein erstellt. Möchte man nur für sich allein verfügen und andere Personen als Erben einsetzen, die innerhalb der Familie erbberechtigt sind, so ist das Testament eine gute und einfache Lösung. Ein Testament kann man notariell beurkunden lassen, aber auch vollständig handschriftlich selbst verfassen. Das Testament kann man jederzeit ohne Mitwirkung von anderen aufheben. Dazu reicht es, das Testament zu vernichten, oder ein neues zu erstellen, in dem das alte Bestehende aufgehoben wird.

Anders sieht die Situation beim Ehe- und Erbvertrag aus. Der Ehepartner erbt zweimal. Zuerst erhält er seinen Anteil an der Errungenschaft, und gleichzeitig ist er gesetzlicher Erbe. In einem Ehevertrag können sich die Ehegatten über die Meistbegünstigung gegenseitig die gesamte Errungenschaft zuweisen.

Zusätzlich können die Ehegatten zusammen mit den gesetzlichen Erben ­einen notariell beurkundeten Erbvertrag abschliessen und sich gegenseitig als ­Alleinerben einsetzen. Die übrigen Erben müssen dabei allerdings auf ihren Pflichtteil verzichten.

Die optimale Lösung

So unterschiedlich die Familienverhältnisse sind, so unterschiedlich sieht die optimale Vermögensnachfolge aus. Man sollte sich auf jeden Fall konkrete Gedanken machen, wie der Nachlass in groben Zügen geregelt werden soll, und sich dann fachkundig beraten lassen. Der ideale Berater ist eine Person Ihres Vertrauens, die die Familien- und Ver­mö­gensverhältnisse kennt. Man denkt da zuerst an einen Notar, die Vertrauensperson kann aber auch ein ausgewie­sener Finanzplaner, Treuhänder oder Steuer­berater sein.

René Weibel

Lesen Sie mehr zum Thema im «Vorsorgekompass», der Beilage der «Zentralschweiz am Sonntag» vom 1. April 2018.