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Ratgeber

Unser erwachsener Sohn hängt nur noch herum

Unsere Tochter (23) studiert an der Uni. Der Sohn (22) aber brach vor vier Jahren seine Lehre ab, weil er keine Lust mehr hatte. Seither faulenzt er zu Hause, kifft, spielt PC-Games. Er macht Schulden. Unsere Versuche, ihm zu helfen, fruchteten nichts. Ihn einfach rausschmeissen bringen wir nicht über uns. Was können wir noch tun?
Josef Jung *

Sie stecken als Eltern in einer schrecklichen Zwickmühle. Zwar ist Ihr Sohn erwachsen, jedoch verhält er sich nicht so. Alle Ihre Bemühungen fruchten nichts. Eltern sind in solchen Situationen hin- und hergerissen zwischen Hilfe anbieten und Grenzen setzen. Man schwankt zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Man hat Schuldgefühle, fragt sich, was man in der Erziehung falsch gemacht hat.

Dr. phil. Josef Jung.

Dr. phil. Josef Jung.

Ungewollte Bestärkung

So ganz falsch kann es bei Ihnen nicht gewesen sein, da Ihre ältere Tochter ja offenbar ihren Weg geht. Die Gründe für die verschiedene Entwicklung der beiden können vielfältig sein.

Externe Beratungsstellen haben in solchen Fällen wenig Einfluss. Ihr Sohn zeigt keine Motivation zur Veränderung. Zugleich bestärken Sie ungewollt das Nichtstun: Er hat ein Dach über dem Kopf, bekommt täglich sein Essen, wohl noch weiteren Service wie Putzen oder Waschen und kann auch sonst tun und lassen, was er will. Das erinnert an die Redensart: «Herz, was begehrst du mehr?»

Sie erahnten die Lösung. Diese ist sehr einfach, aber äusserst schwer umzusetzen: rausschmeissen. Nun empfehle ich, dies nicht in einer Situation zu tun, die Sie emotional aufwühlt, sei es aus Verzweiflung oder Wut. Sie würden dies wahrscheinlich bald wieder bereuen und die Türe wieder öffnen.

«Rauswurf» vorbereiten

Schwer ist die Lösung deshalb, weil sie Vorbereitung braucht. Stellen Sie alle bisherigen Lösungsversuche ein. Sprechen Sie als Eltern in einem ruhigen Moment darüber, was Sie wie lange noch tolerieren wollen. Nur wenn Sie sich einig werden, was ab wann nicht mehr geht, und Sie beide fest entschlossen sind, davon keinen Deut abzuweichen, haben Sie eine Chance.

Dann legen Sie fest, bis wann Ihr Sohn auszuziehen hat (nicht zu lange, aber auch nicht nur wenige Tage). Sollte er dies nicht bis zum verlangten Termin tun, gilt sein Verbleib als Hausfriedensbruch und Sie lassen diesen mithilfe der Polizei beenden. Überdenken Sie das Vorgehen. Es macht nur Sinn, wenn Sie beide fest entschlossen sind, es durchzuziehen, sonst verschlimmert es die Situation.

Wenn Sie dann davon immer noch überzeugt sind, teilen Sie beide Ihrem Sohn klar mit, was Sie beschlossen haben. Schieben Sie keine Erklärungen oder Bitten nach, sondern lassen Sie Ihre Worte wirken. Möglicherweise ergibt sich nach einigen Tagen ein Gespräch auf Erwachsenenebene. Wenn sich Ihr Sohn weiterhin so verhält, als ob Sie nichts gesagt hätten, wiederholen Sie sich nicht, aber teilen Sie ihm zwei bis drei Tage vor dem festgesetzten Termin nochmals kurz mit, wie der Ablauf am erwähnten Tag sein wird.

Ich wünsche Ihnen, dass Ihre klare Haltung eine Bewegung in die gewünschte Richtung bewirkt. Und anderenfalls die Kraft, ruhig und entschieden zu handeln, falls der Tag kommt. Ein «Rauswurf» heisst ja nicht, dass Sie den Kontakt abbrechen, sondern dass Sie die Beziehung zu Ihrem Sohn auf einer anderen Ebene fortsetzen möchten.

* Dr. phil. Josef Jung, ist eidg. anerkannter Psychotherapeu; www.psychotherapie-jung.ch.

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