Ratgeber

Soll ich mit Kleinkindern überhaupt ins Restaurant?

Zwischen den Jahren waren wir mit unseren Kindern (zwei und vier) im Restaurant. Der Besuch verlief nicht ideal. Das Restaurant hatte weder Kindersitze noch Malsachen. Als unsere Kinder dann quengelten, ernteten wir böse Blicke vom Nebentisch. Zugegeben: Kindergeschrei gehört nicht ins Restaurant. Also besser zu Hause essen?

Herbert Huber*
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Sind Kinder (noch) nicht Restaurant «erfahren», kann ein Restaurantbesuch für Eltern, Kinder und Gäste zur Belastung werden. Denn Kindergeschrei passt definitiv nicht ins Restaurant. Meine Kindheitserinnerung als Gast geht zurück in die 50er-Jahre. Ich hatte anständig am Tisch zu sitzen. Nicht mit vollem Mund zu sprechen. Mit der Serviette vor dem Trinken die Lippen zu reinigen. Und nicht zu schlürfen beim Siruptrinken. Gar nicht lustig fand ich das, als Sechsjähriger.

Herbert Huber

Herbert Huber

Matthias Piazza, Nidwaldner Zeitung

Und heute? Ist es passend, dass in einem gepflegten Speiselokal ein Säugling schreit? Darf ein Kind in einem Restaurant mit einem Kickboard zwischen den Tischen umherdüsen? Dürfen Kinder am Boden der Wirtschaft spielen und dabei die Service-Mitarbeitenden bei der Arbeit gefährden? Und notabene auch das Kind sich selbst? Dürfen Kinder mit dem Besteck auf den Teller hämmern?

Auf den Besuch vorbereiten

Das sind heikle Fragen, weil Kinder immer zu schützende Wesen sind. Deshalb sollten Kinder, bevor sie in ein Restaurant geführt werden, auf einen solchen Besuch vorbereitet werden: Was gehört sich, und was nicht? Wäre ich noch ein Kind, würde es mich wohl auch langweilen, in der Nobelherberge den Eltern beim Verzehren von edlen Delikatessen zusehen und mir ihre Gespräche über Geld, Geist und Politik anhören zu müssen. Kinder fühlen sich nur dann in einem Restaurant wohl, wenn sie das kulinarische Erlebnis schon verstehen gelernt haben.

Wie oft habe ich als Gast nicht schon erlebt, dass ein Kind sich nicht in das Sitzli hineinzwängen lassen wollte, wenn denn eines da war. So schrie es und machte Mitarbeitende und die Umgebung nervös. Man kann von diesen Mitarbeitenden nicht verlangen, auch noch geschult in der Kinderbetreuung zu sein, Lätzli umzubinden und die Kinder tröstend zu beruhigen.

Und doch, es gibt Restaurants mit Kinderwünschen angepassten Betriebskonzepten. Das ist super! Da muss man weder nach einem Röhrli zum Sirup noch nach einem kleineren Teller fragen. Hier ist auch das Glas kein dünnwandiges, sondern ein robustes. Zudem gibt es originell gestaltete Kinderkarten, ein Malbüchlein (mit gespitzten Farbstiften) oder sonst ein praktisches Spielzeug, das nicht allzu viel Lärm verursacht.

Respekt und Verständnis

Es ist nicht einfach für die Gastgeber, Kinder und Erwachsene glücklich zu stimmen. So empfehle ich, dass sich Gäste mit Kindern vorher informieren, ob das Restaurant auf Kinderwünsche eingestellt ist. Mit gegenseitigem Respekt, gutem Willen und Verständnis gegenüber den Mitarbeitenden sowie mit Rücksicht auf andere Gäste kann auch ein Restaurantbesuch mit ganz kleinen Kindern zu einem freudvollen Erlebnis werden.

* Herbert Huber ist Gastronom und diplomierter Hotelier sowie Autor des Buches «Geschichten und Gekochtes. Tanz mit der Gastronomie», das im Werd-Verlag erschienen ist.