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Tischmanieren: Was ist nach wie vor stilvoll?

Wir leben in einer Gesellschaft, in der althergebrachte Verhaltensregeln zunehmend vernachlässigt werden. Zum Beispiel Tischmanieren: Welche zeichnen auch heute noch den kultivierten Gast aus?

Michèle Ségouin*
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Anders als früher bewegen sich die Menschen heute in unterschiedlichen Rollen auf varietätsreichen Bühnen: Noch vor Jahren war es undenkbar, dass der Herr Direktor seine Mittagsverpflegung in einem einfachen Imbiss eingenommen hätte. Umgekehrt ist es heute keinem mehr verwehrt, sich abends im Edelrestaurant verwöhnen zu lassen. Diese Veränderungen verlangen von uns, die Umgangsformen der entsprechenden Bühne anzupassen. Der Verhaltens­kodex in einem Gourmettempel unterscheidet sich frappant von den Umgangsformen in einer einfachen Imbissbude.

Einige Faustregeln können uns vor Blamagen bewahren:

— Warten mit Hinsetzen: Wird aus festlichem Anlass zu Tisch gebeten, sollte man mit dem Hinsetzen warten, bis der Gastgeber dazu auffordert. Wer während der Begrüssungsrede bereits gelangweilt im Sessel hängt, hinterlässt keinen guten Eindruck.

— Zurückhaltung am Buffet: Zugreifen sollte man stets erst, wenn von Seiten des Gastgebers oder des Ehrengastes das Signal dazu gegeben wird. Ebenfalls ist beim Selberschöpfen Zurückhaltung angebracht. Das Überladen des Tellers ist eindeutig passé.

— Richtiger Umgang mit dem Tabletop: Was immer wieder zu Verunsicherung führt, ist der Gebrauch der Werkzeuge. Bei den Besteckteilen gilt: von aussen nach innen benützen. Das Messer in den Mund zu füh- ren oder abzulecken, zeugt von schlechter Kinderstube. Hat der Gast das Mahl beendet, signalisiert er das, indem er Messer und Gabel nebeneinander in den Teller legt. Das Glas wird stets am Stil gehalten, um unschöne Fingerabdrücke zu vermeiden. Obwohl das Anstossen heute durchaus als salonfähig gilt, sollte ein klangvolles Aneinanderreihen der Gläser vermieden werden. In grosser Gesellschaft reicht zudem ein Zuprosten völlig aus. An Feiern sollte ab­- gewartet werden, ob der Gastgeber bzw. Jubilar einen Toast ausbringen will. Es schickt sich nicht, dem Jubilar mit klirrenden Gläsern ins Grusswort zu fallen.

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— Platzierung der Serviette: Die Serviette hat den Zweck, Essensreste vom Mund zu tupfen, damit diese keine unschönen Spuren am Glasrand hinterlassen. Während des Essens wird die Serviette leicht gefaltet im Schoss platziert, während einer Pause auf die linke Seite gelegt, um eine Verwechslung mit jener des Nachbarn auszuschliessen. Das edle Stofftuch am Schluss zusammengeknüllt im Teller zu deponieren, kommt einer Faust aufs Auge gleich. Auch hier: Serviette leicht gefaltet zur Seite legen.

— Geräuschloses Dinieren: Ob in der Quartierbeiz oder im Nobelrestaurant: Schmatzen und mit vollem Mund sprechen macht sich auf keiner Bühne gut. Auch zeugt das lässige Aufstützen auf die Ellenbogen von wenig Höflichkeit.

Wer seinen Gang beendet hat, soll mit dem Aufstehen warten, bis alle mit Essen fertig sind. Es ist wenig gesellschaftsfördernd, wenn die einen noch den Hauptgang geniessen und die anderen bereits die Stühle rücken.

— Handarbeit: Ob der Pouletschenkel von Hand zum Mund geführt oder das Fleisch mit dem Messer vom Knochen gelöst wird, ist vom Schauplatz abhängig. Finger Food erfreut sich wachsender Beliebtheit, und so ist es in einigen Lokalitäten gängig, dass die Gäste mit den Fingern zugreifen. Daran ist nichts auszusetzen, vorausgesetzt der Kontext stimmt. Wird auf weiss gedeckter Tafel eine Beilageschale mit Vorlegebesteck gereicht, gilt umgekehrt, die Besteckteile zu benützen.

*Michèle Ségouin ist Knigge-Trainerin und dipl. Hôtelière-Restauratrice HF. Weitere Infos: www.dieanstandsdame.ch

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