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Ratgeber

Unsere Enkelkinder leiden unter den Eltern: Was tun?

Manchmal hüten wir unsere Enkel. Mein Sohn, mit dem ich seit seiner Pubertät Spannungen habe, ist sehr streng zu ihnen und demütigt sie ab und zu. Beide Eltern sind beruflich und in der Beziehung unter Druck. Kürzlich sagte eine Enkelin, dass Mami und Papi immer böse seien und sie uns viel lieber hätten. Was zu Streit führte.
Josef Jung*

Ich sehe in Ihrer Frage verschiedene Ebenen, die konfliktbeladen sind. Da ist einmal das gespannte Verhältnis zu Ihrem Sohn. Dann gibt es Spannungen in der Generationslinie über die Erziehungsmethoden. Und ferner zeigen sich Überlastungen in den Arbeitssituationen Ihres Sohnes und Ihrer Schwiegertochter, wo es offenbar auch noch Partnerschaftsprobleme gibt.

Und alles scheint miteinander verwoben zu sein. Kurz gesagt: Sie erleben zwischenmenschlichen Alltag, den man sich natürlich nicht so wünscht. Wunsch und Wirklichkeit liegen auf den verschiedenen Ebenen erkennbar weit auseinander.

Akzeptieren, wie es ist

Zuerst zu Ihrem Verhältnis mit Ihrem Sohn: Menschen verändern sich in der Pubertät manchmal nachhaltig in eine für andere befremdliche Richtung. Die späteren Lebenseinflüsse (Berufsbildung, Arbeit, Partnerschaften) wirken ebenfalls persönlichkeitsbildend. Offenbar hat dies zu einer Entfremdung zwischen Ihnen und Ihrem Sohn geführt. Hier bleiben Ihnen wohl nur Toleranz und Akzeptanz. Immerhin lässt der Sohn zeitweise seine Kinder durch Sie betreuen. Man kann natürlich sagen, dass der Sohn vielleicht auch finanzielle Überlegungen angestellt hat. Wenn das Verhältnis zu Ihnen aber ganz zerworfen wäre, würde der Sohn vermutlich eine andere Lösung suchen.

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Kindeswohl hat Priorität

Die Aussage der Enkelin hat die Erwachsenen irritiert und zu einem Streit «eingeladen». Sie kann viele Bedeutungen haben. In der gebotenen Kürze beschränke ich mich auf diese: Dass es zum Streit zwischen den Erwachsenen kam, hat wohl weniger mit der Aussage der Enkelin zu tun als mit über längere Zeit unausgesprochenen Differenzen bezüglich der Kindererziehung. Der Sohn erzieht seine Kinder anders, als Sie es sich wünschen. Auch hier bleiben Ihnen nur Toleranz und Akzeptanz. Sollten die Methoden Ihres Sohnes und Ihrer Schwiegertochter allerdings so sein, dass das Kindeswohl der Enkel gefährdet ist, so benötigen Sie die Zivilcourage einzugreifen, sinnvollerweise auch mit Unterstützung von Fachstellen.

Bei den anderen Aspekten, der Arbeits- und Partnerschaftssituation Ihres Sohns, sind Sie wegen der Beziehung zu ihm kaum die richtige Person, das anzusprechen. Vielleicht gibt es jemand Geeigneteren, eventuell Ihre Frau.

Ansonsten bleiben Ihnen wenige Möglichkeiten, ausser mit Bedauern und einem Stück Trauer darüber, dass auch hier Wunsch und Wirklichkeit weit auseinanderstehen, auf bessere Zeiten zu hoffen. Da Ihnen diese beiden letzten As­pekte ebenfalls Sorgen bereiten, ist es sinnvoll, die Beziehung zu Ihrem Sohn so gut zu pflegen, dass er sich, falls seine Not noch grösser werden sollte, dann noch an Sie als Eltern wenden kann.

Sie sind somit herausgefordert, die Ambivalenzen – besser wohl «Multivalenzen», also die Vielfalt punkto Bewertungen – auf den verschiedenen Ebenen immer wieder in ein erträgliches Gleichgewicht zu bringen.

* Dr. phil Josef Jung, Hitzkirch, Fachpsychologe für Psychotherapie FSP, www.psychotherapie-jung.ch

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