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Ratgeber

Sollen wir Schwindeleien unseres Sohnes tolerieren?

Unser Sohn, gut 4-jährig, nimmt es in letzter Zeit mit der Wahrheit nicht allzu genau. So nimmt er für sich in Anspruch, dass er etwas gezeichnet hat, was aber gar nicht von ihm selber war. Oder er erzählt, er sei auf einer besonders grossen Rutschbahn gewesen. Ist das normal in dem Alter? Sollen wir als Eltern klar gegensteuern?
Josef Jung*

Ich kann verstehen, dass Sie diese offensichtlichen «Lügen» Ihres Sohnes irritieren.

Nun stellt sich die Frage: Wie ist das Wissen um «Wahrheit» bei einem vierjährigen Kind.

Bis etwa zum vierten Lebensjahr können Kinder zwischen «Wahrheit» und «Lüge» noch keine korrekte Trennung ziehen. Ihr Sohn befindet sich somit in diesem Grenzbereich. Erst ab fünf bis sechs Jahren ist das kindliche Bewusstsein so weit entwickelt, dass Kinder auch gezielt versuchen, mit «Veränderungen der Wahrheit» Erfolg zu haben.

Wunsch hinter der Lüge

Lügen ist immer mit einer Absicht verknüpft. Vielleicht wünscht sich Ihr Sohn, schon gut zeichnen zu können, bemerkt aber seine begrenzten Möglichkeiten. Dann kann er eine gelungene Zeichnung eines Dritten als «seine» Produktion» deklarieren. Vielleicht möchte er bei der grossen Rutschbahn ebenso mutig sein wie ältere Spielkameraden und behauptet dann, er sei auch runtergerutscht.

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Schreiben Sie an: Ratgeber, Luzerner Zeitung, Maihofstrasse 76, 6002 Luzern. E-Mail: ratgeber@luzernerzeitung.ch Bitte geben Sie bei Ihrer Anfrage Ihre Abopass-Nummer an.

Es ist die Zeit, da Kinder Märchen zu lieben beginnen, die Zeit also als Wünschen noch geholfen hat. Ein Klassiker, wie weit man es mit Lügen bringt, ist das Märchen vom tapferen Schneiderlein. Mit gekonnt eingesetzten Lügen – «Sieben auf einen Streich» stickt er in mächtigen Buchstaben auf seinen Gürtel – startet er eine steile Karriere, die ihn letztlich auf den Königsthron führt. Die Moral von der Geschichte: Gut lügend wird man Staatschef. So fern scheinen Märchen nicht zu liegen, wenn man in die gegenwärtige Politik schaut ...

Wir lügen täglich

Da kommen Sie in der Erziehung Ihres Sohnes in ein Dilemma. In unserer Gesellschaft herrscht bezüglich des Lügens eine Doppelmoral. Einerseits lautet eines der zehn Gebote «Du sollst nicht lügen». Die Menschen werden also seit Jahrhunderten angehalten, die Wahrheit zu sagen. Anderseits wird täglich gelogen, dass sich die Balken biegen. «Alle Menschen lügen ... wer das Gegenteil behauptet, lügt», lautet ein Buchtitel des Lügenforschers Peter Stiegnitz. Lügen scheint also etwas Urmenschliches zu sein, gegen das auch jahrhundertealte Moralvorschriften nicht ankommen.

Zurück zu Ihrem Sohn: Halten Sie ihm keine Moralpredigt, sondern interessieren Sie sich für die Geschichte hinter seiner «Lüge». Was bewegt ihn dazu, dies oder etwas anderes als «Wahrheit» hinzustellen, obwohl dies offensichtlich nicht so ist? Fühlt er sich minderwertig, weil andere etwas können, das er glaubt, auch können zu müssen? Möchte er gerne mutiger sein, um auch auf der grossen Rutschbahn runtersausen zu können? Wenn dem so wäre, bräuchte er etwas Ermutigung oder Begleitung von Ihnen.

Mindestens so wichtig ist auch, ihn zu beruhigen, dass es für Sie in Ordnung ist, wenn er dieses oder jenes nicht kann und Sie ihn trotzdem lieben. Ein Kind, das sich aufgehoben fühlt und sich vertrauensvoll auch mit Schwächen und Ängsten an Sie wenden kann, muss weniger mit Dingen à la «Sieben auf einen Streich» auftrumpfen.

*Dr. phil. Josef Jung aus Hitzkirch ist Fachpsychologe für Psychotherapie FSP. Mehr dazu: www.psychotherapie-jung.ch

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